Konzertveranstalterin Lis Graf hört auf

Die Simmelsdorfer Mühle hat neue Besitzer

Lis Graf freut sich über ihre Nachfolger: Anton Mehl und Cornelia Götz (von links). Die Konzertveranstalterin hört nach über 17 Jahren auf, das musikalische Paar macht unter dem Label Konzertmühle weiter. Foto: Sichelstiel2013/08/68342_konzertmuehlesimmelsdorf_New_1377094264.jpg

SIMMELSDORF — Aus der Simmelsdorfer Mühle wird die Konzertmühle: Opernsängerin Cornelia Götz und ihr Lebensgefährte Anton Mehl haben das denkmalgeschützte Ensemble gekauft. Sie wollen dort ausbauen, was ihre Vorgängerin Lis Graf begonnen hat. Konzerte soll es bald an jedem Wochenende geben. Und Graf? Die wird nach über 17 Jahren als Veranstalterin – zuerst in Schnaittach, dann in Simmelsdorf – bald nur noch Zuhörerin sein.

Erst vor Tagen sind die 48-jährige Sopranistin Cornelia Götz und ihr gleichaltriger Lebensgefährte in das Haus aus dem 16. Jahrhundert an der Schnaittach eingezogen. Und schon jetzt sagen die beiden: „Ein Traum wird Wirklichkeit.“ Nach so einer Immobilie hatte das Paar gesucht, nach einem Ort, der sich für Konzerte genauso eignet wie für Gesangsworkshops. Im Leben von Götz und Mehl dreht sich schließlich alles um Musik: Er baut und vertreibt exklusive Verstärker und Plattenspieler, sie singt. Als „Königin der Nacht“ war die 48-Jährige schon an der Metropolitan Opera in New York zu hören, aufgetreten ist sie daneben in Aix-en-Provence, beim renommierten Glyndebourne-Festival sowie in Hamburg, Dresden und Wien.

Lis Graf, die bisherige Besitzerin der Simmelsdorfer Mühle, hat mit ihren Nachfolgern also einen Glücksgriff getan. Die Witwe des Architekten Volker Graf – der denkmalgeschützte Häuser gekauft und renoviert hat – organisiert seit über 17 Jahren Konzerte, zuerst in der Schnaittacher Kulturscheune, nach Querelen mit Nachbarn und dem Brandschutz dann in Simmelsdorf. Dieser Herbst wird jedoch ihr letzter als Veranstalterin sein. Noch bis Weihnachten überlassen Götz und Mehl ihr an insgesamt vier Abenden den Saal im Nebengebäude der Mühle, danach ist Schluss. „Ich kann bald einfach ins Konzert gehen und genießen“, sagt sie.

Konzertmühle Simmelsdorf: Unter diesem Namen starten die Neuen am Samstag, 28. September, durch. Konzentrieren wollen sie sich auf klassische Musik, auf Blues und Jazz. Geplant ist in diesem Jahr jeweils ein Konzert pro Wochenende, 2014 sollen es – wenn die Nachfrage stimmt – sogar zwei in der Woche werden.

Zum Einstieg holt Götz ein paar ehemalige Kollegen vom Nürnberger Opernhaus, wo sie nach ihrer Ausbildung Ensemblemitglied war, nach Simmelsdorf. Diese begleiten die gebürtige Schwäbin, die Highlights aus Oper und Operette singt, mit Violine, Querflöte, Cello, Kontrabass und Bratsche. Die „Königin der Nacht“ wird nicht fehlen, Götz hat die schwierige Koloraturpartie bereits 800 Mal gesungen.

Anfang Oktober gastieren die „Flat Foot Stompers“ aus dem Raum Stuttgart mit Jazz und Swing der Zwanziger und Dreißiger. Zwei Wochen später machen die Nürnberger Chris Schmitt und Lilo Kraus, im Leben wie auf der Bühne ein Paar, den Simmelsdorfern ihre Aufwartung. Kraus spielt Harfe, Schmitt begleitet sie auf der Mundharmonika.

„An Künstlern mangelt es nicht“, weiß Graf. Diese Erfahrung hat auch Götz schon gemacht: „Ich bin manchmal erschlagen, was da an Anfragen kommt.“ Nur das Publikum muss mitspielen. Ein wichtiger Punkt, will das Besitzerpaar doch langfristig Geld mit der Mühle verdienen. Dafür müssen die Besucherzahlen stimmen. „Wir werden außerdem vermieten“, sagt Götz. Heißt: Auch künftig kann man Hochzeiten und Geburtstage im Saal des Gebäudeensembles feiern.

Weil die Sopranistin und der Audio-Experte recht flexible Jobs haben, können sie sich ihre Zeit gut einteilen. Götz wird weiterhin als Gast an verschiedenen Opernhäusern auftreten, Mehl wird weiterhin Verstärker bauen – doch vorstellen können sich die beiden schon, mehr und mehr als Veranstalter zu arbeiten. Workshops für Sänger und vielleicht ein Gesangswettbewerb sollen das Angebot der Mühle deshalb ergänzen.

Diese übrigens wird noch umgestaltet: Zum ersten Konzert im September gibt es neue Stühle, außerdem soll Kunst die Wände zieren. Bis dahin sind die Umzugskisten garantiert verräumt.

Von Lis Graf organisierte Konzerte: „Solid Ground“ (20. September, 20 Uhr) spielen modernen irischen Folk, auf eine musikalische Reise durch Louisiana begeben sich „Zydeco Annie“ und die „Swamp Cats“ (12. Oktober, 19.30 Uhr), das „Damensalonorchester Bella Donna (8. November, 20 Uhr) entdeckt Tierisches in klassischer Musik und schließlich, kurz vor Weihnachten, tritt das Martina-Eisenreich-Quartett mit leichten, schwebenden Melodien auf (14. Dezember, 19.30 Uhr). Unter www.konzertmuehle-simmelsdorf.de findet sich das parallel dazu stattfindende Programm von Cornelia Götz und Anton Mehl. Es beginnt am 28. September. Tickets für alle Veranstaltungen unter Telefon 09123/175-135 bei der Pegnitz-Zeitung.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel