Raumfahrt- und Zeidelmuseum wollen expandieren

Große Pläne: Ein Kulturareal für Feucht?

Das Torwächterhaus (vorne) möchte der Verein des Raumfahrtmuseums zu einem Schülerlabor umbauen und die Ausstellung ins Pfinzingschloss verlagern. Das Zeidelmuseum rechts daneben (nicht im Bild) möchte die Räume nebenstehenden Bücherei übernehmen. Hinter dem Pfinzingschloss soll eine neue Bücherei gebaut werden2013/04/kulturarealpfinzingschloss_New_1366272307.jpg

FEUCHT – Die Vereine des Zeidel- und des Raumfahrtmuseums planen Großes: Sie wollen ein Kulturareal in Feucht errichten, damit ihre Museen ausweiten und eine Forschungsstelle ansiedeln. Ob und inwiefern die Vision Gestalt annimmt, steht allerdings noch in den Sternen.

Dass die zwei Museen und die Bücherei über Platznot klagen, ist nichts Neues. Das breit angelegte Museumskonzept soll Abhilfe schaffen. Die ganze, bislang recht klein angelegte, Feuchter Museumslandschaft wollen die Planer umkrempeln.

Denn in Feucht schlummern wahre Perlen für Besucher und Forscher: Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum verfügt über einzigartige Exponate und findet Beachtung bei Fachleuten weltweit. Schließlich gilt der Feuchter Hermann Oberth als Vater der Raumfahrt in den 1920er Jahren. Die Imkerei, im Mittelalter Zeidelwesen genannt, wiederum ist ein grundlegendes Element Feuchter Geschichte. Das Zeidelmuseum beherbergt die Bücherei des Landesverbandes bayerischer Imker. Doch aufgrund der Enge bleibt der Zugang zu vielen Exponate, zu Archiv- und Literaturbeständen der Öffentlichkeit bisher verschlossen.

Die Pläne für das Kulturareal sehen konkret so aus: Das Hermann-Oberth-Museum will seinen Hauptsitz ins Pfinzingschloss verlagern. Insbesondere die große Halle wäre optimal für die großen Ausstellungsobjekte geeignet. Auch böte das Schloss ausreichend Platz, um die vielen noch im Depot schlummernden Objekte zu zeigen. Das Torwärterhaus, das jetzt auf 160 Quadratmeter das Raumfahrtmuseum beherbergt, könnte dann zu einem Kinder- und Schülerlabor für Raumfahrt umgebaut werden.

Kämmerei und Bauamt, die momentan im Pfinzingschloss untergebracht sind, müssten deshalb weichen. Die Planer hoffen, dass das Metzhaus direkt neben dem Rathaus dafür in Frage käme. Die Trödelstube könnte erhalten, die restlichen Räume mit dem Rathaus verbunden werden.

Auch das Zeidelmuseum will expandieren. Dem Verein schwebt vor, die Räume der Bücherei mitzunutzen und damit die Fläche für Ausstellungen zu erweitern. Für die Bücherei hoffen die Museumsvereine auf einen Neubau. Dieser könnte hinter dem Pfinzingschloss entstehen.

Dieses Grundstück hat vormals Oberths Tochter Erna Roth-Oberth gehört. Nach ihrem Tod im vergangenen August fiel es dem Verein zu. Dieser will es nun der Gemeinde zur Verfügung stellen – mit der Bedingung, dass diese eine neue Bücherei baut. Am besten mit einer Forschungsstelle für Experten, die Schriften wie bislang unveröffentlichte Briefe Oberths oder Archivalien über das mittelalterliche Zeidelwesen studieren möchten.

Damit würden sich die zwei Museen und die Gemeindebücherei noch immer in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. Als Prunkstück und Highlight käme das Pfinzingschloss mit der dahinter liegenden Bücherei zum Kulturareal hinzu.

„Wir brauchen eine Perspektive“

Zeidel- und Oberth-Museum stehen geschlossen hinter ihren Plänen. „Der Markt Feucht kann und sollte die Museen als Identifikationsfaktoren für die Bevölkerung nutzen und als ‚weiche‘ Standortfaktoren pflegen“, heißt es in der Präsentation, die Vereinsvorsitzende Ralph Reiwe und Karl Heinz Rohrwild am Montag den Feuchter Fraktionsvorsitzenden vorstellten. Die Idee ist nicht ganz neu: Zuerst kam sie bei der Eröffnung des Drei-Schlösser-Rundweges vor drei Jahren zur Sprache.

Jetzt wollen die Verantwortlichen die Werbetrommel rühren – die Einladung an Innenminister Herrmann zur Eröffnung der neu gestalteten Räume im Oberth-Museum kam nicht von ungefähr. „Wenn wir attraktiv bleiben wollen, mussten wir etwas tun“, sagt Michael Zuber, Pressesprecher des Oberth-Museums, und betont: „Wir brauchen eine Perspektive“.

Doch gerade das könnte schwierig werden. Bürgermeister Konrad Rupprecht findet das Konzept „super“. Doch bei der Realisierung sieht er erhebliche Schwierigkeiten. Für den Um-, An- oder Neubau des Metzhauses fehlten Zeit und Geld. Sein Fazit: „Kitas gehen vor.“

Auch bei den Fraktionsvorsitzenden hakt es an der bislang fehlenden Kostenaufstellung. Die CSU-Fraktion hatte das Konzept unter dem Begriff „Kulturmeile“ schon bei der vergangen Wahl in ihr Programm aufgenommen.

„Ich persönlich finde es unverantwortlich, vor der nächsten Kommunalwahl, also vor der nächsten Besetzung des Gemeinderats, Fakten zu schaffen“, sagt Herbert Bauer (CSU), besonders wenn die Finanzierung noch nicht klar sei.

Ähnlich sieht es die SPD: Unter Berücksichtigung der noch anstehenden bekannten Investitionen und Pflichtaufgaben des Marktes Feucht müsse eine Verwirklichung sorgsam abgewogen werden. Die Sozialdemokraten hoffen ebenfalls auf Fördergelder.

Denn wie so oft ist auch hier die Finanzierung der Knackpunkt: Wieviel muss die Gemeinde für das Kulturareal hinblättern? Da beißt sich die Maus in den Schwanz: Die Landesstelle für nichtstaatliche Museen will nicht über Fördergelder sprechen, solange die Gemeinde nicht ihr „O.k.“ für die Planungen gibt. Die Fraktionschefs wollen aber zuallererst wissen, was ein Kulturareal kostet, bevor der nächste Schritt abgesegnet wird.

Den Museuemsvereinen ginge es erstmal um die Absicht, den ersten Schritt für ein Kulturareal in die Wege zu leiten, betont Sprecher Zuber. Erst müssten die Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten geklärt werden, dann folgten konkretere Planungen für Metzhaus und neue Bücherei. Der Zeitplan ist ambitioniert: Noch in diesem Jahr soll der Entschluss fallen. In vier bis fünf Jahren hoffen die Museumsmacher, ihre neuen Einrichtungen eröffnen zu können. Die Feuchter Bürgervertreter werden sich auf der nächsten Sitzung des Marktgemeinderats mit dem Thema Kulturareal befassen.

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Kappes