Im Dehnberger Hof Theater

2019: Django Asül zieht Bilanz

Selfies und Blick zurück: Django Asül im DHT. Foto: Isabel Krieger2019/12/DSC4053.jpg

Django Asül zieht Bilanz: Der satirische Jahresrückblick des Niederbayern hat seit Jahren nicht nur auf bayerischen Bühnen eine große Fangemeinde. In dieser Woche war der Hengersberger mit dem „Rückspiegel 2019“ zwei Mal im ausverkauften Dehnberger Hof Theater zu Gast. Nach dem Testabend am Dienstag ging es am Mittwoch zur Sache: Aufzeichnung für den Bayerischen Rundfunk, der den Rückblick am 30. Dezember ausstrahlen wird.


Liveaufzeichnungen haben für das Publikum durchaus ihren Reiz, die übliche Spannung vor dem Auftritt ist ein bisschen größer, gerade hinsetzen, lächeln, noch schnell den Lippenstift nachziehen, schließlich schaut das Fernsehen zu und damit bald auch der Nachbar.

Perfekter Glanz

Django Asül, längst Vollprofi in diesen Dingen, braucht keine Minute, um beim Warming Up die Zuschauer in den vollbesetzten Rängen des DHT einzufangen, plaudert mit seinen Fans, während ein Mitarbeiter des Studio Franken noch am perfekten Glanz der Weissbierkrone auf dem Stehtischchen arbeitet.
Wer den 47-jährigen Niederbayern schon in anderen Programmen erlebt hat, spürt dennoch die Anspannung: Einen Tick ernster als sonst, die DinA4 Seiten des Manuskriptes – auf die er im Laufe des Abends ein paar kurze Blicke werfen wird – fest gerollt in der Hand, federt Asül über die Bühne, ein paar Besucher sollen, damit keine Lücken bleiben, nach vorne kommen, wo Plätze zwar gebucht, aber nicht besetzt sind. „Schön dass sie da sind“.
Der Jahresrückblick, eine perfekte Inszenierung und für den Bayerischen Rundfunk, der mit großem Stab angereist ist, jedes Jahr ein Garant für Einschaltquoten. 2020 will er wiederkommen nach Dehnberg.

Dann geht es endlich los. Im Stakkato sprudelt es aus dem 47-Jährigen heraus, 90 Minuten haben er und das Publikum vor sich. Innen- und Außenpolitik, Trump, Ukrainekonflikt, Pkw-Maut, E-Roller, Grundrente, Ursula von der Leyen und Greta Thumberg, sauber recherchiert arbeitet der Niederbayer die Themen und Akteure 2019 ab, ohne sich auf die ein oder andere Seite zu schlagen.

Vielleicht liegt es auch am Jahr, das irgendwie fad war, keine echten Aufreger, wenig Ausfälligkeiten und Gott sei Dank, auch keine Katastrophen. Django Asül kramt daraus Unmögliches und Mögliches hervor und verbindet es wie immer klug miteinander. Ein 8-jähriger Schwarzfahrer, das bayerische Matheabitur, Minuszinsen, der FC Bayern und die Kriminalitätsstatistik werden da durchaus zur Kausalitätenkette, so wie das Ende der SPD auch. Alles ist im Fluss. Ein paar Steine mehr darin würden dem Abend nicht schaden

Fast schon verlässlich ist hingegen der schlechte Zustand der Bundeswehr und die Netzwerke wirtschaftlicher Interessen etwa im Sport, die zu seltsamen Austragungsorten für olympische Spiele und kollabierenden Sportlern führen. Am Ende bleibt für ein bisschen Sexappeal in 2019 noch am ehesten eine „bsoffene Gschicht“ in Erinnerung: Die annektiert Asül aus dem Nachbarland. Felix Austria.

In der Pause sucht der Kabarettist den Kontakt zum Publikum, kommt schnell ins Gespräch. Asül zum Anfassen. Auch nach dem Auftritt ist er wie der Blitz im Foyer und geht auf Tuchfühlung. Dabei sind die nächsten Wochen eine Ochsentour. 30 Termine hat er mit dem Rückspiegel 2019 bis Ende Januar, bis am 6.Februar sein neues Programm „Offenes Visier“ in der Comödie Fürth Premiere feiert.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger