Laufer Tanzschule feiert Jubiläum im DHT

Ein Tanz(t)raum wird wahr

Die Lehrer des Tanz(t)raums nahmen sich bei ihrer gemeinsamen Aufführung selbst nicht besonders ernst – hier versuchen sie sich an einer „sexy“ Choreographie.2013/05/62925_tanztraumjubilaeumdhtalm1_New_1368196590.jpg

LAUF — Mit zwei Aufführungen eines Tanztheater-Abends feierte der Tanz(t)raum Lauf im Dehnberger Hof Theater sein 25-jähriges Bestehen. Leiterin Dagmar Adebahr erfüllte sich mit damit gleichzeitig einen lang gehegten Wunsch: Denn obwohl sie selbst übers Tanztheater zum Tanzen gekommen ist, hat sie bis zu diesem Jubiläum noch nie eine solche Aufführung konzipiert. Drei Gruppen zeigten an zwei Abenden jeweils ganz unterschiedliche Ausprägungen des Tanztheaters.

Als letzte Formation trat eine ganz besondere Gruppe auf: Alle Lehrer des Tanz(t)raums hatten gemeinsam eine Choreographie erarbeitet. „Diese Aufführung war eine einmalige Sache zum Jubiläum. Wir wollten unseren Schülern damit für ihre Anstrengungen etwas zurückgeben“, erklärt Dagmar Adebahr. Denn sie ist der Ansicht, dass Lehrer im Normalfall auf der Bühne nichts zu suchen haben: Schließlich sollen die Schüler ja zeigen, was in ihnen steckt.

Zur Feier des 25-jährigen Bestehens jedoch durften sie stattdessen einmal kräftig über ihre Lehrer lachen. Die nahmen sich in ihrer Aufführung nämlich selbst auf die Schippe, indem sie ihre vergeblichen Bemühungen um ein angemessenes Jubiläums-Stück auf die Bühne brachten. So versuchten sie sich gemeinsam an einem HipHop-Tanz – und brachten die einzige HipHop-Lehrerin damit an den Rand der Verzweiflung. Auch eine „sexy“ Choreographie mit blauen Perücken wurde vom einzigen Mann in der Lehrer-Runde, Alex Teubner, abgeschmettert. „Mit einem Augenzwinkern und Mut zur Hässlichkeit“, so Adebahr, die natürlich auch mittanzte, wollte sich die Lehrergruppe selbst in überzeichneter Form darstellen.

Stück über Erziehung

Davor standen aber vor allem die Schüler im Mittelpunkt: Den ersten Teil des Abends übernahm die Musical-Projektgruppe. In nur zwölf Sitzungen hatten die Darsteller ein in seiner Schlichtheit aufwühlendes Stück über Erziehung selbst auf die Beine gestellt. Kurze Szenen, von Tanz­elementen durchsetzt, zeigten typische Stationen der modernen Kindererziehung und wie der Nachwuchs von wohlmeinenden Eltern bevormundet und getriezt wird.

Besonders einprägsam und von großer Aktualität war der Schluss des Stücks: Die im Chor vorgebrachten Vorwürfe der Eltern, ihre Kinder würden durch die exzessive Smartphone-Nutzung verderben, verklangen wirkungslos. Stattdessen formierten sich die Kinder im Dunklen zu einer ausschließlich vom Licht ihrer Handy-Bildschirme bestimmten Choreographie. Die von den Mobiltelefonen ausgehende Anziehungskraft wurde so in Bildern von fast meditativer Schönheit festgehalten.

Zwischen Tanz und Theater

An der Grenze zwischen Tanztheater und modernem Tanz bewegte sich die dritte Formation. Einfache Elemente, wie weiße Hemden und ein Hocker, wurden in die Choreographie eingebaut. Anspruchsvolle Figuren und Sprünge wechselten mit einfachen szenischen Handlungen ab. Die dadurch entstehenden Bilder luden den Zuschauer ein, immer wieder aufs Neue über ihren Sinn nachzudenken – oder sie einfach als künstlerische Darbietung zu genießen. „Jeder hat andere Erfahrungen und Sichtweisen. Deswegen ist es völlig legitim, als Zuschauer andere Assoziationen und Erklärungen zu haben als derjenige, der das Stück konzipiert hat“, meint Adebahr.

Zum Abschluss des Abends besannen sich die Leiterin des Tanz(t)raums und ihre Truppe auf das, was sie am besten können: Leute in Bewegung bringen. Und so standen schließlich alle Zuschauer auf der Bühne und applaudierten den Darstellern, die im Publikumsraum Platz genommen hatten – der Übergang von Vorstellung zu gemütlichem Beisammensein und Feiern war an diesem Abend fließend.

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