Ausstellung ein voller Erfolg

Kulturträger zieht es nach Hersbruck

Satiriker Eckhard Henscheid (links) lässt sich von Michl Gölling (Mitte) das Foto von Christian Oberlander erklären, das den treffenden Namen „Kuhhaufen“ trägt2014/08/5_2_3_2_20140809_GRENZE.jpg

HERSBRUCK – Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, die Michl Gölling durchaus zugesprochen werden darf. Wenn er sich gefragt hat, ob am Donnerstagabend „vielleicht so 40 Leut “ kommen, dann meint er das ernst. Und ganz ernst war auch seine Freude und Überraschung, dass der Hof im Hirtenmuseum proppenvoll gewesen ist, als er und sein Freund und Fotograf Christian Oberlander zur Vernissage ihrer Ausstellung „Grenzgänger“ eingeladen haben. Unter den Gästen: Viele namhafte Künstler aus Franken und der Oberpfalz – und Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg und Präsident des Deutschen Städtetags.

Der Promi-Sozi und der Buchdrucker sind sich seit langem verbunden, nicht zuletzt durch die vielen Wanderungen, die die beiden, wenn s zeitlich passt, gemeinsam unternehmen. Für Maly also ein Muss zu sehen, was Gölling und Oberlander auf der 40 Kilometer langen Wanderung zwischen Alfeld und Neuhaus erlebt, fotografiert und zusammengeschrieben haben.

Es sind nicht nur die 17 Grenzübergänge und die Details drumherum, die Oberlander so sinnlich und witzig in Szene gesetzt hat. Es sind auch die Geschichten, die Gölling und Oberlander auf dem Weg gesammelt haben, die die Ausstellung so sehenswert machen. Wie beispielsweise das Zusammentreffen mit der Fischers Margaretha in Lichtenegg. Die Grenze läuft quasi direkt durch die Küche der 77-Jährigen. Von der Begegnung mit der alten Dame erzählt Gölling in der Ausstellung so: „In Lichtenegg, auf der Burg, treffen wir eine alte Hofstettenerin. Gemeinsam bestaunen wir bei herrlichem Wetter die Gegend. Einige Dialektprobleme werden besprochen. Beim Abstieg aufpassen, denn wie die gute Frau treffend bemerkt: „Ä Ellln houdmä äier wäi ä Broudwuaschd.“ Heißt: Man verletzt sich schneller als man was zu Essen bekommt. „Der Enkel der Hofstettenerin, den sie mitgeschleppt hat, um die wunderbare Aussicht zu genießen, der ,sichd nix – der ist mit seinem Handy beschäftigt“, erzählt Gölling weiter auf kleinen Tafeln. Und darum ging es ihm und Oberlander: Mal wieder darauf hinzuweisen, in welcher Gegend wir hier leben dürfen, „im Vorparadies“, sagt der Gölling. Dass man die Grenze eigentlich nicht erkennt, ist für Landrat Armin Kroder ein Hinweis, dass das Zusammenwachsen in der Metropolregion, der „Heimat der Kreativen“, schon ganz gut klappt.

Als Gölling, der sich bei den Sponsoren Raiffeisenbank Hersbruck und Sparkasse Nürnberg herzlich dafür bedankte, dass die Ausstellung größer werden durfte als geplant, ein Loblied auf „den Frauenverbund“ im Hirtenmuseum startet, erntete er lauten Applaus – steht doch das Kleinod derzeit in der Debatte, da Leiterin Anja-Nadine Mayer aus finanziellen Gründen ihren Vertrag gekündigt hat (HZ berichtet).

So war denn auch die Zukunft des Museums immer wieder Gegenstand von Gesprächen. Auch in den sozialen Netzwerken wird diskutiert: Etwa, ob zwölf Hersbrucker Unternehmen via Spende für jeweils ein Monatsgehalt sorgen könnten, um so eine Ganztagsstelle zu garantieren, die die klamme Stadt nicht leisten kann.

Denn sonst, so fürchten die Fans des Museums, wird es derartige Ausstellungen wohl in Zukunft kaum mehr geben. Und würden dann auch keine der Kulturträger nach Hersbruck ziehen, die am Donnerstag die Ausstellung besuchten: der Heimatfotograf Herbert Liedel, dessen berühmte Lichtbilder eine Liebeserklärung an Franken sind; OB Ulrich Maly, der jetzt endlich auch das Kleinod im Osten der Metropolregion kennenlernen durfte („Das ist ja fantastisch hier!“) und das sicherlich weitererzählen wird; Oder der Satiriker und Schriftsteller Eckhard Henscheid. Der gehörte einst zu den Mitgliedern der „Neuen Frankfurter Schule“, die unter anderem durch Beiträge in den Satiremagazinen „pardon“ und „Titanic“ bekannt wurden. Henscheid ist Gölling schon lange verbunden, er hat am aktuellen Kalender der Bücherwerkstatt mitgewirkt. Der 72-Jährige lebt in Amberg. Bei „Frankfurt liest“ hat er jüngst aus seinem alten Roman „Die Vollidioten“ gelesen und ist danach in eine Kneipe gegangen. Und zwar in eine, die jetzt nach ihm benannt wurde: das „Henscheid“ in Frankfurt. Da muss er schmunzeln, im Museums-Innenhof. „Ich hab es über mich ergehen lassen“, meint er bescheiden. Mit Denkmälern sei das schließlich so eine Sache, sinniert er. In Amberg hätte er gerne eines, „da gibt es eine Gasse, die noch keinen Namen hat. Aber Namens-Straßen werden erst nach dem Tod vergeben“, und darauf wolle er doch noch ein wenig warten.

Dann geht Eckhard Henscheid in die Ausstellung. Und als er rauskommt, sagt er: „Ich muss noch einmal wiederkommen. Das lohnt sich ein zweites Mal.“

Gesehen wurden: Zweiter Bürgermeister Peter Uschalt; Bürgermeister Jörg Fritsch (Pommelsbrunn), Volker Herzog (Vorra), Stadträte aller Fraktionen, Brigitta Stöber (Trägerin des Goldenen Ehrenrings), Ehrenbürger Albert Geng, Albert Pickel vom Förderverein des Museums, Maler Christoph Gerling, Bernd Strauß (Raiffeisenbank Hersbruck).

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