Erleben Sie Schnaittach – Die Schnaittacher Felsenkeller

Jakob Löhr am Kellereingang in seinem Anwesen in der Erlanger Straße | Foto: Udo Schuster2020/07/Schn-Er-jakob-loehr.jpg

Lange bevor im Jahr 1748 William Cullen die erste künstliche Kühlung an der Universität Glasgow vorstellte und Carl von Linde über 100 Jahre später einen elementaren Beitrag zur Entwicklung des Kühlschranks leistete, kühlten die Schnaittacher schon in ihren Felsenkellern nicht nur Bier, sondern auch Lebensmittel. Spuren dieser Kühltechnik sind heute in vielen Häusern des über tausendjährigen Ortes zu finden. Zum ersten Mal wurde im Rahmen der 1000-Jahr-Feier der Marktgemeinde durch den Museums- und Geschichtsverein eine Führung für die Bevölkerung durch die privaten Kellerräume organisiert.

Ob in Holzfässern oder Tongefäßen – der Keller unter dem Haus war eine einfache Möglichkeit, Lebensmittel auf Vorrat zu halten und länger haltbar zu machen. Erst in den 1950er Jahren setzte sich der Kühlschrank auch in Deutschland durch und somit gehörte tägliches Einkaufen der Vergangenheit an.

Viele der Keller wurden mit Bauschutt verfüllt – hier eine Aufnahme im Keller der Kaserne in der Nürnberger Straße. | Foto: Udo Schuster2020/07/Schn-Er-bauschutt.jpg
Peter Träg im Keller beim Bauernwirt in der Nürnberger Straße. | Foto: Udo Schuster2020/07/Schn-Er-peter-traeg-scaled.jpg

Noch heute wäre in den Häusern um den Marktplatz ein Teil der Schnaittacher Felsenkeller nutzbar. Aber die Eisschränke und Eiskeller wurden ersetzt durch Kühlschränke. Die bleibenden Zeitzeugen blieben jedoch erhalten. Mühevoll, mit einfachen Werkzeugen wurde hier gearbeitet, oft sind noch deutliche Spuren der Bearbeitung mit Spitzhacke zu erkennen. Die Schnaittacher Unterwelt bot auch Schutz in Kriegszeiten. Sogar einige der verfolgten Juden fanden hier kurzzeitig ein Versteck. 

Einen Kühlschrank, wie er in der heutigen Zeit in keinem Haushalt fehlt, gab es damals noch nicht. Wer keinen Keller hatte, griff gerne auf Eisblöcke zurück, die sich perfekt für die Kühlung der Waren eigneten. Als Gefäß zur Aufbewahrung wurde eine einfache Holzkiste hergenommen, die mit Holz und Dämmstoffen ausgelegt war. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch der Begriff „Eisschrank“, der heute noch immer im Sprachgebrauch verankert ist und teils als Synonym für den Kühlschrank verwendet wird.

Hinsichtlich der historischen Entwicklung können die Kellergebiete in drei Zonen unterteilt werden, sagt Adalbert Gartner, ein Schnaittacher Heimatforscher: den Bereich des historischen Dorfes entlang der Nürnberger Straße, den Marktplatz mit angrenzenden Häusern sowie das ehemalige Scheunenviertel in der Erlanger Straße. Besonders am Marktplatz wurden Keller auf unterschiedlichen Ebenen angelegt. Diese dienten hauptsächlich der Bierlagerung. Viele der Keller waren früher miteinander verbunden und dienten der Bevölkerung auch als Fluchtweg bei Plünderung und Brandschatzung. In den Eiskellern, wie beim Anwesen der ehemaligen Metzgerei Löhr in der Erlanger Straße, erkennt man noch deutlich den Schacht, über den vor langer Zeit das Eis hinabrutschte. Außerdem kann vermutet werden, dass die Keller des Bauernwirts, eines der Anwesen, das zu den sieben Höfen in der Schenkungsurkunde Kaiser Heinrich II. im Jahr 1011 genannt ist, im Lauf der Jahrhunderte vergrößert wurden.

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