Songs mit Temperament und Seele

Der Betsaal wird zum Pub

Irish Folk und Heimatliebe: Die Band Woodwind & Steel begeistert das Altdorfer Publikum. | Foto: Susanne Voss2019/05/Altdorf-Konzert-Woodwind.jpg

Die Band Woodwind & Steel entführt ihr Publikum in das Land, in dem Obama seinen Apostroph gesucht hat.

Barack Obama ist Ire. Zumindest zum Teil. Sein Ur-Ur-Ur-Großvater wurde im irischen Moneygall geboren, das er 1850 verließ. Obama kehrte 2011 in das 300-Seelen Dorf zurück, um dort das Apostroph in seinem Namen zu suchen, das irgendwo auf dem Weg verlorengegangen sei. Auch Ed O‘Casey ist Ire und das zu 100 Prozent. Mit seinem Trio Woodwind & Steel hat er den ausverkauften Betsaal des Wichernhauses in „das verlängerte Wohnzimmer jedes Iren“ verwandelt: in einen Pub.

Michael trinkt Guinness
O‘Casey hat erkennbaren Spaß daran, vor dem inneren Auge des Publikums die Szenerie eines Irish Country Pubs entstehen zu lassen. Aus dem Off ist Stimmengewirr zu hören, irgendwann kristallisiert sich deutlich ein Besucher namens Michael heraus.
Der trinkt sein Guinness mit Hingabe und hat die ultimative Lösung für Verkehrskontrollen durch die Polizei parat: „Sprich einfach Deutsch.“ Das verstehe ohnehin niemand.

Mehr als 40 Grüntöne
Sein Gesang ist authentisch und berührt; an der Bodhrán, der Rahmentrommel, ist der Ire ein Virtuose. Neben Gitarrist Heiko komplettiert Ann O‘Casey die Darbietung der Songs, Jigs und Reels, die an diesem Abend zu hören sind: Sie spielt die ganze Bandbreite irisch-keltischer Flöten von der Tin-Whistle über die Low-Whistle und die Irish-Wood Flöte bis hin zur Querflöte. Die Musikerin und Sängerin mit Gänsehautstimme zeichnet das Bild, das Irland über Pubs hinaus ausmacht: atemberaubende Küstenlandschaften, ein ungezähmtes Meer und tatsächlich mehr als 40 Grüntöne.

The Wild Rover
Vor dem Hintergrund dieses Szenarios hört und erlebt das Publikum Balladen wie Finnegan‘s Wake und Hard Times, ein Lied, das von der Unterdrückung der Flüchtlinge im Jahr 1854 erzählt.
In Irland haben diese Bemühungen nicht wirklich gefruchtet. The Wild Rover ist dort ein allseits bekanntes Trinklied.

Ein Eimer voll Mondlicht
Die Iren, die ihre Heimat Richtung USA verlassen, bleiben ihren Wurzeln verbunden. Heimweh ist dabei nicht selten, „a bucket full of moonshine“ – selbstgebrannter Schnaps – der Trost. Irland ist für Woodwind & Steel weit mehr als die Grüne Insel, sie erzählen mit ihrer Musik von der langen Historie der Emerald Isle, von den Menschen, die ihre Heimat lieben, von Humor und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Das Publikum ist hingerissen und erst nach mehreren Zugaben bereit, den irischen Country Pub im Wichernhaus zu verlassen.

N-Land Susanne Voss
Susanne Voss