Ein Flirt mit dem Publikum

Gefühlvoller Gesang und gekonnte Schauspielerei: Alexandra Völkl unterhielt bestens. Sören Balendat begleitete souverän am Flügel. Foto: Stegmeier2012/01/36446_neujahrsmatineesparkasselaufsandravoelkelast_New_1326124564.jpg

„Sei mal verliebt!“ lautete der herausfordernde Titel der Neujahrsmatinee, zu der die Volkshochschule in den Sparkassensaal in Lauf eingeladen hatte. Mit Charme, Können und einem Hauch von Erotik unterhielt Alexandra Völkl, begleitet von Sören Balendat am Flügel, das Publikum auf amüsante Weise.

Seit fünf Jahren treten Jazz-Pianist Sören Balendat und Sängerin und Schauspielerin Völkl mit dem Chanson- und Gedicht-Programm auf. Sie sind ein bestens eingespieltes Team, bei dem der Pianist dezent, aber höchst souverän die Begleiterrolle übernimmt.

Alexandra Völkl selbst führt durchs liebevoll „durchkomponierte“ Programm. Ob es die rosarote Brille ist, die sie empfiehlt, oder zum Küssen animiert – von Anfang an sucht sie den Dialog mitdem Publikum. Gleich zu Beginn setzt sie auf Frühlingsgefühle: Mit Marlene Dietrichs Erfolgsschlager „Kinder, heute Abend, da such ich mir was aus“ geht sie auf die Suche nach dem richtigen Mann, der sich – möglicherweise – im Publikum befindet. Vielleicht ist darunter gar „Waldemar“, den sie schmachtend besingt?

Jedenfalls ist die Sängerin „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Ihre Stimme ist ausdrucksstark, und sie singt mit viel Gefühl, doch ihr eigentliches Talent ist die Schauspielerei. Ihre Mimik ist pointiert, die Gestik ausgefeilt. Sie „spielt“ die alten Chansons, flirtet mit dem Publikum und setzt zwischendurch hinreißende Akzente mit Gedichten und Texten von Karl Valentin, Eugen Roth und Kurt Tucholsky.

Stoff-Frosch als Ehemann

Zur Höchstform läuft sie auf, wenn sie mit einem überdimensionierten Stoff-Frosch als Ehemann in der linken Hand Tucholskys „Lottchen beichtet einen Geliebten“ inszeniert. Die Glosse „Was tun Frauen, bevor sie ausgehen?“ desselben Autors trägt sie ebenso gekonnt vor – diesmal sind es die Herren im Publikum, die von Herzen zustimmen, wenn die Dame des Hauses nach etlichen unnötigen Verzögerungen ihrerseits schlicht behauptet: „Dann hättest du eben früher aus dem Geschäft kommen müssen!“

Bezauberndes „Pin-up-Girl“

Das beschwingte und bestens gelaunte Publikum erklatschte sich etliche Zugaben, darunter Cissy Kraners bezauberndes „Pin-up-Girl“, das vom ursprünglich wienerischen Dialekt von Völkl sehr gelungen ins Oberpfälzische übertragen wurde und vollends begeisterte.

Anne Stegmeier

N-Land Pegnitz-Zeitung
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