Alena Scharrer präsentiert ihre großformatigen Ölfarbe-Arbeiten

Hersbrucker Kunststudentin stellt im Stadthaus aus

Zwei, die sich den Weg durch mannshohes Schilf bahnen. Fotos: privat2016/01/Alena-Scharrer-3.jpg

HERSBRUCK – Zart, fast durchsichtig ist die Ölfarbe an manchen Stellen aufgetragen – wie für ein Aquarell in durchscheinenden Schichten. Die Kunststudentin Alena Scharrer studiert im fünften Semester an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg in der Klasse von Susanne Kühn und bestückt derzeit mit ihren großformatigen Arbeiten das Stadthaus am Schlossplatz.

Die „Bildwürdigkeit“ von Motiven musste durch die Jahrhunderte der Kunstgeschichte immer wieder neu diskutiert werden. Fand zunächst nur biblisches Geschehen den Weg auf die Bildtafel oder ins Stundenbuch, eroberten bald auch historische Momente, weltliche Porträts, Stillleben und Landschaften die Leinwände. Das Postulat der Dauerhaftigkeit und Gültigkeit jedes abgebildeten Moments wurde allerdings erst spät aufgelöst mit willkürlich erscheinenden Bildausschnitten und beliebig wirkenden Motiven.

Alena Scharrers meist großformatige Arbeiten entfalten ihren Zauber in einem Schwebezustand zwischen den beiden Extremen. Es kann jeder beliebige Moment sein, der in diesen Ölbildern seinen Platz behauptet; keineswegs der perfekte oder der bedeutsame Augenblick. Das mag den Schwebezustand zwischen Jugend und Erwachsensein spiegeln, ohne Festlegungen oder Gewissheiten, es feiert aber auch, dass jede Sekunde lebenswert- und bildwürdig ist.

Die manchmal vage bleibende Verortung der Motive und die beiläufig erscheinende Art der Malerei unterstreicht das noch. Oft liegt einem Bild eine eigene Fotografie zugrunde, manchmal auch ein altes Lichtbild aus Alena Scharrers Sammlung. Im Prozess des Malens verändert sich das Motiv unweigerlich, stets bleibt es aber ein „Schnappschuss“, der einen Ausschnitt aus dem Leben der jungen Künstlerin zeigt, wie es ist- oder sein könnte.

Der Überhang an Natur in ihrem Werk ist kein Zufall: aufgewachsen mit einem starken Bezug zu Wald und Wiese könnte auch das freiwillige soziale Jahr in einem Waldkindergarten ganz in der Nähe der Akademie noch einmal Anlass für die häufige Wahl der Farben Grün und Braun in Alena Scharrers Gemälden gegeben haben. Nach über zwei Jahren in Nürnberg stiehlt sich aber auch die Stadtlandschaft in die Bilder.
Die Ausbildung an den Kunstakademien orientiert sich heute stärker am Kunstmarkt als früher: Mit häufigen Ausstellungen werden die Studenten bereits früh auf die Anforderungen des Künstlerlebens vorbereitet. Eine spannende Bewährungsprobe ist eine Einzelausstellung in der Heimatstadt allemal – und ein lohnendes Ziel für Kunstinteressierte. Das Ziel der jungen wie begnadeten Künstlerin ist trotz ihres Studiums der freien Malerei der Beruf der Kunsterzieherin.

Zu sehen sind ihre Werke im Stadthaus am Schlossplatz bis zum 5. März von montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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