Festival „Roll over Bellhofen“

Andere Sicht der Dinge

Trotz des schlechten Wetters ließen sich die Festival-Gäste die Laune nicht verderben2013/09/69869_RolloverBellhofenBehtanztus_New_1379433666.jpg

GROSSBELLHOFEN — Trotz des Regenwetters war die siebte Auflage des Festivals „Roll over Bellhofen“ ein voller Erfolg. Neben den heimischen Gästen, unter anderem von den Löwschen Einrichtungen, der Lebenshilfe und auch des Altdorfer Wichernhauses, besuchte auch eine Gruppe ebenfalls körperlich und geistig Behinderter aus Tschechien diese besondere, integrative Spätsommerparty auf dem Großbellhofener Sportplatz.

Neben live gespielter Rock- und Popmusik hatten die Organisatoren, allen voran Erwin Walter, viel Abwechslung in das Programm integriert. Ein Highlight war vor allem für die Akteure eine Tai-Chi Vorführung. Hierzu hatte Rüdiger Schramm mit den Bewohnern der Löwschen Einrichtungen aus dem Oberland ein kleines Programm einstudiert.

Die Eröffnung des Festivals übernahm der Männergesangverein Großbellhofen. Dem folgte ein musikalischer Kontrast, wie er krasser nicht sein konnte. Bird Berlin, mit bürgerlichen Namen Bernd Pflaum, der aus Hohenstadt stammt, überraschte die Gäste mit seinem eigenwilligen Auftritt. „Du bist schön“ hieß sein Anfangslied. Seinen Auftritt mit künstlerischen Elementen und Tanz sowie einer gehörigen Portion Verrücktheit kann man nicht einer bestimmten Richtung zuordnen.

Als die Tschechen mit ihren Rollstühlen und Betreuern eintrafen, spielte bereits die tschechische Band Ocho Ríos aus Pilsen. In ihrer „Mestizo-Musik“ verbinden sich Musikstile aus Lateinamerika unter anderem mit Ska, Rap oder Punkrock. Die Mischung erwies sich als sehr tanzbar, wie die Gäste bewiesen.

Aber es geht nicht nur ums Feiern, längst ist das Festival eine beliebte Gelegenheit für die Bewohner von Behinderteneinrichtunge, andere alte Bekannte zu treffen. Roger Eisenhut zum Beispiel war seit etwa 30 Jahren Bewohner des Hauses in Oberachtel, ist erst vor kurzem in den Neubau nach Simmelsdorf umgezogen und freute sich deshalb umso mehr seine alten Wegbegleiter hier wieder zu treffen.

Auf der Bühne spielten derweil Droogiez aus Nürnberg britischen End-70er-Punkrock. Ein seltsamer Hase war dann schon beim Soundcheck von „Henriette“ zu beobachten. Die beiden Damen aus Nürnberg zelebrieren mit dem Schlagzeuger im Hasenkostüm „Riot Noise Pop“ und sangen dabei über das Leben aus der Sicht junger Frauen, die keine Zeit zu verschenken haben.

Dazwischen unterhielt eine Pantomimegruppe mit selbst hergestellten Masken unter der Leitung von Philippe Dhaussy. Zu rhythmischer Musik und leichten Tanzbewegungen zeigten die Akteure stolz ihre selbst hergestellten Masken. Ein weiterer kreativer Beitrag waren die erneut vom Nürnberger Kulturpreisträger Harri Schemm entworfenen Festival-Shirts.

Der Höhepunkt war der Auftritt der „Shiny Gnomes“, die mit ihrem Psych-Rock-Garage-Pop bereits Kultstatus erlangt haben. Die Band brachte nochmals kräftig Stimmung in die Zuhörerreihe.

Veranstalter war der Verein „Vereint“. Dessen Vorsitzender Klaus Tyrach hatte das Publikum begrüßt. Peter Gail, den alle nur unter „Banana“ kennen, führte durch das Programm. Unter den Gästen waren Bürgermeister Georg Brandmüller, Pfarrer Hans Eisend und Achim Dobbert, der als Landkreisvertreter eine Spende überreichte.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster