Märchen im PZ-Kulturraum

Die Weisheit der Welt

„Lachbar & schalkhaft“: Michl Zirk und Evelyn Borchart. Foto: Grzesiek2014/02/76757_zirkmitmusikerinpzkulturraum_New_1391362571.jpg

LAUF — „Lachbar & schalkhaft“ hieß das Motto des Geschichtenabends von Michl Zirk und Evelyn Borchard (Akkordeon) im Laufer PZ-Kulturraum. Doch Märchen und Musik trugen weiter als nur zum Amüsement. Die Erzähler der Welt verraten viel Lebensweisheit – wenn wir ihnen nur aufmerksam zuhören.

Da müht sich weltweit eine ganze Branche, uns mit 3D-Kino, interaktivem Fernsehen, Computerspielen und der Simulation kompletter Parallelwelten mehr Fantasie einzutrichtern. Und dann ist das Spannendste oft doch das, was die Nachbarin im Treppenhaus erzählt, wir beim Weitererzählen an die Freundin ausmalen und was die Freundin dann wiederum mit einer eigenen Geschichte anreichert. Kino, Smartphone und PC können daher einpacken, wenn Michl Zirk auf die Bühne steigt, mit nichts dabei. Und erzählt. Aus dem Kopf. In den Kopf. Es funktioniert. Ohne Kabel und Blue Tooth.

So ein Abend ist bezaubernd altmodisch und doch unkaputtbar. Die Bühne schwarz, der Erzähler in schwarz und grau, die Akkordeonspielerin in schwarz, ihr Instrument nur schwarze und weiße Tasten. Nichts, was uns ablenkt oder anregt. Außer den Requisiten dieses Zauberers auf der Bühne: Seine ausdrucksstarke, variationsreiche Stimme, seine kindlich verspielte Mimik, seine anregende und fantasievolle Gestik.

Mit dieser Ausstattung geht es einmal um den Globus. Von der unterfränkischen Heimat Zirks, wo der Bauer Hans sich einen Kürbis als Pferdeei andrehen lässt und den Kürbis tapfer ausbrütet. Nach Südschweden zum ebenfalls dummen Bauern, der einen Tag den Haushalt der Frau übernimmt und nur Unheil stiftet. Und schließlich weiter in den Orient zum dortigen Till Eulenspiegel namens Nasreddin, der mit seinen Listen Könige ebenso in die Tasche steckt wie ganze Trauergesellschaften.

Da kann man sich wohlig zurückerinnern an Kindheitstage, als solche Geschichten erzählt, vorgelesen oder erstmals selbst erlesen wurden. Man kann sich auch mit auf die Reise begeben und den arabischen König samt seinen Großwesir vor dem eigenen geistigen Auge aufmarschieren lassen, sich amüsieren über die Schlauheit und den Witz der vermeintlich Schwachen und Dummen. Und man kann nach dem tieferen psychologischen und philosophischen Sinn dieser Märchen der Welt suchen und dabei eine Menge schlauer Ratgeber- und Sinnsucher-Bücher einsparen. Die Weisheit der Menschheit liegt in den Erzählungen der Ahnen. Und die werden lebendig, wenn so ein begnadeter Erzähler wie Michl Zirk aus Tauchersreuth sie vor uns ausbreitet.

Wie für unsere heutige Sucht nach ewiger Jugend erdacht ist etwa die alte Parabel von der Frau, die den greisen Weisen nach der Formel fürs ewige Leben fragt. Der sagt: nichts Süßes, kein TV, kein Sex, kein Alkohol, keine Geschichten (!), kein Spaß. Dann werde ich ewig leben? Nein, aber das Leben wird dir ewiglich vorkommen!

Wie geschaffen zum Durchschnaufen und Durchdenken ist die musikalische Begleitung des Abends mit der Quetsche durch die Hersbruckerin Evelyn Borchard. Die Leiterin des dortigen Akkordeonorchesters wandert im Laufe des Abends mit ihren flinken Fingern von den französischen Musettewalzern über argentinische Tangos zum Swing und vergisst auch die Klassiker und Schlager nicht. Perfekt und beseelt vorgetragen, trägt diese Leichtigkeit uns weiter in die Welt der Geschichten, Gefühle und Träume. Ein zauberhafter Abend.

Walter Grzesiek

Michl Zirk veranstaltet vom 28. bis 30. Mai wieder in Lauf mit anderen Erzählern das „Kino im Kopf“.

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