„Messias-Sing-A-Long“ in Henfenfeld

Ein Abend zum Mitsingen

Jeanne Levévre dirigiert den „Chor“ – sprich das Publikum – beim jubelnden „Ehre sei dir Gott in der Höhe“. | Foto: A. Stegmeier2016/12/7742086.jpeg

HENFENFELD – Für gewöhnlich stehen Dirigenten mit dem Rücken zum Publikum. Beim „Messias-Sing-A-Long“ in der Henfenfelder Herz-Jesu-Kirche war alles ein bisschen anders, als – zumindest für deutsche Zuhörer – gewohnt. Denn diese bekamen am Eingang zusätzlich zum Programm Notenblätter in die Hand gedrückt und sollten sich nach Stimmen verteilt im Kirchenraum platzieren. Jeanne Levévre dirigierte nicht nur das Orchester der Volkshochschule Lauf, sondern bei den fünf Händel’schen Chören auch die Besucher.

Das Ganze „ist wohl auf meinem Mist gewachsen“, gibt Denette Whitter, Chefin der Henfenfelder Opernakademie, gleich zu Beginn augenzwinkernd zu. Sie möchte mit diesem Abend die angelsächsische Tradition, vor Weihnachten gemeinsam Händels Messias zu singen, auch in Henfenfeld einführen. Und wenn auch nicht alle Plätze besetzt waren, so hatten sich doch überraschend viele Mutige zu diesem Experiment eingefunden. Einige der Mitsänger hatten sich am Wochenende zuvor in einem Workshop, den Whitter kurzfristig angesetzt hatte, eigens auf den Abend vorbereitet.

Mehrstimmiger Chorgesang
Zur Aufführung kam der erste Teil des Oratoriums, in dessen Mittelpunkt die Weihnachtsbotschaft steht. Wie bei Händel-Sing-A-Longs üblich, wurde der Schlusschor durch das berühmte „Halleluja“ ersetzt, das eigentlich den zweiten Teil des Oratoriums abschließt. Gesungen wurde auf Deutsch, und – gestützt durch die starken Stimmen der jungen Solisten – füllte bei den durchaus anspruchsvollen Chören tatsächlich ein mehrstimmiger Chorklang die kleine Kirche.

Die Mitsänger und Mitsängerinnen hatten mit Sicherheit großes Vergnügen, aber auch die Zuhörer kamen auf ihre Kosten. Bei der „Pifa“ beeindruckte das Orchester durch große Transparenz, und die Solopartien gestalteten junge Nachwuchstalente der Opernakademie.

Diese waren die bezaubernden Elisabeth Margraf, Anja Fiedler (beide Sopran) sowie Ayleen Barbara Gerull (Mezzosopran), daneben beeindruckten Maximilian Vogt (Tenor) und Michael Aschke (Bariton). Für den zuverlässigen Basso continuo sorgte Denette Whitter an der Orgel.

Das „Halleluja“ wurde – wie bei den Sing-A-Longs üblich – zum krönenden Abschluss im Stehen gesungen. Da war es dann fast selbstverständlich, dass der Chor, begleitet von Orchester und ergänzt um den Klang einer Trompete, nach begeistertem Applaus wiederholt wurde.

Im Gespräch mit der HZ verriet Whitter, dass sie nach der gelungenen Premiere im nächsten Jahr gerne wieder einen „Händel zum Mitsingen“ anbieten möchte – vielleicht klappt es ja, und möglicherweise wird damit in Henfenfeld eine neue, sehr ansprechende Tradition begründet.

N-Land Anne Stegmeier
Anne Stegmeier