Termine im Juli

Hersbrucker Kindertheatertage in abgespeckter Form

Bereits vergangenes Jahr verwandelte sich der Rosengarten in eine Freiluftbühne für das Theater Rootslöffel. Auch heuer soll so ein Ersatz für die abermals ausfallenden Kindertheatertage entstehen. | Foto: privat2021/03/Theater.jpg

HERSBRUCK – „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir die Kindertheatertage nicht vergessen“, sagt Angelika Pflaum, Deshalb wollen sie und Dorothea Müller Phillips Sohn auch heuer einen kleinen Ersatz für die beliebte Veranstaltung schaffen, die normalerweise zwischen Fasching und Ostern stattfindet, doch zum wiederholten Male ausfallen muss. Im Sommer soll sich der Rosengarten an zwei Tagen in eine Bühne verwandeln – auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten.

Schon vergangenes Jahr begeisterte das Theater Rootslöffel im Hersbrucker Rosengarten Klein und Groß. Das soll auch heuer wieder so sein. Deshalb kommt am 24. Juli „Kaspar und der Müllteufel“ auf die improvisierte Freilicht-Bühne. „Das Stück wäre bereits bei den Kindertheatertagen 2020 im Programm gewesen“, weiß Pflaum. Darin geht es um einen verschwenderischen König, der sein ganzes Essen doppelt und dreifach verpackt beim „Müllteufel“ einkauft. Als das ganze Land im Müll versinkt, versucht der König verzweifelt, der Berge Herr zu werden. Letztendlich kann nur der Kaspar helfen, den „Müllteufel“ zu verbannen.

Reise nach Paris

Auch Erwachsene sollen nicht leer ausgehen: Sie werden von Elke Wollmann am 29. Juli mit dem Liederabend „Paris mon amour“ nach Frankreich entführt. Die Sängerin und Schauspielerin aus Weiher bringt zusammen mit dem Gitarristen Stefan Grasse und Bettina Ostermeier am Akkordeon französische Chansons, Gedichte und Geschichten über ihre Lieblingsstadt zu Gehör.

In erster Linie sollen die Kindertheatertage nicht komplett ins Wasser fallen, erklärt Pflaum. „Wir sind fest entschlossen, weiterzumachen, sobald wir wieder dürfen.“ Der Freiluft-Ersatz soll aber auch ein Zeichen der Unterstützung für die Schauspieler sein. Andere Gruppen, die schon einmal in Hersbruck aufgetreten sind, hätten ebenfalls bereits bei Pflaum angefragt – die Augsburger Schaubühne zum Beispiel. Und obwohl es bereits Überlegungen gebe, auch sie spielen zu lassen, will Pflaum den Schauspielern keine allzu großen Hoffnungen machen. „Man kann einfach nichts planen. Letztes Jahr hat mir das Herz geblutet, als ich den Schauspielern wieder absagen musste“, erzählt sie.

Andererseits habe sie Sorge, dass viele aufgeben müssen. Kaum Einkommen, keine Perspektive – nicht wenige würden sich andere, gesicherte Jobs suchen. Und wer weiß, ob alle nach der Pandemie wieder in den Schauspielberuf zurückkehren werden.

Keine Lust, aufzuhören

Ganz so düster sieht es zumindest beim Theater Rootslöffel nicht aus. Jeder der zirka sieben Schauspieler sei selbstständig, und da das Theater als Verein fungiert, hat es ohne Auftritte auch keine Kosten, erklärt Schauspieler Thomas Herr. Zudem habe jeder der Akteure von vorneherein mehrere Standbeine. Ans komplette Aufhören habe aber noch keiner gedacht. „Vielleicht liegt das auch am Alter. Wir sind alle schon so lange dabei, wir haben gar keine Lust, aufzuhören“, lacht Herr.

Und noch einen anderen Vorteil hat das Nürnberger Theater: „Unser Glück ist, dass wir schon seit 30 Jahren auch Straßentheater machen“, erklärt er. Deshalb konnte die kleine Bühne vergangenes Jahr relativ schnell auf die Beschränkungen reagieren und mit mobiler Bestuhlung auf Wiesen, freien Plätzen oder in Kinderhorten spielen. So kam die Schauspieltruppe trotz Ausfällen von Februar bis Mai und gerade mal drei Wochen Spielzeit im Oktober ganz gut über die Runden.

Schauspiel im Hinterhof

Über’s Jahr gesehen hat das Theater Rootslöffel durchschnittlich 140 Auftritte – rund die Hälfte fiel 2020 Corona zum Opfer. „Und es wären noch mehr gewesen, wenn wir nicht draußen hätten spielen können“, so Thomas Herr. Am meisten ärgere ihn aber, dass ein für den zweiten Lockdown entwickeltes Konzept vom Ordnungsamt nicht genehmigt wurde: „Wir wollten im Hinterhof unseres Theaters am Wochenende kurze Stücke für jeweils nur eine Familie anbieten. Alles hätte kontaktlos ablaufen können. Aber laut Amt sei der Besuch im Theater kein triftiger Grund, das Haus zu verlassen“, erzählt er. Es gehe ihm um Wertschätzung, die hier einfach fehle.

Denn als Freilufttheater nach dem ersten Lockdwon wieder möglich geworden sei, habe sich gezeigt, wie sehr Kinder und Erwachsene sich nach ein paar Stunden Abwechslung gesehnt hätten. „Wir wurden von einer Sympathiewelle überrollt. Kinder und auch Pädagogen waren unglaublich dankbar, dass sie mal wieder ausgelassen sein konnten“, erzählt er hörbar bewegt.

Untätig war die Truppe aber auch in den vergangenen Wochen nicht: ein neues Stück ist entstanden, trotz der Unsicherheit, wann es überhaupt zur Aufführung kommen kann. „Wir wollten nicht mehr warten, waren mürbe und haben beschlossen, einfach zu machen“, sagt Herr.

„Freischaffend ging nichts“

Auch Elke Wollmann hatte Glück im Unglück. Nach 16 Jahren Festanstellung beim Staatstheater Nürnberg entschied sich die Hersbruckerin nach einem Intendantenwechsel für den Schritt in die Selbstständigkeit. „Das lief zwei Jahre lang super“, erzählt sie, hatte sie sich doch neben der Schauspielerei noch Standbeine als Musikerin, Coach und Synchronsprecherin geschaffen. Doch dann kam Corona. „Freischaffend ging nichts mehr“, bringt sie es auf den Punkt. Mit Stückverträgen an den Theatern Fürth und Erlangen, die es sich leisten konnten, wegen der Abstandsregeln vor halb leeren Ränge zu spielen, einem Vertrag in Erlangen und wenigen Liederabenden konnte sie sich über Wasser halten, musste aber trotzdem auf ihr Erspartes zurückgreifen. Bei Coronahilfen fiel sie lange durchs Raster.

Dann aber tat sich eine Möglichkeit auf, die sie seit ihrer Selbstständigkeit unter normalen Umständen wohl nicht ergriffen hätte: ein festes Engagement beim Theater Erlangen ab diesem Sommer. „Ich dachte eigentlich, dass ich bis zu meiner Rente freischaffend bleibe“, erzählt die 59-Jährige. Sie habe die Freiheit und die Selbstbestimmung, die man bei einer Festanstellung so nicht hat, lieben gelernt. Doch momentan hätte sie als freischaffende Künstlerin keine Chance.

Für Wollmann ein großes Glück, denn sie kann trotz ihres Festengagements weiterhin auch mit ihren Liederabenden auftreten. Ihr nächstes Projekt „Tapetenwechsel“ hat sie während des zweiten Lockdowns vorbereitet. Die Premiere ist für den 7. Mai im Hubertussaal in Nürnberg geplant. Und im Juli will sie die Hersbrucker nach Paris entführen  …

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren