Matthias Matuschik im PZ-Kulturraum

Ein weitschweifiger Blick auf die Welt mit Irritationen

Matthias Matuschik sinniert im PZ-Kulturraum über das Leben. | Foto: Stegmeier2016/12/MATUSCHIK.jpg

LAUF — Matthias Matuschik ist im richtigen Leben BR-Moderator und als „Matuschke“ einem großen Publikum bekannt. Nicht überraschend, dass der PZ-Kulturraum sehr gut besucht war, als er dort sein zweites Soloprogramm „Entartete Gunst“ vorstellte.

Mit dem Thermomix und den Konsequenzen dieses Küchengeräts für das Zusammenleben der Geschlechter macht er den etwas langatmigen Einstieg. Gleich zu Anfang zeigt sich aber auch, was Matuschke gut kann: mit verteilten Rollen sprechen und mit Dialekten spielen.

Gelegentlich bedient er sich des Oberbayerischen oder Rheinländischen, sogar Fränkisch kann er, und das, obwohl er eigentlich aus Weiden stammt.

Manche seiner Pointen erschließten sich vor allem den Fans, die „ihren“ Matuschke vom Hörfunk her kennen. Dann wieder bringt er den alltäglichen Wahnsinn auf den Punkt:  Wenn das Leben, sprich rheinländische Bürokraten, Realsatire schreiben und Putzerfische aus tierschutzrechtlichen Gründen in einem Kosmetikstudio verbieten, während sich gleichzeitig die Billig-Hühnchen beim Discounter stapeln und wegen deren Massenproduktion die männlichen Küken geschreddert werden, dann ist das ein merkwürdiges Nebeneinander, worunter Matuschik leidet, was er anprangert und versucht, auf die Schippe zu nehmen.

Zu seinen Themen gehören auch die Auswüchse von vegetarisch, vegan und „Bio“: Bio ist, wenn glückliche Hühner in Österreich von Kindern zu Tode gestreichelt werden und Bio-Rinder darum bitten, endlich geschlachtet zu werden, da sie das Leben auf dem Bio-Bauernhof einfach nicht mehr aushalten.
Daneben werden Bio-Kiwis aus Neuseeland importiert,  und Veganer können  vegane Würstchen auf den Grill werfen.

Matuschke  greift Widersprüchlichkeiten und Absurditäten auf und hat in vielem zweifellos Recht; etwa, dass in unserem Land genügend Geld für Flüchtlinge da ist, und dass diese auch wirtschaftlich langfristig ein Gewinn sind; dass er dies aber damit beweisen will, dass sich manche den Erwerb von Häkelzeitschriften leisten können, trifft vielleicht nicht unbedingt den Kern der Sache. Auch beim Thema Halal-Schlachten oder Autobau – er verliert sich gelegentlich im Weitschweifigen.

Was er eigentlich kann, zeigt er bei der Zugabe: als Gema-Geschädigter bringt der Moderator seine eigenen Erfahrungen ein und auf witzige Weise auf den Punkt: Auch bei rein kabarettistischen Programmen, bei denen kein Ton gesungen wird, kassiert nämlich die Gema von den Veranstaltern ab.

Seine Nachfragen dort haben ergeben, dass die Einnahmen an die – meist ohnehin schon erfolgreichen – bei der Gema gemeldeten Musiker gehen. Matuschiks raffinierte Idee: Selbst als Nicht-Sänger ein Lied ins Programm nehmen, sich bei der Gema anmelden und diese allein schon mit dem Titel des Lieds „Gema“ irritieren. Der Song ist klasse, die Nummer ist mindestens doppelbödig und einfach gut gemacht.

Nach über zwei Stunden Programm, dass er trotz einer Erkältung bewältigt hat, entlässt Matthias Matuschik ein Publikum, das zum Teil hingerissen und zum Teil leicht irritiert ist. Damit wird er seinem Ruf – nämlich zu polarisieren – auch an dem Abend im Laufer PZ-Kulturraum gerecht.

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