Filistine und Louisiana Funky Butts

Groovende Hintern im Anker-Garten

Mischten den Anker-Garten nächtens so richtig auf: Die Louisiana Funky Butts aus Stuttgart, die man eher in New Orleans verorten würde. | Foto: Spandler2017/05/anker-open-air-funky-butts2.jpg

ALTDORF – Wie kriegt man einen jazz- und bluesorientierten Musikfan dazu, sich unvoreingenommen auch mal mit anderen Stilrichtungen zu beschäftigten? Man fängt mit Gute-Laune-Musik auf höchstem Niveau an, am besten mit den Lousisiana Funky Butts, am besten beim Open Air im Anker-Biergarten, wenn die SoulBuddies die Finger im Spiel haben und eine heiße Nachwuchs-Vorband vorausschicken, wie am Samstag mit Filistine geschehen.

Diese drei Knaben lassen die rockigen 70er aufleben, dass es eine wahre Freude ist. Es tut so gut, zu erleben, dass diese Epoche eben doch zeitlos ist, weil sie ein sympathisches Trio im zarten Alter von 22 bis 26 Jahren so ernsthaft wie authentisch feiert und mit überzeugendem musikalischen Verständnis noch dazu.

Das Trio schafft den heiklen Brückenschlag von ihren großen Vorbildern, die man aus ihren – ausschließlich selbst komponierten Songs – heraushört, zu den feinen Einflüssen der jüngeren Pop-Ikonen mit viel Fingerspitzengefühl. Und so gelingt es ihnen, das Publikum von einem Deja vu-Erlebnis ins nächste zu stürzen, denn das Auditorium hat im Schnitt die Hochzeit von Led Zeppelin, Doors, Jimi Hendrix und Nirvana miterlebt, und die und viele andere lassen bei den Songs von Filistine grüßen.

Inspiriert von Chilis und Rival Sons

Ein guter Mix kommt dabei heraus, wenn Inspirationen der Red Hot Chili Peppers oder der Rival Sons zum Tragen kommen und mit den durchaus reifen eigenen Ideen der Jungs zu einem runden Ganzen abgemischt werden.

Mischten den Garten nächtens so richtig auf: Die Louisiana Funky Butts aus Stuttgart, die man eher in New Orleans verorten würde.2017/05/anker-open-air-filistine.jpg

 

Sänger und Klampfer Om-Hari Lasar erinnert nicht nur äußerlich an Hendrix, sondern geht ebenso wieselflink bei seinen Soli zu Werke wie jene Legende, und Bassist Samuel Meier verfügt über einen dröhnenden Bass, ist aber vor allem durch seine einzigartigen selbstbewussten Shouter-Qualitäten wertvoll für die Band. Das ist auch der Drummer Jonas Böhm, der einfach mehr als Krach macht oder nur den Takt hält. Seit vier Jahren spielen die Neumarkter zusammen und wollen ganz nach oben, schließlich studieren sie Musik und stehen fast jedes Wochenende auf einer anderen Bühne. Kann sehr gut sein, sie schaffen das.

Nach der Pause gibt es dann was auf die Ohren von den Louisiana Funky Butts in der Tradition der alten New Orleans marching bands. Ein kleines Gratis-Standkonzert gibt es am Anker-Weiher, bevor sie unter musikalischem Getöse in den Garten einziehen und die Bühne entern. Mit dabei: klassisches Instrumentarium von Tuba bis Pauke, größeres Gebläse und ein Einpeitscher mit Megaphon, der den Ton angibt. Einen besonderen Blickfang stellt die Bariton-Saxofonistin „Lady Olga“ dar, die angeblich aus Russland stammt, bei gegebenem Anlass eine feurig-spanische Tanzeinlage abliefert und ja, auch noch klasse Saxofon spielen kann.

Publikum mit einbezogen

Frontman und Gründer der Formation, die zwar in Stuttgart zu Hause ist, aber internationales Personal aufbietet, ist Commander Betman, der viel zu sagen hat, was man nicht immer hören will, doch sein Talent, das Publikum in die schwungvollen, abwechslungsreichen Nummern einzubeziehen, macht sich vom ersten Moment an bezahlt. Am Ende hat auch er gelernt, dass man in Franken Bier im Seidler, nicht aber im Seidel trinkt. Schon das war‘s wert.

Die einzelnen Beiträge erinnern zwar immer an New Orleans Dixie, haben aber alle ihren eigenen Charakter, auch wenn die meisten Stücke Cover-Versionen von alten Standards sind. Das klingt dann manchmal nach Karibik, natürlich oft nach Cajun-Französisch, nach Spanien und Südamerika.

Dementsprechend variieren auch die Rhythmen von Marsch über Samba bis Ska und gegen Ende der beiden Sets dürfen die Profi-Musiker, die alle auch die Background Vocals beherrschen, öfter mal als Solisten in Erscheinung treten. Dann machen die Acht dem „funky“ in ihrem Namen alle Ehre, und sie zeigen, dass sie großartige Instrumentalisten sind. Die glücklichen Zuhörer aber sind eher für den anderen Teil im Namen zuständig und bewegen ihre Hintern (butts) vor der Bühne und nicht nur die. Die tropischen Temperaturen, das traumhafte Ambiente und das explosive Musikgebräu ließen nichts anderes erwarten als ein gelungenes Freiluftspektakel in der historischen Gartenwirtschaft.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung