Rekordjahr auf dem Arbeitsmarkt

LAUF — Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen in Lauf und Umgebung von November auf Dezember saisonbedingt leicht gestiegen ist: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist so positiv wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Die Quote liegt mittlerweile bei niedrigen 2,6 Prozent, in vielen Branchen werden Mitarbeiter dringend gesucht.
Von einem „Jahr der Rekordwerte“ spricht die bayerische Regionaldirektion der Agentur für Arbeit, wenn sie auf 2011 zurückblickt. Diese Einschätzung teilt auch Günter Hämmerlein, der Leiter der Laufer Geschäftsstelle, die sich um die Arbeitslosen im Raum Lauf und Hersbruck kümmert. Deren Zahl sei mittlerweile so niedrig wie zuletzt nach der deutschen Wiedervereinigung. 1599 Frauen und Männer haben laut Statistik keinen Job.
Im Durchschnitt lag die Quote im PZ-Gebiet 2011 bei 2,9 Prozent. Ab drei Prozent sprechen Experten von Vollbeschäftigung – Hämmerlein hat also allen Grund zum Jubeln. „Wir sind gut durch die letzte Krise gekommen“, sagt er. Bisher haben sich die neuerlichen Schwierigkeiten auf den Finanzmärkten auch noch nicht auf die Konjunktur im Landkreis ausgewirkt. Im Gegenteil: Viele Firmen suchen gezielt nach qualifizierten Arbeitnehmern. Vor allem bei Facharbeitern und Ingenieuren, so Hämmerlein, gebe es einen Engpass.
Zwar ist die Quote von November auf Dezember wieder leicht von 2,5 auf 2,6 Prozent gestiegen, doch für den Geschäftsstellen-Leiter ist das kein Grund zur Beunruhigung. Dieser Umstand habe mit den vielen vor Ort ansässigen Bauunternehmen zu tun. Sie würden im Winter zumeist Personal abbauen. Für Januar und Februar erwartet Hämmerlein deshalb einen weiteren Zuwachs bei den Arbeitslosen, ehe sich der Trend wieder umkehren dürfte.
Im Dezember 2010 lag die Quote noch bei 3,2 Prozent. Damals waren 1942 Menschen und damit 343 mehr als im Augenblick ohne Beschäftigung. „Wäre der diesjährige Dezember nicht so mild gewesen, der Anstieg wäre noch deutlicher ausgefallen“, sagt der Experte.
Jugendarbeitslosigkeit ist inzwischen ein fast zu vernachlässigendes Phänomen im Laufer Geschäftsstellenbereich. Nur 22 unter 20-Jährige sind noch arbeitslos gemeldet. Hämmerlein „Wir haben uns ganz intensiv um diesen Personenkreis gekümmert.“ Mit Beginn des Ausbildungsjahres im September gab es wieder mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Viele Unternehmen bilden verstärkt aus, um einem Fachkräftemangel vorzubeugen.
Auch die Langzeitarbeitslosen profitieren von den günstigen Bedingungen, obwohl noch immer jeder Vierte zu dieser Gruppe gehört. Hier liegt der Rückgang aktuell bei 20 Prozent.
772 Arbeitslose beziehen Hartz IV, das sind 122 weniger als 2010. „Da tut sich etwas“, meint Hämmerlein. Auch wenn er zugeben muss, dass manche „Kunden“ – so werden Menschen ohne Stelle im Jargon der Agentur für Arbeit genannt – „durch ihre Lebensläufe sehr stark vom Arbeitsmarkt entfernt sind“. Fakt ist: Ehemalige Hartz-IV-Empfänger, die wieder in Lohn und Brot stehen, werden schneller als andere Arbeitnehmer entlassen, wenn sich die Konjunktur ändert.
Was bringt 2012? Hämmerlein will nicht orakeln. Derzeit gebe es jedoch viele positive Zeichen, „die Unternehmen sind noch relativ guter Dinge“. Hinzu komme: Der deutsche Arbeitsmarkt reagiere immer erst mit Verzögerung auf die Entwicklung der Konjunktur. Sollte sich die Euro-Krise also zur Wirtschaftskrise auswachsen, „dann haben wir erst 2013 ein Problem“.
Vergleichszahlen: Arbeitslosenquote im Bund bei 6,6 Prozent, in Bayern bei 3,4. Nürnberg: 6,5 Prozent, Erlangen: 2,7 Prozent, Fürth: 4,4 Prozent, Schwabach: 3,5 Prozent.


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