Ursula Poznanski eröffnete die 19. Laufer Literaturtage

Gänsehaut zum Auftakt

Nach der Lesung signierte Ursula Poznanski fleißig die Bücher ihrer alten und neuen Fans. Foto: Braun2014/11/91492_literaturtagepoznanskisignierenlaufer_New_1415110564.jpg

LAUF — Spannungsgeladen haben die 19. Laufer Literaturtage begonnen. Zum Auftakt las Ursula Poznanski vor gut 500 Besuchern aus ihrem Thriller „Blinde Vögel“.

„Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit.
In blanken Sälen schleichen leise Schauer.
Todkrank krallt das Gerank sich an die Mauer,
und alle Wege weltwärts sind verschneit.

Darüber hängt der Himmel brach und breit.
Es blinkt das Schloß. Und längs den weißen Wänden
hilft sich die Sehnsucht fort mit irren Händen …
Die Uhren stehn im Schloß: es starb die Zeit.“

Dieses Gedicht von Rainer Maria Rilke zieht sich wie ein roter Faden durch den fast 500 Seiten starken zweiten Thriller der Österreicherin. Auch in Lauf beginnt sie damit, liest mit tiefer, samtiger Stimme, kaum hörbar mischt sich hie und da ein Hauch Wiener Schmäh zwischen die schaurig-schönen Zeilen, die perfekt die Atmosphäre des Buchs widerspiegeln. In „Blinde Vögel“ schickt Poznanski das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kasparsky und Florin Wenniger nach „Fünf“, ihrem Erstlingswerk für Erwachsene, erneut in den Ring.

Ein Mann und eine Frau werden tot im Waldstück gefunden. Kasparsky zweifelt sofort daran, dass es sich um Mord und Selbstmord handelt und fahndet nach einem dritten Beteiligten: dem Mörder. Als ein zunächst anonymer Anrufer ihre Theorie bestätigt und wenig später in der Salzach gefunden wird, ist Kasparsky sich sicher, auf der richtigen Spur zu sein. Doch das Einzige, was die beiden Opfer verbindet, ist die Mitgliedschaft in der Facebook-Gruppe „Lyrik lebt“.

Die Polizistin ermittelt verdeckt in dem Sozialen Netzwerk und erkennt schnell, dass einige Mitglieder mehr zu wissen scheinen. Aber was steckt hinter den düsteren Gedichten voller Todessehnsucht und den dazu geposteten Fotos von Salzburger Plätzen, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen scheinen?

Bei der Lesung verriet Poznanski natürlich nichts. Schließlich wollte sie den Besuchern, die das Werk noch nicht gelesen haben, die Spannung nicht verderben. Dafür signierte sie fleißig ihre Bücher, stellte sich den Fragen der Laufer Zuhörer und freute sich sichtlich über so viel Feedback zu ihren Romanen. Sie antwortete offen und mit Humor. Und nahm mit einer gehörigen Portion davon auch den Hinweis eines Lesers auf, dass ihr im Buch ein Fehler unterlaufen sei, wenn sie schreibt, dass jemand mit unterdrückter Nummer bei den Ermittlern anruft. „Die Polizei sieht die Nummer immer“, sagte der Zuhörer. „Dann werde ich meiner Quelle aber was erzählen“, bedankte sich die 46-Jährige für den Tipp.

„Das Schreiben ist doch meistens ein einsamer Job. Man brütet und bastelt über seinem Buch. Die Lesungen sind deshalb nicht nur eine willkommene Abwechslung, sie sind auch wichtig für den Kontakt zum Leser“, sagte sie am Ende des Abends gegenüber der PZ. Ein solch großes Publikum wie in Lauf ist aber auch für die Lesungs-erprobte Wienerin alles andere als gewöhnlich. „Es ist schon überwältigend, wenn 500 Menschen auf einmal ganz still sind.“

Dass wieder so viele Literaturfreunde aller Altersklassen gekommen waren, freute auch Büchereileiterin Beate Hafer-Drescher, ihr Team und Bürgermeister Benedikt Bisping, der die Veranstaltung eröffnen durfte. Die Stadt Lauf unterstütze die Literaturtage gerne, „weil sie die Möglichkeit bieten, hinter die Worte zu fühlen“.

Das taten die Zuhörer nur zu gerne. So wollen sie zum Beispiel wissen, wie die Wienerin zum Schreiben gekommen ist, wie ihre Bücher entstehen und ihr Arbeitsalltag aussieht. Vom Schreiben habe sie lange eine Mischung aus Selbstzweifel und Faulheit abgehalten, antwortete die Autorin ehrlich. Wie so vieles in ihrem Leben seien auch ihre ersten Schreibversuche meist unvollendet geblieben. Mit dem Fantasy-Jugendroman „Erebos“ brachte sie dann doch etwas zu Ende – und feierte damit gleich große Erfolge. Das Buch wurde in fast 30 Sprachen übersetzt und Poznanski mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet.

„Schreiben ist wie Wandern“

Ihre Bücher entstünden Stück für Stück, erklärt sie. „Ich vergleiche das gerne mit dem Wandern: Ich kenne den Start und das Ziel und einige Jausenstationen. Ob ich aber über die Wiese laufe oder den Weg nehme, entscheide ich unterwegs.“ Dabei verselbstständigen sich manchmal sogar die Figuren, drängen sich in den Mittelpunkt oder entwickeln Züge, die nicht geplant waren. „Aber wenn am Ende alles perfekt zusammenpasst, ist das ein großartiges Gefühl.“

Dass in ihren Werken offenbar vieles passt, hatte die Büchereileiterin eingangs so formuliert: „Ihre Themen scheinen immer den Zeitgeist zu treffen. Auch Genrewechsel gelingen ihr mühelos.“ Ob Geocaching, Soziale Netzwerke oder Rollenspiele, ob Thriller, Fantasy oder Jugendroman, Poznanski greift auf, was sie interessiert. „Schreiben soll ja auch Spaß machen“, betont sie, „sonst wird es irgendwann zäh.“

N-Land Tina Braun
Tina Braun