Mittelstufentheater des Laufer CJT-Gymnasiums

Diktatur des Augenblicks

50, Mitte, beginnt zu zweifeln an dem, was Kapselan als Ideologie für das Leben verspricht. | Foto: Pausenberger2016/04/pz-117268_cjttheaterdiebefristeten1.jpg

Was wäre, wenn wir wüssten, wie alt wir werden? Wie würden wir unsere verbliebenen Jahre einteilen? Die Frage nach der Sterblichkeit ist ein uraltes Thema, das im Kellertheater des CJT neu aufgegriffen wurde.

Die Mittelstufe des Christoph-Jacob-Treu Gymnasiums zeigte das Drama „Die Befristeten“ von Elias Canetti aus den 1950ern, das von Theaterstudent Maximilian Nix und Eva Pöllinger hervorragend inszeniert wurde.

Das Theaterstück beginnt mit einer alltäglichen Situation: einer Party. Zwei Personen unterhalten sich über die jetzige Lebenssituation: sie leben in einer fiktiven Zukunftsgesellschaft. Abfällig wird über „Bestien“ geredet, Menschen, die früher einmal lebten und über den „größten Fortschritt in der Geschichte der Menschheit“: Der besteht darin, dass alle Menschen am Tag ihrer Geburt vom sogenannten Kapselan, dem höchsten Amt dieses Staates, Kapseln umgehängt werden.

Schweres Leben für Mütter

In diesen steht ihr Geburtsdatum. Von ihrer Mutter bekommen sie das Alter gesagt, in dem sie sterben werden. Doch es ist untersagt, dieses Wissen jemandem mitzuteilen und so stellen sich die Menschen dieser Gesellschaft stets nur mit dem Alter vor, das sie gerade haben.

Die Bürger nehmen diese Diktatur hin, da sie keine Unsicherheit gegenüber des „Augenblicks“ (so wird der Tod genannt) verspüren, denn dieser ist ja vorherbestimmt. Es kommt nur darauf an, wie sie die Zeit bis dahin nutzen.

Das Theaterstück dreht sich um die Hauptperson 50, die an diesem System zu zweifeln beginnt. Ist es wirklich positiv, dass eine Mutter ihr eigenes Kind ohne Trauer zu Grabe trägt, nur weil es Sieben hieß? Ist es positiv, dass ein Liebespaar vorzeitig auseinander gerissen wird, weil der Augenblick des Mädchens gekommen ist? Und ist es positiv, dass diejenigen, die 88 heißen, nur deshalb den Adel der Gesellschaft bilden, weil sie so alt werden?

Die Person 50 behauptet deshalb öffentlich, dass die Kapseln leer seien. Daraufhin wird sie angezeigt und zu einer Gerichtsverhandlung mit dem Kapselan geladen. 50 fragt verzweifelt, ob sie widerrufen könne, denn sie weiß, dass darauf die Hinrichtung folgt.

Doch der Kapselan verneint: mit diesen Worten hätte sie eine Revolution ausgelöst. „Die Kapseln sind leer“ tönt es mal leiser, mal lauter, aber immer entsetzt, im Kellertheater.

Grundsätzliche Fragen

Die beklemmende Utopie wird in der Umsetzung der engagiert agierenden Schauspieltruppe unmittelbar. Dazu tragen auch die Videosequenzen bei, die eingestreut die grundsätzliche Frage nach der Zeit des Lebens und ihres Sinns stellen.

Zum Ende des Stücks hin schlägt die Stimmung der Bürger um, die nun mehr als froh sind, dass ihnen ihre Lebenszeit nicht mehr vom Kapselan vorgegeben wird. Sie öffnen ihre Kapseln: diese sind eigentlich Seifenblasenbehälter.

Die Menschen, deren Leben nicht mehr vorbestimmt ist, können nun so leben, als wäre jeder Tag der Letzte. Und was würden sie machen, wenn sie mehr Zeit hätten? Antworten wie „Einmal ohne Smartphone aufs Klo gehen“ oder „Einhörner frisieren“ rufen herzhafte Lacher im Publikum hervor.

Der laute, anhaltende Applaus im Kellertheater belohnt die Jungdarsteller des Gymnasiums für dieses nachdenklich stimmende Stück.

Theresa Pausenberger

N-Land Pegnitz-Zeitung
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