Lady´s night im Baumarkt

„Hammerfrauen“ zeigen es den Männern

Männer und Frauen haben's nicht leicht. | Foto: Beck2018/10/Hammerfrauen-Roth-Foto-Andrea-Beck-III-2.jpg

RÖTHENBACH — Spachtel, Hobel und Akkuschrauber nimmt im Heimwerk der Mann in die Hand und die Frau wählt die Farbe. Das ist die typische Rollenverteilung, die das Musical „Hammerfrauen“, das in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle aufgeführt wurde, auf den Kopf stellte. In der satirischen Übertreibung von Klischees und Beziehungsproblemen hatten die Frauen den Hammer in der Hand.

Die Hochzeit von Julia und Marc steht vor der Tür und alle Zeiger stehen auf Romantik. Doch kurz vor dem großen Tag unterbreitet der leidenschaftliche Heimwerker Marc seiner Verlobten eine schockierende Nachricht: Er hat eine heruntergekommene Mühle in Brandenburg gekauft, will sie zusammen mit Julia komplett renovieren und hat den Hochzeitstisch in einem Baumarkt aufgestellt. Julia ist entsetzt.

Zu allem Übel hat Marc sie auch noch zu einem Heimwerkerkurs für Damen angemeldet, doch dieser gestaltet sich überraschend spaßig. Julia und ihre drei Heimwerker-Kolleginnen werden von ihren Lehrern Enno und Patrick mit Sekt und Häppchen bedient und machen die Nacht im Baumarkt zur „Lady‘s Night“.
Mit jeder leeren Sektflasche steigt die Stimmung und die vier Frauen beschließen zusammen, ihre Probleme hinter sich zu lassen und neue Wege einzuschlagen. Auch Julia muss entscheiden, ob die Hochzeit mit Marc die richtige Wahl ist.

Vor einer bunten Kulisse aus Baumarkt-Regalen und Werkzeugen präsentierten die Darsteller ein kreatives Musical über die komplizierte Beziehung zwischen Mann und Frau und trieben die geschlechterspezifischen Klischees in Sachen Heimwerkerei auf die Spitze.

Üppig beladen mit Metaphern aus dem Handwerk trafen die Dialoge und Lieder dabei oft den Nagel auf den Kopf und sorgten mit Witz und Charme für den Applaus des Publikums. Die nächtliche Besetzung des Baumarkts der Ladies, die ihre beiden Heimwerker-Lehrer in Gefangenschaft nehmen, verdrehte die Rollenverteilung von Mann und Frau in Bezug auf das Heimwerken.

Besonders die einzelnen Charaktere und Sorgen der vier angehenden Heimwerkerinnen, die sich in der „Lady‘s Night“ gegenseitig aufmuntern und ihre Probleme hinter sich lassen wollen, wurden in den Solos der Frauen auf unterhaltsame Weise dargestellt. Caroline Beil als die deprimierte Cornelia, die ihre eigenen Wünsche immer hinter die ihrer Nächsten gestellt hat und Isabel Varell als trauernde Witwe Yvonne, die zehn Jahre jede Annäherung mit Männern verhindert hat, standen für die Sorgen der älteren Generation Frau.

Wichtige Entscheidungen

Die selbstbewusste und quirlige Kim, dargestellt von Eva Löser, die weder das Heimwerk noch die Männer besonders ernst nimmt und Anastasia Troska als Julia, die vor einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens kalte Füße bekommen hat, präsentieren typische Charaktere der heutigen Jugend.
Nach Hauptdarstellerin Isabel Varell steht die neu entstandene Freundschaft dieser unterschiedlichen Frauen im Mittelpunkt des Stückes. Sie würden in ihrem Heimwerkerkurs nicht zu Konkurrentinnen, sondern akzeptieren ihre unterschiedlichen Charaktere. Ihre Rolle der Yvonne verkörpert, laut Varell, den Mut zur Veränderung.

„Nach jahrelanger Trauer um ihren verstorbenen Mann entscheidet sich Yvonne im Kreis ihrer neuen Freundinnen, das maskuline Caro-Hemd abzulegen und sich wieder auf die Liebe einzulassen. Sie zeigt, dass auch traurige Erinnerungen mit der Zeit zurück gehen und Platz für neue Gefühle entsteht“, sagte Varell.

Mit hohem Tempo führte das Musical die Zuschauer durch den Baumarkt, entlang von Vorurteilen und persönlichen Entwicklungen und überzeugte das Publikum auch mit abwechslungsreichem Gesang und Tanz. Besonders Eva Löser als Kim und Christian Miebach als Marc stachen mit ihren Solos hervor.
Zuschauer Norbert Stübinger aus Lauf zeigte sich von den „Hammerfrauen“ sehr beeindruckt: „So viel Witz, Esprit und Variationen. Ich bin einfach nur begeistert.“ Der Berufsschullehrer für Einzelhandel möchte sich dafür einsetzen, dass das Stück an der Nürnberger Berufsschule 6 aufgeführt wird. „Dieses Musical spricht mit Sicherheit auch junge Leute an, die sonst wenig Bezug zu kulturellen Veranstaltungen haben“.

Die Röthenbacherin Dagmar Lieb besucht regelmäßig das Theater und freute sich über die Aufführung des Musicals, das mal etwas anderes war. „Das Stück trifft im Hinblick auf die Beziehung zwischen Mann und Frau die komplizierte Realität und das auf sehr unterhaltsame und peppige Weise.“, fand sie.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck