Zwei Tenöre in Etzelwang

Großes Kino in der Kirche

Die beiden „Tenöre4You“ Toni di Napoli und Pietro Pato (im Bild) zeigten sich stimmgewaltig. | Foto: U, Scharrer2016/11/7573135.jpeg

ETZELWANG – „Ave Maria“, „My Heart Will Go On“ – mit Evergreens und emotionalen Kompositionen haben die „Tenöre4you” dem Publikum in der St. Nikolaus-Kirche Etzelwang entzückte „Aaahs” und „Ooohs” entlockt. „So voll ist es sonst nur an Weihnachten“, bemerkte ein Einheimischer. So voll Gefühl vermutlich auch.

Blütenweißes Hemd zum schwarzen Samtjackett, dicke Klunker an den Fingern, diamantbesetzte Gürtelschnalle – als Toni di Napoli und Pietro Pato den Chorraum betreten und die aufgekratzten Gespräche im Kirchenschiff verstummen, legen die beiden Tenöre sofort die Fahrtrichtung für ihre „Reise durch die Musik“ fest.

Große Gesten, große Gefühle und großartiger Gesang. Toni di Napoli ist dabei für die launige Moderation mit sympathischem italienischem Akzent zuständig. Und für eine schier unglaubliche Stimmgewalt. Selbst drei Schritte vom Mikrofon entfernt scheint er die Mauern der Kirche zum Erbeben zu bringen, wenn er „O Sole Mio“ schmettert. „An diesem Lied versucht sich jeder Tenor, ob er kann oder nicht“, scherzt di Napoli in der Anmoderation. Er kann, und er bräuchte, wie ein Zuhörer ehrfürchtig wispert, wohl auch den Verstärker nicht.

Pietro Patos warme Stimme ist eher für die leisen Töne und weichen Modulationen zuständig und gewinnt die Herzen des überwiegend weiblichen Publikums mit „Amazing Grace“ oder der irischen Ballade „You Raise Me Up“. Der Verzicht auf den Biskuit der untermalenden Synthesizermusik und den Zuckerguss von Filmeinblendungen zu den Soundtracks von „Titanic“ und „Das Phantom der Oper“ hätte die Aufmerksamkeit des Publikums vielleicht noch stärker dorthin gelenkt, wo sie hingehört: zum brillanten und schönen Gesang der beiden Männer.

Die Rechnung, Emotion auf Gefühl auf Sentimentalität zu häufen, geht für die „Tenöre4you“ auf: wohliges Aufseufzen bei der Ansage der Lieder und temperamentvolles Mitklatschen beim jüdischen Schlager „Hava Nagila“ zeigen, dass es den „Tenören 4 You“ gelingt, die Zuhörer ins zeitlose Reich der Musik zu entrücken. Sogar die Operntalente im Publikum bekommen bei einzelnen Mitsingliedern wie „Volare“ ihre Chance, zu brillieren – und Lob von den Profisängern: „So gut habe ich das noch nie gehört!“, versichert Toni di Napoli.

„Die bräuchten wir im Kirchenchor!“, erträumt sich eine Zuhörerin nach frenetischem Schlussapplaus, Zugabe und der Bitte, die Facebookseite der Tenöre zu „liken“. Dann würde das Showbusiness definitiv im St. Nikolaus-Kirchenchor Einzug halten.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer