Schau bis 6. November

Alexandra Marx stellt im Hersbrucker Stadthaus aus

„Moving in a Fractured Technocracy“ von Alexandra Marx ist in einer Mischtechnik von Acryl, Pigmentkreiden, Pigment und Tusche entstanden. | Foto: U. Scharrer2020/09/Moving-in-a...A-Marx-1.jpg

HERSBRUCK – „Für mich ist ein Bild ein Zeichen des Erlebens, des Erlebt-Habens … ich singe das Lied des erfahrenen Moments, ob mit meiner Stimme oder mittels Pinsel und Farbe auf der Leinwand.“ Die Burgthanner Malerin Alexandra Marx hat eine außergewöhnliche Herangehensweise, um ihre malerischen Arbeiten entstehen zu lassen.

Da die Eröffnung ihrer Ausstellung im Stadthaus am Schlossplatz Anfang August den Einschränkungen der Corona-Zeit zum Opfer gefallen ist, konnte sie keinem anwesenden Publikum davon berichten. Doch die Ergebnisse ihrer intuitiven Pinselarbeit erklärt sich dem Betrachter auch selbst.

Nervöse, fahrige Striche, temperamentvoll aufgetragene und teils wieder abgekratzte Farbflächen, pulsierende Farbtöne, von kontrastreichen Grenzen umfangen und aus diesen wieder ausbrechend: Alexandra Marx´ Gemälde strahlen Lebendigkeit und eine gewisse Dringlichkeit aus, auf jeden Fall aber eine Unmittelbarkeit des Farbauftrags. Wie farbige Notizen innerer Vorgänge, wie ein Seismograph der Seele zeichnet Marx auf, was sie in sich spürt.

Den Körper fühlen

„Painting the Stream of Consciousness – den Bewusstseinsstrom malen“ nennt sie das und deutet dabei einen ursprünglich für die Literatur geprägten Begriff für ihre kreative Arbeit um. Von der Vernunft unjuriert auf die Leinwand bringen, was gerade im Bewusstsein obenauf schwimmt, das erfordert eine besondere Form der Präsenz. Alexandra Marx schreibt selbst dazu: „Im Idealfall schaffe ich ein Bild dann, wenn ich das größtmögliche Körperbewusstsein habe … die Folge ist ein Bild, in dem sich klar ausdrückt, was in meinem Leben gerade fließt, was meinen Körper gerade bewegt, meine Seele und meinen Geist.“

So kommt es vielleicht, dass die ineinander laufenden Tropflinien auf manchen Bildern wie die Schemata eines Blutkreislaufs wirken, dass die große Geste manchen Pinselstrichs direkt aus dem Geist durch den Körper auf die Leinwand geflossen zu sein scheint. Dabei entwickeln die Gemälde von Alexandra Marx eine besondere Ästhetik.

Wer im Stadthaus von unten nach oben von Bild zu Bild schlendert, sieht sich gewissermaßen verschiedenen Gemütslagen ausgesetzt. Dabei lassen die ungegenständlichen Arbeiten dem Betrachter viel Raum für eigene Interpretationen. Nur selten blitzen figurative Elemente auf, die laut Marx gerade dann entstehen, wenn sie sich „die Freiheit gestattet, nichts Bestimmtes auf der Leinwand sehen zu wollen“.

Von Kunst bis Tanz

Alexandra Marx ist 1967 in Fürth geboren und genoss eine Ausbildung in Gesang, Visual Arts and Performance am Dartington College of Arts in England und eine Tanzausbildung bei Gisela Maria Tränkle im Raum für Tanz in Nürnberg. Sie ist Mitglied der Künstlerinnengemeinschaft „Gedok“ und des „Kunstkreis Jura“ und hat in Deutschland, Belgien und der Schweiz ausgestellt und Performances abgehalten. Sie ist Mitautorin eines Buches und sammelt Keramik, Glas und Design des 20. Jahrhunderts.

Die Werke der vielseitigen Künstlerin, die sich mit Malerei, Fotografie, fotografischen Interventionen und Video befasst und derzeit in Burgthann zu Hause ist, kann man noch bis zum 6. November von Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr und Freitag 8 bis 16 Uhr besichtigen. Am 26. Oktober um 18 Uhr ist die Finissage der Ausstellung geplant.


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