Collegium Musicum spielte in Hohenstadt

Händel mit einem Augenzwinkern

Mit passenden Kostümen und Perücken versuchten die Sänger, den „großen Meister“, Georg Friedrich Händel, von ihrem Können zu überzeugen. | Foto: M. Münster2020/03/P1090497.1-scaled.jpg

HOHENSTADT – Was hatte Susanne Pflaumer mit ihrem Ensemble und den Solisten da gezaubert? Es war kein reines Konzert, es war keine echte Oper, der Begriff Singspiel traf es aber genau.

Der Markgrafensaal in Hohenstadt füllte sich zusehends mit erwartungsvollen Besuchern, das Musikensemble nahm schon mal die Plätze vor der Bühne ein und einige Akteure sah man in Kostümen und Perücken umherlaufen. Der Titel für das Sonntags-Konzert lautete „Ombra mai fu – Händel in Nöten“. Und so begann die Handlung auch mit der Hauptperson Georg Friedrich Händel.

Mit dem titelgebenden Werk eröffnete das Collegium Musicum Hersbruck mit Johannes Raab am Cembalo und unter der bewährten Leitung von Susanne Pflaumer das Programm musikalisch.

Mittendrin statt nur dabei

Zunächst saß Händel einsam in seinem Kämmerchen an einem Schreibtisch und war mit Notierungen beschäftigt. Er erzählte von seiner Lebens- und Schaffensplanung und davon, dass er zukünftig nur noch Oratorien schreiben werde. Plötzlich gab es einen lukrativen Auftrag, den er aufgrund seines aktuell mal wieder finanziellen Engpasses unmöglich ablehnen durfte. Er brauchte jedoch qualifizierte Sänger. Und schon waren die Zuhörer mittendrin in der Handlung. Etliche Sängerinnen und Sänger zeigten ihr Können und sangen dem „großen Meister“ in zumeist italienischer, mit nur einer Ausnahme in englischer Sprache vor.

Die Sängerinnen in ihren historischen Kostümen geizten weder mit schauspielerischen Talenten, noch mit den oft ausgeprägten Koloraturen in den anspruchsvollen Stücken. Sie wussten sich in Szene zu setzen und arbeiteten mit allen Tricks, um die Konkurrenz zu überbieten. Die Besucher konnten sich tatsächlich in die Zeit des 18. Jahrhunderts mit all ihren Besonderheiten einfühlen.

Raumfüllende Stimmen

Die Sänger kommen aus der Region und betreiben das Singen als ausgeprägtes Hobby. Natürlich hört man eine fundierte Ausbildung heraus, und so war auch die Leistung an diesem Nachmittag hervorragend. Für so manche raumfüllende Stimme war der Markgrafensaal fast zu klein. Liebhaber der Musik von Händel kamen voll auf ihre Kosten.

Auch die engagierten Musiker erbrachten eine großartige Leistung. Ein beinahe zweistündiges, nur von einer kurzen Pause unterbrochenes Programm erfordert schon immense Konzentration von Spielern und Dirigentin. Die Abstimmung mit den jeweiligen Sängern klappte ebenfalls sehr gut.

Solo bis Chor

Solo, im Duett, Terzett oder als Schlusschor in der Gesamtheit, brachten die Sänger bekannte und etwas weniger bekannte Stücke zu Gehör. Auch die Instrumentalvorträge des Collegium Musicum Hersbruck, wie der „Einzug der Königin von Saba“ oder „Alla breve“ aus „Alcina“, bereicherten das Nachmittagsprogramm.

Vokal wirkten mit: Doris Bodendörfer (Alt), Marlene Burger (Mezzosopran), Jonas Czertzick (Sopran), Martin Czertzick (Bass), Sonja Daubenmerkel (Sopran), Bianca Kölbel (Sopran), Daniela Kohl-Czertzick (Sopran), Wolfgang Pöhner (Bass) und Martina Wollin (Alt).

Nach dem mächtigen Applaus kamen die Akteure um eine Zugabe nicht herum. Blumen gab es für alle Mitwirkende, aber auch für die musikalische Leiterin Susanne Pflaumer und für Jutta Prillwitz, die für die Vorbereitung der Vokalistinnen zuständig war.

N-Land Marita Münster
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