Interview über neuen Ausflugs-Verführer

„Bei uns ist es auch echt schön!“

Anna und Martin Schwarm haben ihr erstes Buch herausgebracht. | Foto: A. Pitsch2016/08/7366235.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Sieben Täler, eine namensgebende Stadt, Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, Sport und Freizeit, Natur, Kultur und Brauchtum – das alles ist die Hersbrucker Schweiz. Und die schönsten Tipps davon passen alle in ein Buch, den neuen „Ausflugs-Verführer“, für den Anna und Martin Schwarm aus Hersbruck verantwortlich sind. Er für die einladenden Fotografien, sie für den lesenswerten Schreibstil. Gestaltet ist das Buch im praktischen Handtaschen-Format modern und dank Farbleitsystem sowie zwei Karten übersichtlich.

Ihr lebt in Hersbruck, wie viele andere auch. Aber Ihr habt ein Buch über Eure Heimat geschrieben.
Anna Schwarm: Wir haben lange darüber geredet, dass die Hersbrucker Schweiz viel zu unbekannt ist für die Schönheiten, die sie hat. Wir finden, dass sie auch für sich stehen kann und kein Anhängsel der „Fränkischen“ sein muss. Mit der Argumentation, dass es daher eine Lücke im Buchmarkt gibt, haben wir unsere Idee dem Verlag „ars vivendi“ vorgestellt. Orientiert haben wir uns vom Konzept her an den Ausgaben „100 Mal verführt“. Da die Hersbrucker Schweiz aber ja eine Naturregion ist, ist in Absprache mit dem Verlag eine kompakte Kombination aus Sehenswürdigkeiten, Wandertouren, Gastro- und Einkaufstipps entstanden. Weil es so etwas bisher nicht gab und die Region auch all dieses hat.

Was wollt Ihr mit dem Ausflugsverführer erreichen?
Er soll eine Anregung sein, denn das, was wir vorstellen, ist nicht erschöpfend. Pro Tal, von denen es ja sieben gibt, haben wir zum Beispiel nur eine Wandertour und einen Gastro-Tipp drin. Aber das Buch soll ein erster Schritt Richtung Emanzipation der Hersbrucker Schweiz sein, ganz nach dem Motto: „Bei uns ist es auch schön“.

Es gibt in der Hersbrucker Schweiz sicher mehr als 100 schöne Dinge. Habt Ihr Eure komplette Freizeit nur mit Entdecken und Auswählen fürs Buch verbracht?
Nein, auch wenn wir intensiv eineinhalb Jahre dran gearbeitet haben. Wir haben viele Freunde, die uns besuchen. Und man will ja nicht immer das Gleiche machen. So haben wir alles gesammelt: wo wir gerne hingehen und was uns gefällt.

Eine Frau, ein Mann und ein gemeinsames Arbeiten. Klappt das?
Als dann unser Nachwuchs kam, war es schon manchmal stressig. Aber an sich war das ein Familienprojekt, in dem wir unsere Leidenschaften fusionieren konnten. Als gelernte Journalistin, die jetzt als Kuratorin und Kulturmanagerin arbeitet, fehlt mir das Schreiben öfters. Martin fotografiert privat viel und, wie ich finde, sehr gut. Ich wollte, dass er seine Bilder auch mal zeigen kann. Es war ein wunderschöner Moment, als wir in Händen hielten, was wir als Paar miteinander geschaffen haben.

Man hilft sich also dann auch gegenseitig.
Martin hat mir vor allem bei den Wanderungen geholfen. Er ist nämlich der Wandertyp, ich der Kulturtyp. Nicht nur hier kommen zwei Perspektiven zusammen: Er ist hier aufgewachsen, ich komme aus Nürnberg. So hat er seine Lieblingsorte und Geheimtipps schon vor langer Zeit gefunden, und das sieht man einfach an den tollen Fotos.

Wie seid Ihr an die ganzen Informationen gekommen?
Da wir ja schon länger hier leben, haben wir natürlich ein gewisses Grundwissen über die Orte. Den Rest haben wir wie bei den Wanderungen erlaufen, waren in Museen und haben mit Leuten gesprochen. Viel war auch Recherche in Büchern von Albert Geng und Eckhardt Pfeiffer über die Gegend.

Fränkisch darf bei so einem Buch nicht fehlen.
Da haben wir lange diskutiert drüber, denn er ist ja von hier und ich aus der Stadt. Ich habe früher keinen Dialekt gesprochen, jetzt hat der sich eingeschlichen. Da ja fast jedes Tal etwas anders spricht, mussten wir einen Mittelweg finden. Ich habe mich an einem Langenscheidt orientiert, der Verlag, der sich mit Fränkisch auskennt, hat auch drübergeschaut. Für Fremde sind die paar Sätze charmant, Einheimische denken sicher: Ich weiß das besser.

Das Gefühl, wenn man das erste Exemplar in Händen hält, ist …
… geil! Wenn man Texte und Bilder das erste Mal angeordnet sieht, ist das schon einmalig. Wir haben in den eineinhalb Jahren rund 25 000 Bilder angesammelt. Pro Kapitel wählten wir vier Fotos für den Verlag aus, der sich dann das Passendste aussuchen konnte. Man selbst verliert sich da ein bisserl irgendwann. Dieser Blick von außen ist gut. So war es auch für uns überraschend.

Würdet Ihr es wieder tun?
Ja, aber nicht sofort. Wir haben uns verpflichtet, wenn die erste Auflage vergriffen ist, dass wir eine zweite machen. Die wird sich dann sicher an die Zeit anpassen, denn die überholt einen manchmal während Planung und Erstellung.

Am Freitag, 16. September, um 20 Uhr stellen Anna und Martin Schwarm ihr Buch vor; dabei im Hersbrucker K5 in der Kirchgasse 5 ist auch Krimi-Autor Theobald Fuchs mit „Niemand ruht ewig“. Der Eintritt ist frei, verbindliche Sitzplatzreservierungen unter [email protected]

Anna Schwarm, Martin Schwarm (Fotografie): Der Ausflugs-Verführer Hersbrucker Schweiz; Freizeitführer, Klappenbroschur, 272 Seiten, ISBN 978-3-86913-594-6, 15,90 Euro.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch