„Vergangenheit, die nicht vergeht“

Ausstellung eines P-Seminars im Hirtenmuseum

Das Herz soll die guten Beziehungen der PPGler nach Polen symbolisieren. | Foto: A. Pitsch2017/06/IMG_1406.jpg

HERSBRUCK – „Vergangenheit, die nicht vergeht“ – diesen mehrdeutigen Titel gab das P-Seminar der Q11 des Paul-Pfinzing-Gymnasiums seiner Ausstellung, die im Hirtenmuseum zu sehen ist. Dieser zeigt nämlich nicht nur, dass die Themen „Drittes Reich“ und KZ-Außenlager auf immer mit der Stadt verbunden bleiben werden, sondern betont vor allem, wie wichtig dieses Wissen für das aufmerksame Gestalten der Zukunft ist. Und genau das ist der Anspruch der Schüler.

Daher verbinden sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der von Gymnasiasten gestalteten und konzipierten Schau geschickt. Während an zwei Wänden der Museumsscheune die Werke von Szmuel Laitner, einem ehemaligen Hersbrucker KZ-Häftling, zu sehen sind, zieren die anderen Wände Fotos und Schlagworte aus dem Lebensumfeld der Jungen und Mädchen.

Gerade diese Verbindung aus „Erinnern und Präventionsarbeit durch das Mitwirken der Schüler“ lobte Bürgermeister Robert Ilg bei der Eröffnung in der Scheune, die Stadträte, Lehrer, PPG-Chef Klaus Neunhoeffer, Eltern und CSU-Landtagsabgeordneter Norbert Dünkel füllten. Zudem hob er Lehrerin Barbara Raub hervor, die gemeinsam mit BR-Redakteur Thomas Muggenthaler Impulsgeber für das Seminar war.

Szenen voller Leid
Raub und Muggenthaler hatten bereits öfter bei PPG-Projekten zusammengearbeitet. Als der Journalist, dessen Steckenpferd der Holocaust ist, den früheren Kunstlehrer Szmuel Laitner in seinem Kibbuz in Israel besuchte, war er fasziniert: „Solche Persönlichkeiten befeuern die Erinnerung.“ Neben fröhlichen Bildern und Skulpturen sah Muggenthaler aber vor allem die gemalten Szenen, die Laitner im Dritten Reich selbst erlebt hatte. „Er hat sein Leiden künstlerisch verarbeitet.“

Einen dicken Ordner mit seinen Werken gab er Muggenthaler mit, der die Kollegstüfler damit konfrontierte. Diese waren sofort bei der Sache, sammelten Informationen zum KZ Hersbruck, organisierten einen Polen-Austausch, wählten die Bilder für die Schau aus und schnitten eigenständig Passepartouts für diese, wie Museumsleiterin Ingrid Pflaum zu berichten wusste: „Sie sind zu richtigen Assistenten geworden.“

Kein Wunder, dass Julian Appl, Philip Czech, Marina Funk, Hannah Gruber, Maximilian Hauser, Lukas Maul, Hannah Meier, Anna Nicol, Katharina Simmerl, Samuel Sommer und Maximilian Vogel entsprechend aufgeregt waren. Ihre Spickzettel für die Vorstellung der einzelnen Ausstellungsteile waren oft zerknittert. „Es ist alles so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben“, meinte Katharina Simmerl stolz.

Mit einer kurzen Biografie über Laitner zum Einstieg wollen die Schüler zeigen, dass er ein „starker Kämpfer“ ist. Seine nüchternen und doch ausdrucksstarken Zeichnungen in Schwarz-Weiß sortierten sie entsprechend des Weges eines Häftlings und von Übersichten bis ins Detail: Lager, Entlausung, Appell, Arbeitsszenen, Lazarett, Menschenversuche und Selbstmord – „Viele haben den Nazis das gegeben, was sie wollten“.

Eingerahmt sind Laitners Werke sozusagen von Hoffnung und Mahnung: Die Gymnasiasten haben ein Herz aus Fotos vom Polen-Austausch aufgehängt. „Wir möchten die deutsch-polnischen Beziehungen pflegen.“ Ebenfalls Fotografien zieren Schlagworte wie Freiheit, Reisen, Liebe oder Frieden. „Das sind alles Dinge, die den Menschen damals genommen wurden, aber für uns heute selbstverständlich sind.“ Eine Umfrage unter Mitschülern hat diese Stichworte ergeben.

Damit und auch mit dem letzten Stück der Ausstellung, die noch drei Wochen zu sehen ist, wollen die Jungen und Mädchen darauf aufmerksam machen, die Menschenrechte zu achten, zu bewahren und zu leben. Zwei Artikel hatte Karin Schwemmer für die Schüler gestaltet, einzelne Buchstaben fallen aus den Sätzen heraus – so wie die Rechte in manchen Ländern oder zu Laitners Zeiten verwässern oder gar verschwinden. Was bleibt ist die Hoffnung: Denn die Plastik haben die Gymnasiasten über den Köpfen der Besucher platziert: „Die Menschenrechte stehen schützend über uns.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch