Buchvorstellung

Das Beste aus der Heimat auf 116 Seiten

Mit 95 Jahren hat Verleger Eckhardt Pfeiffer dieses Buch herausgebracht. | Foto: Pfeiffer Verlag2019/12/Buch1.jpg

HERSBRUCK – Geschichte lebt von Geschichten: Das weiß keiner besser als HZ-Altverleger Eckhardt Pfeiffer. Er hat das Beste aus der „Heimat“, der historischen Beilage der Hersbrucker Zeitung, in einem spannenden Buch vereint.

Es braucht nicht immer die großen historischen Fakten, um Geschichte zu erzählen. Vielmehr sind es gerade die kleinen Begebenheiten des Alltags, die Geschichte begreif- und erlebbar machen. Wie ließe sich zum Beispiel besser der Einzug des technischen Fortschritts erklären, als mit der Eröffnung der Motorpostlinie von Alfeld nach Hersbruck anno 1911. Das halbe Dorf war damals auf den Beinen, als erlauchte Herrschaften zur Probefahrt mit dem motorisierten Gefährt aufbrachen und durchs Happurger Tal brausten.

Ab nach Amerika

Oder die Folgen der Industrialisierung, die so manchen Handwerksgesellen hierzulande brotlos werden ließen. Ein Kapitel widmet sich einem dieser Mutigen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA auswanderten, um dort ihr Glück zu suchen.

Pfeiffers Buch beherbergt viele solcher kleinen, liebenswerten Geschichten aus der „Heimat“. Und die gehen oft mehr unter die Haut als die große Politik, wie es im Vorwort heißt. Kein Wunder, schließlich sind die Protagonisten keine großen, fernen Helden, sondern die ganz normalen Menschen von nebenan, die in der großen Weltgeschichte ihre eigenen, wenngleich kleinen Fußabdrücke hinterlassen.

Aber auch ein spannender Politkrimi findet seinen Platz in dem 116 Seiten umfassenden Buch. Er lässt den erbitterten Machtkampf zwischen dem Gauleiter Julius Streicher und dem Polizeipräsidenten und SS-General Benno Martin spürbar werden. Und mittendrin: der ehemalige Hersbrucker Bürgermeister, Kreisleiter und Reichstagsabgeordnete Georg Sperber. Er war im Dritten Reich sieben Jahre lang der mächtigste Mann in der Stadt und im Landkreis Hersbruck. Ein Kapitel widmet sich seinem steilen Aufstieg, dem ein ebensolcher Absturz folgte. Ein anderes dem Studentenstreich am Rathausturm, der ihn zum Toben und Hersbruck zum Lachen brachte.

Altverleger Eckhardt Pfeiffer, Jahrgang 1923 und profunder Kenner der Heimatgeschichte und des hiesigen Dialekts – ein ganzes Kapitel ist der fränkischen Sprache gewidmet –, hat mit viel Bedacht und Fingerspitzengefühl die einzelnen Geschichten ausgewählt, die zum Teil aus seiner eigenen Feder, zum Teil von anderen „Heimat“-Autoren wie zum Beispiel Hermann Dresel, Albert Geng und Werner Kaschel stammen. Entstanden ist ein vielseitiges Werk, das die Geschichte von Hersbruck und seinem Umland vom Mittelalter bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lebendig werden lässt.

Uropa mit Pfeffer

Dabei gewährt Pfeiffer auch einen Einblick in die Geschichte seiner eigenen Vorfahren und schildert, warum anno 1855 eine Hausdurchsuchung in der Druckerei Pfeiffer stattfand. Damals nämlich hat es sein Urgroßvater Konrad Pfeiffer, ein glühender Demokrat, gewagt, ein Flugblatt zu drucken, das ein durchaus gepfeffertes Gedicht zum Abschied des königlich-bayerischen Landrichters Mayr enthielt. Auch wenn das Gericht damals die weitere Verbreitung des Flugblatts untersagte, seine demokratische Gesinnung ließ sich Konrad Pfeiffer nicht verbieten.

„Das Beste aus der Heimat“ ist ab sofort für 19,80 Euro in der Geschäftsstelle der HZ und im Buchhandel erhältlich.

N-Land Katja Bub
Katja Bub