Lesung mit Radost Bokel

Blick hinter Momos Kulissen

Momo ist erwachsen geworden: Radost Bokel während der Dreharbeiten 1985 und „in echt“ heute. Foto: S. Camin2015/02/5_2_3_2_20150206_MOMO.jpg

LAUF – Momo liest „Momo“ lautete die verheißungsvolle Einladung der Stadtbücherei Lauf, die Heldin einer ganzen Generation neu kennenzulernen. Keine Geringere als Radost Bokel gab sich dabei die Ehre – sie mimte 1985 in der Momo-Verfilmung die gleichnamige Hauptdarstellerin. Im Rahmen der Lesung mit Fotos erzählte sie von menschlichen Episoden und technischen Tricks während des Drehs. Ihr Schauspielerkollege Jean-Marc Birkholz, bekannt als Winnetou bei den Karl-May-Festspielen in Elspe, begleitete sie.

Muss man Michael Ende (1929 bis 1995) vorstellen? Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Die unendliche Geschichte, Momo, um nur die bekanntesten Werke des deutschen Schriftstellers zu nennen. Heuer jährt sich sein Todestag zum 20. Mal – Zeit, sich Zeit für ihn zu nehmen.

Zeit, Zeit, Zeit

Und um diese geht es oft bei ihm: „Alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist verlorene Zeit“, lautet eines seiner berühmtesten Zitate. Um Zeit dreht sich auch die Geschichte um Momo, einem kleinen Waisenmädchen, das vor einer Stadt in den Ruinen eines Theaters haust. Sie lebt von dem, was sie findet oder was die Leute ihr geben – und hört anderen gerne zu. Bis eines Tages die grauen Herren kommen und den Menschen ihre Zeit stehlen. Momo und die Schildkröte Kassiopeia ziehen in den Kampf gegen die grauen Herren, um der Menschheit ihre Lebenszeit zurückzugeben.

Bokel verriet während der Lesung, dass sie durch eine Anzeige in einer deutschlandweiten Zeitung auf die Suche nach einer geeigneten Schauspielerin für Momo aufmerksam wurde. Sie hatte im Kinderhort bereits erste Erfahrungen auf der Bühne gesammelt als Eliza Doolittle in dem Stück My Fair Lady und versuchte ihr Glück. Gegen 1000 Bewerberinnen setzte sie sich durch, nachdem Michael Ende sie gesehen hatte.

Otto, Armin und Sean

Am Set traf sie eines Tages auf Otto Waalkes, obwohl er gar nicht mitspielte. Horst Wendlandt produzierte neben Momo auch die Otto-Filme, und so schaute Otto „einfach mal vorbei“. Von dem lustigen Abendessen, während dem Otto permanent Faxen machte, schwärmt Bokel noch heute.

Auch wenn Armin Mueller-Stahl in Momo die Rolle eines der bösen grauen Herren übernommen hatte, war er laut Bokel „total lieb“. Zeitgleich wurde damals Der Name der Rose mit Sean Connery und Christian Slater im Cinecittà-Filmstudio in Rom gedreht, so dass sie immer wieder die großen Schauspielkollegen sah.

Sämtliche Gebäude waren damals aus Styropor, so Bokel. „Ich habe damals gerne Löcher mit den Fingern reingebohrt – das fanden die Requisiteure nicht toll“, verrät sie mit einem Augenzwinkern. Es gab eine echte und eine ferngesteuerte Schildkröte, räumt sie ein.

Tricks und Kniffe von damals

„Die Spezialeffekte waren 1985 noch nicht so ausgereift“, fährt sie fort. „In der Szene, in der die Puppen alle zurück ins Auto fliegen, werden die Puppen an Schnüren gezogen. Und was im Film so aussieht, als ob wir nicht vorankommen, ist schlicht durch eine Windmaschine vor uns und Schnüren, die an unseren Rücken befestigt sind, realisiert.“

Fazit: Nach dieser Lesung gibt es nur eines: Sich Zeit nehmen, die DVD einlegen und eine Reise zu Momo, Kassiopeia, Meister Hora und den grauen Herren unternehmen. Und mit dem Hintergrundwissen entdeckt man sicher die eine oder andere Schnur im Film.

Ausstellung und Illustrationen

Noch bis zum 18. Februar ist die Ausstellung über Michael Ende in der Stadtbücherei Lauf in der Turnstraße 11 während der Öffnungszeiten zu sehen. Exponate erinnern an Endes Lebens- und Werkstationen, ergänzt durch handsignierte Illustrationen von Friedrich Hechelmann, der Momo kunstvoll interpretiert. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.stadtbuecherei-lauf.de.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin