Glasmalerei und Aquarell im Kunstmuseum Hersbruck

Im Wechselspiel des Lichts

Ortrud Thieg Karkosch wird im Kunstmuseum Hersbruck mit einer Ausstellung geehrt - und erhält von Museumsleiter Uli Olpp einen Blumenstrauß. | Foto: Ute Scharrer2016/09/7443783.jpeg

HERSBRUCK – Transluzenz, durchscheinende Farben, Transparenz und Strahlkraft – das sind Eigenschaften, die Glasmalerei und Aquarell gemeinsam haben. Von beiden Gattungen sind Arbeiten von Ortrud Thieg Karkosch im Kunstmuseum Hersbruck zu sehen – die Farbverglasungen nur als Fotografien. Um diese im Spiel des Lichtes erleben zu können, plant der Förderverein Kunstmuseum Hersbruck Ende Oktober eine Kunstfahrt zu den Originalen, die in ganz Franken verteilt sind.

Der Begriff „Monumentale Kunst“ hat in Deutschland einen schalen Beigeschmack. Doch wenn er sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auf die raumbestimmenden Glasfenster bezieht, mit denen Ortrud Thieg Karkosch viele der bewusst schlicht gehaltenen Sakral-Neubauten zum mystischen Erglühen bringt, bekommt er eine ganz neue Bedeutung.

Thieg Karkosch ist 1934 geboren und Absolventin sowie Meisterschülerin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg in der Klasse für „Monumentale Malerei“ unter Professor Otto Michael Schmitt. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Glasgestalterin zeichnete sie sich auch dadurch aus, dass sie die Fenster vom ersten Entwurf bis über die Auswahl der Farbgläser, den Zuschnitt und die Verbleiung eigenhändig herstellte- eine große und außergewöhnliche Leistung, die man der zierlichen Frau gar nicht zutraut.

Pilgern zu den Glaswerken
Bei der Eröffnung der Ausstellung im Kunstmuseum stellte Daniel Hess, Experte für mittelalterliche Glaskunst beim Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, die Verdienste der Arbeiten von Thieg Karkosch heraus. Nicht umsonst, so Hess, pilgern Kunstliebhaber zu den Glasfenstern der gotischen Kathedralen und bewundern, wie die Fenster das Licht der Außenwelt farbig brechen und den Kirchenraum zum Strahlen bringen.

In Nürnberg existieren unter anderem Entwürfe für Glasmalerei von Albrecht Dürer und die Glasmalerdynastie Hirsvogel wirkte in diesem Bereich über mehrere Generationen. Im 20. Jahrhundert wurde der Aufschwung der lange vernachlässigten Kunstgattung durch Entwürfe von Georges Braque, Marc Chagall, Eugène Delacroix, Fernand Léger, Henri Matisse und Joan Miró gestärkt, ein großes Kapitel moderner Glasmalerei schrieben nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Künstler wie Ludwig Meistermann, Ludwig Schaffrath oder Johannes Schreiter. Heute machen zeitgenössische Künstler wie Markus Lüpertz, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Neo Rauch in diesem Metier von sich reden.

Der subtile Dialog zwischen Abstraktion und Figur, dem Ausbalancieren von „lichter Fläche“- dem Verwenden von nicht farbigem Glas- und farbigen Flächen, kraftvolle Kontraste, die lichtgeflutete Farbenpracht ganzer Glaswände zeichnet die Schöpfungen von Thieg Karkosch aus. Die Aquarelle der Künstlerin, in denen sie Impressionen von unzähligen Reisen zu Papier gebracht hat, kann man im Obergeschoss des Museums bewundern. Mit den Glasarbeiten gemein haben sie die Kühnheit der Komposition, das Leuchten der Farben, den kraftvollen „großen Wurf“.

Da Glasfenster auf Abbildungen nur unzureichend gewürdigt werden können, organisiert der Förderverein Kunstmuseum Hersbruck am 23. Oktober eine Kunstfahrt zu einigen Zielen, wo die Teilnehmer die Glasfenster von Thieg Karkosch „live“ im Wechselspiel des Lichts bewundern können. Interessenten können sich per Mail unter [email protected] melden, damit entsprechend ein Bus geordert werden kann.

Die Ausstellung in der Amberger Straße 2 in Hersbruck ist bis 13. November Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

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