Austellung im K5

Alexandra Mahr zeigt intensive Porträts

Zufällige Begegnungen? Eher eine sehr aufmerksame Wahrnehmung der Mitmenschen liegt den Bildern von Alexandra Mahr (links) zugrunde. Das interessierte auch Landrat Armin Kroder (rechts). | Foto: U. Scharrer2019/04/Alexandra.jpg

HERSBRUCK – In der Galerie K 5 in der Kirchgasse gibt es Wellness für Augen und Geist.

Auch wenn es bei der Eröffnung von „Sieh hin“, der Ausstellung von Alexandra Mahr, wegen des immensen Andrangs von Kunstliebhabern kaum Raum zum Atmen, geschweige denn zum Betrachten der Gemälde gab, sind die Arbeiten voll Luft, Licht und Leere – was wiederum besondere Aufmerksamkeit auf die intensiver bearbeiteten Flächen im Bild lenkt.

Was für eine Wohltat! Bilder, die nicht bis zum letzten Quadratzentimeter vollgepinselt sind, sondern den Blick auf recht beiläufig wirkende Materialien freigeben. Graupappe, Zeichenkarton, Papier und naturbraune Leinwand. Die ausgesparte Gewebefläche ergibt im Auge des Betrachters einen Strand, über den sich ein virtuos, wenn auch unprätentiös gemalter Himmel aufbäumt.

Lässig auf Papier

Einsamkeit pur und kein „Mönch am Meer“ weit und breit. Die Menschen, die eigentlich als Strandläufer im Bild sein könnten, finden sich als lässig auf Packpapier gezeichnete und ausgeschnittene Silhouetten an der Wand der Galerie: Wie in einem vergnüglichen Anfall kindlicher Bastelwut alltagstauglich gemachte Anziehpuppen.

Die um die Landschaftsbilder drapierten Spaziergänger und Touristen hantieren zum Teil mit ihrem Smartphone. „Werden sie erst Wirklichkeit in der Landschaft, wenn sie den Selfie-Beweis erbracht haben?“, fragt sich Anna Schwarm in ihrer Laudatio. „Oder brauchen sie uns, den Betrachter, damit sich beide Ebenen zu einem Ganzen fügen können?“

Porträt contra Selfie

Stiftungsrätin Anna Schwarm erschließt die im Moment der Vernissage rein räumlich nur schwer zugänglichen Werke und analysiert die Menschenbilder Mahrs als Gegenentwürfe zu den filter-optimierten Selbstbildnissen, die Mann oder Frau in die Sozialen Netzwerke stellt. Alltagscharaktere aus ihrem Alltag gepflückt, erwischt in der Unmittelbarkeit des Augenblicks, nicht in Pose geworfen, sondern unserem Blick begegnend.

Die Skizzenhaftigkeit der Porträts, der unbehandelte Raum um die Figuren gewährt dem Betrachter eine großzügig berechnete Projektionsfläche für seine Gedanken, und den Augen die Chance, die fein gezeichneten und in verhaltenen Farben gemalten Gesichter als echtes Gegenüber wahrzunehmen. Dieser Mut zum Unfertigen – im Gegensatz zum durchgestylten (Selbst-)Bild – wird in den oben erwähnten Himmelsbildern am augenfälligsten.

Töne zur Malerei

Wie immer Besucher der Ausstellung den fast rhythmisch wirkenden Wechsel zwischen Intensität und Luftigkeit für sich wahrnehmen, die Begegnungen mit den lässigen und in ihren Schrullen pointiert charakterisierten Persönlichkeiten inner- und außerhalb der Bilder macht Freude und das Unperfekte wird bildwürdig. Mit der gleichen Nonchalance lässt zur Eröffnung Jockel Streb sein Piano Töne zur Malerei finden. Nach einiger Zeit tritt Doris Dischner zu ihm, um Gesang zum Klavier beizusteuern.

Die Künstlerin Alexandra Mahr ist in Nürnberg geboren, inzwischen aber gerne Hersbruckerin. Für Judith Scholz von der Anna M. Scholz-Stiftung schließen sich mit dieser Werkschau Kreise, denn Alexandra Mahr lebt und malt in dem Haus, in dem Judith Scholz‘ Mutter ebendies bis zu ihrem Tod 2009 getan hat – und stellt nun in der Galerie aus, die neben regionaler Kunst auch das Lebenswerk von Anna M. Scholz in Erinnerung hält und präsentiert. „Das hätte meiner Mutter gefallen“, so Judith Scholz.

Die haarscharf beobachteten und mit einer Prise Humor und menschenfreundlichem Blick auf Schrulligkeiten gemalten Bilder in der Kirchgasse 5 sind noch bis zum 16. Juni jeweils sonntags von 14 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen (außer an gesetzlichen Feiertagen). Eine Preisliste liegt aus.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer