Laufer Kulturgeschichte als Buch von Ina Schönwald

Ein Kaiser für Kinder

Bürgermeister Benedikt Bisping war bei der Buchpräsentation im Wappensaal stolz auf die Autorenleistung seiner Archivleiterin und auf die Gründung der Kulturstiftung durch das Ehepaar Renate und Helmut Summer. Fotos: Fischer2014/12/kaiser_karl_buchvorstellung_wappensaal_4.jpg

LAUF — Was machte Kaiser Karl IV. in Lauf? Diese Frage wurde und wird der Stadtarchivarin Ina Schönwald natürlich besonders oft gestellt. Und wie beantwortet eine Historikerin so einfache Fragen? Sie schreibt ein Buch. Ein Kinderbuch in diesem Fall, eine kleine Kulturgeschichte für Kinder. Und weil so ein Buch eben aus einfachen Sätzen, schönen Bildern sowie lustigen Zeichnungen besteht, dafür aber ohne Jahreszahlen auskommt, ist die Neuerscheinung auch ein wahrlich perfektes Buch für Erwachsene. Für alle, die in bunten kurzweiligen Kapiteln ein bisschen mehr über die Geschichte der Stadt Lauf erfahren wollen. Und das zum unschlagbaren Preis von nur zehn Euro, weil das Werk von der neuen Summer-Kulturstiftung finanziert wurde.

In zwei Lesungen in der Stadtbücherei, einmal am Nachmittag für Kinder und tatsächlich einmal für etwa 150 Erwachsene am Abend, präsentierte Ina Schönwald gestern ihr Buch erstmals der Öffentlichkeit, Ab heute kann man das 80-seitige Werk aus dem Fahner-Verlag auch im Buchhandel oder im „ServiceCenter“ der Pegnitz-Zeitung erwerben.

Und die Reaktionen der Kinder waren durchaus erwartbar sehr sehr positiv, schließlich hatte Ina Schönwald ihr Buch schon bei der Entstehung immer wieder mit ihren beiden Kindern getestet und nachgearbeitet. Die Kinder in der Bücherei jedenfalls kannten sich nach der Lesung wohl besser in der Laufer Geschichte aus als viele ihrer Eltern.

Schon am Abend zuvor war das erste Kinderbuch aus dem Stadtarchiv einer kleinen Gästerunde, den Mitwirkenden und der Presse im Wappensaal der Laufer Kaiserburg offiziell vorgestellt worden. Geschichte erleben konnte man so im doppelten Sinne, wie Bürgermeister Benedikt Bisping in seiner kurzen Rede sagte. Im tatsächlichen Wohnzimmer des Kaisers, im jetzt renovierten eindrucksvollen Wappensaal des Wenzelschlosses, ist ein Hauch dieser fast 700 Jahre zurückliegenden Zeit sowieso immer spürbar. Einer Zeit, die dann in dem mit Bildern aus dem Buch illustrierten Vortrag von Ina Schönwald so richtig lebendig wurde.

Kaiser Karl IV., dessen Geburtstag sich 2016 zum 700. Mal jährt und dem Lauf mehr als nur die Kaiserburg zu verdanken hat, war ein sogenannter Reisekaiser, wie Schönwald schreibt. Das heißt, der Herrscher war mit einem großen Tross aus Wagen und Gefolge regelmäßig in seinem ganzen Reich unterwegs, um Recht zu sprechen oder Urkunden auszustellen. Und weil Lauf an der Straße von Prag nach Nürnberg, an der Goldenen Straße, wie sie genannt wird, lag, baute Karl in Lauf eine Burg und war hier, „nur eine Tagesreise von Nürnberg entfernt“ regelmäßig zu Gast.

Im Buch können nun die Kinder sozusagen in diesem Tross des Kaisers durch die mittelalterliche Stadt Lauf mitreisen und erfahren Wissenswertes über alle Stationen. Angefangen vom Zollhaus im Osten, über den Marktplatz, das Spital, die Wasserbrücke oder eben die Kaiserburg. Und doch schaut Schönwald über den Tellerrand des Mittelalters hinaus, vergisst im Buch nicht den Besuch des Reformators Jan Hus im Wilden Mann und auch nicht die frühe Industrialisierung mit den Hammerwerken an der Pegnitz oder die barocke Kirchenorgel in der Johanniskirche.

Möglich gemacht hat die „Kulturgeschichte für Kinder“ die ganz neue Summer-Kulturstiftung des Laufer Ehepaares Renate und Helmut Summer. Sie haben sich nach dem frühen Tod ihres Sohnes überlegt, mit ihrem Vermögen etwas für Lauf, für die Jugend und für Geschichtsbildung tunzu wollen, wie Helmut Summer bei der Buchpräsentation erzählt. Zusammen mit der Sparkasse und mit Unterstützung durch die Stadt und Bürgermeister Bisping sei so die Summer-Kulturstiftung entstanden. Und es sei sehr schön, so Summer, dass er und seine Frau anhand des Buches nun noch zu ihren Lebzeiten erleben könnten, wie mit dem Geld, das jetzt schon zum Teil in die Stiftung floss, Schönes entstanden sei und man sich noch einbringern konnte. Wichtig war den Summers beispielsweise, dass das Buch zu dem noch erschwinglichen niedrigen Preis von zehn Euro auf den Markt kommt.

Weil aber ein Kinderbuch nicht von Texten allein lebt, sondern auch von schönen Bildern, kam der Tauchersreuther Illustrator Klaus-Maria Grebe mit ins Boot, der mit witzigen und kindgerechten Zeichnungen Kaiser Karl und das mittelalterliche Laufer Leben in die heutige Zeit holt. Beispielsweise von Karl auf einem Skateboard über die Buchseite surft.

Die Günthersbühler Grafikerin Anke Rückert brachte dann Ordnung und ein Farbkonzept ins Buch und sorgte auch dafür, dass viele Originalbilder aus dem Archiv und zeitgemäße Abbildungen homogener Teil des Kinderbuches wurden.

Als einen Höhepunkt, Jahresabschluss und Auftakt zugleich bezeichnete Büchereileiterin Beate Hafer-Drescher die Präsentation des Kindersachbuches. Denn schließlich soll erstens im Jahr 2016 vor allem in Lauf Karls 700. Geburtstag groß gefeiert werden und zweitens plant Ina Schönwald schon ein Nachfolgebuch über die Erlebnisse des Kaisers auf der Burg in Nürnberg.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer