Freundschaftsbücher aus 120 Jahren

Das Poesiealbum im Wandel der Zeit

Das Plakat zur Sonderausstellung „Das Poesiealbum im Wandel der Zeit“ im Röthenbacher Conradtyhaus. | Foto: Stadt Röthenbach2022/05/a460654691i0017_max1024x.jpeg

RÖTHENBACH – „Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken … – Das Poesiealbum im Wandel der Zeit“ lautet der Titel einer neuen Sonderausstellung, die am Freitag, 13. Mai, von 18 bis 20 Uhr mit einer Vernissage im Stadtmuseum Conradtyhaus in Röthenbach eröffnet wird.

Die Ausstellung konnte aus Leihgaben von Privatpersonen zusammengestellt werden. Zu sehen sind dort schöne und interessante Exponate aus den vergangenen 120 Jahren. Die Besucher des Stadtmuseums können sich auf eine Zeitreise begeben und entdecken dabei vielleicht auch Vertrautes aus ihrer eigenen Poesiealbumszeit.

Jahrhundertealter Brauch

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstand der Brauch, Freunden Namen, Wappen und einen Wahlspruch in das Stammbuch (nicht identisch mit dem Familienstammbuchs) zu schreiben. Im 18. Jahrhundert kamen zu den Sinnsprüchen Widmungen und Zeichnungen und im Lauf der Zeit wurden aus den Stammbüchern Erinnerungsbücher.

Die Blütezeit hatte das Poesiealbum im 19. Jahrhundert, als Mitglieder literarischer Zirkel sich gegenseitig mit Versen und künstlerischen Beiträgen in eigens angeschafften Heften verewigten. Diese Sitte war hauptsächlich unter Erwachsenen üblich.

Poesiealben waren zum Teil mit einfachen kleinen Schlössern verschließbar und es galt unter Kindern als Freundschaftsbeweis, sich darin eintragen zu dürfen. Die poetischen Verse wurden durch Weitergabe des Albums an Verwandte, Mitschüler, Lehrer, Freunde und Bekannte gesammelt. Dabei stand jedem Eintrag nur eine Buchseite (in der Regel die rechte) zur Verfügung. Die linke blieb frei und diente der künstlerischen Gestaltung.

Sticker und Glitzerbilder

Beliebt waren Glanzbilder, Scherenschnitte und Glitzerbilder, später auch Sticker, die eingeklebt wurden. Auch Zeichnungen, gern auch nach durchgepausten Vorlagen, waren üblich. Die Bilder und Zeichnungen dienten oft nur der Verzierung und hatten selten einen inhaltlichen Bezug zum Eintrag.

Da Poesiealben meist in der Schulzeit, etwa ab dem Grundschulalter geführt wurden, sah man sie teilweise als pädagogisch wertvoll an. Denn, wer in ein Poesiealbum schrieb, übte nicht nur die Schönschrift, sondern musste auch seinen Geschmack bei der Auswahl von Texten beweisen.

Poesiealben heute

Die Beliebtheit und die Gestaltung von Poesiealben ist einem Modetrend unterworfen. So wurden die Alben mit weißen Seiten von Alben mit bereits vorgedruckten Texten und Bildern, sogenannten Freundschaftsbüchern, abgelöst.

Im heutigen Social-Media-Zeitalter werden Poesiealben und Freundschaftsbücher nur noch selten als soziales Medium von Kindern und Jugendlichen benutzt. Das haben längst Soziale Netzwerke wie Facebook, TikTok und Co. übernommen.

Info und Öffnungszeiten

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Museums in der Mühlgasse 1 immer sonntags von 10 bis 16 Uhr besucht werden. Termine für Gruppen können im Kulturamt unter Telefon 0911/9575133 vereinbart werden.

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