Matthias Egersdörfer ist jetzt Buchautor

Er schreit nicht nur, sondern schreibt auch

Jürgen Roth und Matthias Egersdörfer (von links) spüren einem Franken nach, das mehr und mehr verschwindet: Es geht unter anderem um Landmetzger und Dorfgasthäuser. Foto: Minx2014/02/77447_egersdoerferrothrockersneu_New_1392398162.jpg

LAUF — Der Kabarettist Matthias Egersdörfer geht unter die Buchautoren. Zusammen mit dem Kulturkritiker und Fußballspezialisten Jürgen Roth startete er „Die Reise durch Franken“. Statt des Grantlers aus den Bühnenprogrammen erlebt man einen empathischen, differenzierten, ironischen Betrachter der eigenen Heimat. Beide Autoren stellen das Buch im März in der Laufer Stadtbücherei zum ersten Mal vor. Für Egersdörfer ist das auch eine Rückkehr – er ist in Lauf aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Herr Egersdörfer, Ihr Markenzeichen ist der schlecht gelaunte, polternde Franke, der sich wegen nichts dauernd aufregt. Nun haben Sie ein Buch geschrieben – ein Stilbruch?

Egersdörfer: Na ja, in einem Buch kann ich ja schlecht ständig brüllen. Ich könnte höchstens alles in Großbuchstaben schreiben. Aber eigentlich hat mit dem Schreiben ja alles angefangen …

Nämlich?

Egersdörfer: Mit einer
Kolumne in der Laufer Pegnitz-Zeitung auf der Literaturseite „Poesie an der Pegnitz“.

Jetzt haben Sie mit Ihrem Co-Autor Jürgen Roth weiter ausgeholt. Sie sind auch bis zum Main, zur Saale und ins Altmühltal gekommen und haben Denkmäler und Bausünden, Wirtshäuser und Brauereien, Landmetzger und andere verschwindende Kindheitsorte aufgespürt. Was erwartet uns auf 368 Seiten über Franken?

Egersdörfer: Jedenfalls nicht die schriftliche Form meiner Bühnennummern. Jürgen Roth, der schon als Kind viele Ferien in Franken verlebte, und ich haben uns Orte und Personen ausgesucht und sind dann gemeinsam gereist. Hinterher haben wir in Briefwechseln unsere Eindrücke ausgetauscht. Wir sind dann auch irgendwann vom Sie zum Du gewechselt.

Sie haben auch eine ganze Reihe von fränkischen Zeitzeugen interviewt. Wen und warum?

Egersdörfer: Die Interviews sind im Wortlaut eingefügt. Es waren teils Menschen, die wir kennen. Ich habe zum Beispiel – schon wegen der Ausgewogenheit – eine Dame aus Lauf links und eine aus Lauf rechts der Pegnitz interviewt. Oder wir sind zu einem Winzer und einem Kleinbauern gefahren, die über die Schwierigkeiten erzählen, in einem immer härteren ­Agrarmarkt zu überleben. In Nürnberg haben wir ein Gespräch mit dem Historiker Alexander Schmidt vom Dokumentationszentrum geführt, weil das Reichsparteitagsgelände gehört zur Geschichte Frankens ja auch dazu. Und es kommen die Karikaturisten Greser&Lenz zu Wort. Bei einer Ausstellung der beiden haben Jürgen Roth und ich uns übrigens kennengelernt.

Womit muss der Leser rechnen: eine Liebeserklärung an Franken oder eine böse Abrechnung?

Egersdörfer: Es ist wohl schon eine Art Hassliebe. Vieles, was wir selbst in unserem Heimatbild romantisieren, ist ja am Verschwinden, auch am angeblich noch so idyllischen Land. Da gibt es zum Beispiel brutale Einschläge bei der Architektur. Unser Buch ist auch eine Dokumentation des Verschwindens.

Sie probieren schon seit längerer Zeit bei Ihren Bühnenprogrammen aus, neben dem Schreihals Egersdörfer, der zuletzt in der neuen „Anstalt“ zu besichtigen war, auch dem liebevollen, ruhigen Autor Gehör zu verschaffen, der einfach ein paar kurze Erzählungen vorliest. Macht das Publikum das mit?

Egersdörfer: Die Leute gehen mit, das kommt durchaus an. Aber auf der Bühne ist das nur eine Facette.

Sie sind derzeit gut unterwegs, in ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz …

Egersdörfer: Nicht zu vergessen Italien. In Brixen war ich auch …

Versteht denn das Publikum außerhalb Frankens überhaupt, was Sie erzählen?

Egersdörfer: Offensichtlich. Real war es ja umgekehrt, der Erfolg kam außerhalb der Heimat. In Hamburg habe ich 2006 meinen ersten Kabarettpreis bekommen. Erst danach öffneten sich in Franken die Bühnen. Vorher hieß es: Deine Texte sind zu lang, das Fränkische ist nicht so sexy, mach mehr Witze!

Sie sind geboren in Nürnberg, aufgewachsen in Lauf, wohnen in Fürth. Muss man für den Erfolg nicht weiter weg, nach Berlin vielleicht?

Egersdörfer: So passt es doch ganz gut. Berlin, das geht schon wegen dem Schultheiß und Berliner-Kindl-Bier nicht.

Präsentation in Lauf

Matthias Egersdörfer und Jürgen Roth stellen den 368-seitigen Band am Mittwoch, 19. März, um 20 Uhr in der Laufer Stadtbücherei (Turnstraße 11) vor. Bereits ab Montag, 17. Februar, gibt es Eintrittskarten. Erhältlich sind diese entweder direkt in der Stadtbücherei oder in den beiden Laufer Buchhandlungen am Markt- und am Mangplatz. Weitere Informationen gibt es unter www.stadtbuecherei-lauf.de im Internet.

Matthias Egersdörfer, Jürgen Roth: Die Reise durch Franken. 368 Seiten, 22,99 Euro, Malik-Verlag, erscheint am Montag, 10. März. ISBN-Nummer: 978-3890294452.

N-Land Walter Grzesiek
Walter Grzesiek