Stefan Leonhardsberger im PZ-Kulturraum

Charmeoffensive aus´m Mühlviertel

Einen wunderbaren Abend bescherten Martin Schmid und Stefan Leonhardsberger in Lauf. | Foto: Krieger2017/10/LeonhardsbergerKulturraum.jpg

LAUF — Fein, witzig, kritisch, melancholisch und vor allem hochmusikalisch — der Abend mit Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid im PZ-Kulturraum war ein Kleinod der Kleinkunst. Mit seinen musikkabarettischen Miniaturen eroberte das österreichisch-schwäbische Duo auf Anhieb das Herz des Publikums, das sich am Ende nur schwer trennte.

Er schwingt die Hüften wie einst Michael Jackson, er kann Sinead O` Connors Tränen rollen lassen und Tina Turner ist für ihn überhaupt kein Problem: Stefan Leonhardsberger ist eine Schau. Wie der Charmebolzen aus dem „Auenland“ Österreichs, dem Mühlviertel, fast zweieinhalb Stunden lang die Zuhörer im PZ-Kulturraum um den kleinen Finger wickelte und dabei mit den Songs der Popgrößen der Welt flirtete, als gäbe es kein Morgen, hatte Seltenheitswert.
Mit 20 hat es ihn die weite Welt verschlagen, nach Wien. Die Geschichte vom Auszug aus dem Paradies ist nur eine der Rahmenhandlungen, die Leonhardsberger und Schmid wie ein feines Spinnennetz um die Songs herumweben, die der Oberösterreicher und sein „Haberer“ schamlos stibitzt und mit eigenen Texten versehen haben. Selbstverständlich im österreichischen Dialekt und nachdem Rihanna und Co vorher darum gebeten hatten. „Da Billi Jean is ned mei Bua“, heißt das Programm, mit dem sie seit 2013 touren. Ein paar Gitarren und eine perfekte Stimme, mehr braucht es nicht für den Abend – der ausgebildete Schauspieler und Bariton Leonhardsberger und sein kongenialer Musikkollege aus Augsburg beherrschen die komplette Klaviatur der Töne. Da wird Michael Jacksons Welthit „Billi Jean“ zur Chronik einer Vaterschaftsklage, die Womanizer „Tonic“, mit dem der junge Stefan einst die Nächte durchmachte, ausfechten muss. Wie die Geschichte weitergeht erfährt das Publikum, das den beiden schon nach der Halbzeit zu Füßen liegt, zum Schluss. Nachdem Leonhardsberger mit Tina Turners „Private Dancer“, bei ihm „Bsoffner Tänzer“, eine hinreißende Ode an die Männerwelt auf die Bühne gebracht hat.

Dazwischen kleine Erzählungen, mal witzig, mal sozialkritisch, die die musikalische Vorlage nicht selten auch konterkarieren: So wird etwa aus dem Hit von S.T.S. „Irgendwann bleib I dann dort“ „Irgendwann bleib i dann furt“ und aus Bruce Springsteens „The river“ die Hymne für den „Almsee“. Mimik, Gestik, Rollenverteilung – zwischen den „Strizzis“ auf der Bühne stimmt alles. Am Ende zwei Zugaben und stehender Applaus. Die Leinensackerl mit dem Konterfei von Billi Jean gehen weg wie die warmen Semmeln.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger