Corona-Krise

Auch für die Dekanatskantorin ändert sich die Arbeit

Üben an der Orgel gehört für die Dekanatskantorin auch jetzt zum Alltag – damit weiterhin Leben in der Stadtkirche herrscht, sagt sie. | Foto: privat2020/05/IMG-3461.jpg

HERSBRUCK – Obwohl sich Kirchen nun wieder mit Gläubigen füllen dürfen, bleibt es in ihnen weitestgehend stumm. Gesang und Musik im Gottesdienst sind nur eingeschränkt erlaubt, ein Konzert noch gar nicht denkbar. Damit bricht auch ein großer Teil der Arbeit von Dekanatskantorin Heidi Brettschneider weg – und trotzdem hat sie im Hintergrund einiges zu tun.

Die erste große Absage, mit der sich Heidi Brettschneider seit der Corona-Krise beschäftigen musste, war die der Johannespassion in der Stadtkirche. Alle Musiker und Solisten musste sie abklappern, um zu klären, ob das Konzert auf kommendes Jahr verschoben werden kann. „Drei der fünf Solisten haben mir zugesagt, beim neuen Termin mit dabei zu sein“, sagt sie. Bei den anderen habe es Terminüberschneidungen gegeben – kein Einzelfall, wenn nun alle Auftritte nach hinten oder gleich um ein Jahr geschoben werden. Auch das Konzert ihres Frauenvokalensembles, das für den 10. Mai geplant gewesen wäre, soll nun ein Jahr später, am 2. Mai 2021, stattfinden.

Stimme wie ein Muskel

Noch nicht abgesagt ist dagegen das Open Air mit dem Gospelchor am 27. Juni. „Aber auch das steht in den Sternen“, sagt Brettschneider – denn das Konzert sei genauso wie andere abhängig von der Entscheidung, wie groß eine Veranstaltung sein darf. Zudem stehe und falle der Termin mit der Möglichkeit, Chorproben abhalten zu können. „Wir bräuchten vorher mindestens vier Proben mit dem Chor. Die Sänger können zwar auf ein riesengroßes Repertoire zurückgreifen. Aber sie müssen das Konzert ja auch stimmlich durchhalten – und das ist ohne regelmäßige Proben nicht einfach“, erklärt die Kantorin.

Denn beim Singen sei es wie beim Fitnesstraining – und die Stimme wie ein Muskel, der immer wieder beansprucht werden muss. Ohne Übung verliere sie schnell an Ausdauer sowie Höhe oder Tiefe. Auch Brettschneider selbst will nun wieder täglich singen, damit ihre Stimme nicht ermüdet.

Masken beim Gesang?

„Das zielorientierte Arbeiten mit den Chören geht verloren“, sagt Brettschneider ganz klar. Zwar stünde sie weiterhin mit den Mitgliedern via Mail oder Telefon in Kontakt und informiere sie über Neuigkeiten, die sich zum Beispiel aus den wöchentlichen Krisensitzungen mit den Hauptamtlichen der Kantorei ergeben. Proben an sich fänden aber nicht statt. „Eine Chorprobe wäre ja prädestiniert für die Tröpfchenbildung und damit eine Ansteckung“, so die Kantorin. Deshalb glaubt sie, dass eine Lockerung in der Hinsicht noch lange auf sich warten lässt. Mit Gesichtsmasken zu singen kann sie sich nicht vorstellen – aus atmungs- und klangtechnischen Gründen. Und auch an ein Proben via Videochat glaubt sie nicht. Die Synchronität sei dabei schwierig. Und hätten letztendlich alle die Möglichkeit dazu?

„Da finde ich es sinnvoller, sich im Internet die entsprechende Stimmlage anzuhören und privat zu üben“, sagt Brettschneider. Das sei gerade im Hinblick auf die Aufführung der „Schöpfung“ von Josef Haydn, die am 25. Oktober geplant ist, eine Möglichkeit. Die einzelnen Chorstimmen und Noten dazu fänden sich online, Brettschneider hat den Sängern der Kantorei den entsprechenden Link zukommen lassen. Denn auch für dieses Stück würde es mehr Proben bedürfen, sollte sie zum Beispiel ab September nur mit einem Teil der Sänger üben können. „Je später wir damit anfangen dürfen, umso enger wird die Zeit“, erklärt sie. Ähnliches plant die Kantorin mit den jungen Sängern ihres Kindermusicals – in der Hoffnung, dass auch sie daheim am Ball bleiben.

Zwei Räume voller Noten

Neben all diesen organisatorischen Aufgaben setzt sich Brettschneider zurzeit bewusst an die Orgel der Stadtkirche und spielt – „damit die Leute merken, es ist Leben in der Kirche.“ Manche hätten sich sogar schon bei ihr bedankt. Zudem begleitete sie die Online-Grüße des Gotteshauses musikalisch.

Neues Repertoire für den Kinder- und Gospelchor zusammenzusuchen und Arrangements für das im September geplante Konzert der Blechbläser unter dem Thema Filmmusik zu erarbeiten, gehören außerdem zu den Dingen, für die sie jetzt mehr Zeit hat. Die nutzt Brettschneider auch, um das gesammelte Notenmaterial ihres Vorgängers Karl Schmidt besser kennenzulernen. Der trug sehr gewissenhaft alles zusammen, was in fast 40 Jahren Kantorgeschichte zur Aufführung kam – untergebracht in zwei Zimmern voller Noten. „Ich will mir einen Überblick verschaffen, wann was wie oft aufgeführt wurde. Dadurch lassen sich zum Beispiel Wiederholungen vermeiden“, erklärt sie.

Wann wieder ein Konzert – egal in welcher Größe – stattfinden kann, steht in den Sternen. Brettschneider glaubt, dass der Sommer vor allem für Chorauftritte noch vorübergehen wird. Für Instrumentalkonzerte könne sie sich aber vorstellen, dass diese unter Sicherheitsauflagen ähnlich wie der Schulunterricht anlaufen könnten. Mit einem gewissen Abstand im Publikum und Gesichtsmasken sei das ihrer Meinung nach denkbar.

Um den dann „schwierigen Einstieg ins Konzertleben“ auch in Hersbruck zu schaffen, schwebt ihr ein Orgelkonzert vor, gemeinsam mit ihrem Vorgänger Karl Schmidt und Kirchenmusikdirektor Gerd Kötter. „Weil nur Solisten beteiligt sind, ist es einfacher vorzubereiten“, erklärt sie. Der Zeitpunkt dafür aber sei – wie so vieles derzeit – noch offen.

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N-Land Marina Gundel
Marina Gundel