Faustdicke Überraschung
WINKELHAID – Einen völlig unerwarteten Punktgewinn nahmen die Winkelhaider Bayernliga-Handballer vom Regionalderby bei der zweiten Mannschaft des HC Erlangen mit nach Hause. Dabei hätte aus dem 27:27 (11:15) auch gut und gerne ein rundum voller Erfolg werdenkönnen, ebenso auch aber mit einer bitteren Niederlage in den letzten fünf Sekunden dieser ansehnlichen und am Ende unter die Haut gehenden Partie. Doch die Freude überwiegt, hat der TSV damit doch ein Lebenszeichen in dem sich immer schärfer entwickelnden Abstiegskampf gesetzt.
Wie man gegen die Reserve des Bundesligisten bestehen könne, wurde allen Spielern im Vorfeld dieser Begegnung verdeutlicht: Mit Abstand unter den 15 Gegenstoßtore zu bleiben, die man sich im Hinspiel eingehandelt hat, und mit aller Macht einen Shoot–Out zu verhindern, wie er beim 37:19 vor knapp einem Jahr über den TSV hereingebrochen ist, weil man auch dem schnellen Passspiel der Hausherren in der Abwehr nichts entgegen zu setzen hatte.
Dieses Mal war schon bei den ersten beiden Angriffen der Erlanger zu sehen, dass sich die Gäste an die Vorgaben halten wollten. Laufbereit und beweglich mit einem – wie gegen Sulzbach – höchst motivierten Torhüter Daniel Heimpel im Rücken, wurden die zwei Bälle erobert und über den erweiterten Gegenstoß die 2:0-Führung erzielt. Selbst nach der einzigen Führung der Gastgeber (4:3) wurde der Kopf nicht verloren, weil man vorne weiterhin geduldig aufbaute, nicht überhastet abschloss und bei Fehlversuchen nach hinten sprintete und dann weiterhin konzentriert arbeitete.
Nach zwanzig Minuten hatte sich der TSV eine Drei-Tore-Führung erarbeitet, die er dank einer doppelten Überzahl sogar noch auf 13:8 ausbaute. Selbst die kurz darauf folgende eigene Unterzahl überstanden die Gäste mit einem 1:1. Nach dem 15:10 durch Chris Räbel netzten die Erlanger bis zur Pause nur noch einmal ein, obwohl sich der TSV da zwei Fehlversuche leistete. Die daraus resultierenden drei Gegenangriffe wurden jedoch entweder abgefangen oder von Daniel Heimpel pariert.
Voller Zuversicht, aber in dem Bewusstsein, dass man dem Kraftaufwand der ersten Hälfte seinen Tribut würde zollen müssen, kehrte der TSV aus den Kabinen zurück und hielt fünf Minuten dem immer stärker werdenden Druck der Erlanger stand (14:18). Der Kampfgeist blieb auch erhalten, obwohl Tamas Virag, Ingo Kundmüller und Jonas Hirning am Erlanger Keeper Max Deussen scheiterten und der HCE durch Markus Blatt mit einer Einzelaktion, Tobias Wannenmacher vom Rückraum und Matthias Grünert vom Kreis auf 17:18 verkürzten (40.). Tamas Virag und Ingo Kundmüller erhielten eine Atempause und wurden von Dan Boescu und Tibor Gilan ersetzt, die sich gleich gut in Szene setzten und die Führung des TSV auf 21:18 ausbauten. Dazwischen hielt Daniel Heimpel seinen ersten Siebenmeter.
Nachdem die Erlanger mittels Schneller Mitte und einem sehenswerten Trickwurf ihres Rechtsaußen Fabian Meier-Hasselmann auf 20:21 verkürzt hatten, brauchte Ingo Kundmüller drei Versuche, um einen Siebenmeter zu versenken. Es folgte der nächste Auftritt von Winkelhaids Torhüter, der zwei freie Bälle hintereinander entschärfte. Im Gegenzug erzielte Dan Boescu mit einem Schlagwurf das 23:20. Während einer Zeitstrafe für Sebastian Mangold (49.) gelangen den Erlangern gleich drei Tore, weil auch das Nervenkostüm des TSV zu leiden schien. Ohne Not versuchte Ingo Kundmüller, seine Mannschaft im Spiel zu halten, scheiterte zwei Mal, und die schöne Führung war dahin.
Der TSV legte nun in Gleichzahl bis zum 26:25. Mit dem 26. Erlanger Treffer (55.) handelte sich der TSV eine Hinausstellung für Peter Zahn ein, kurz darauf auch noch zwei Minuten für Ingo Kundmüller wegen absichtlichen Fußspiels (56.). Doch in der 4:6-Unterzahl hielt Daniel Heimpel einen freien Wurf vom Kreis. Nachdem da ein Foul im Spiel war, zeichnete er sich gleich noch beim fälligen Siebenmeter aus.
Nach einigen Strafzeiten hüben wie drüben hatte der HC zwei Minuten vor Ende eine 5:4-Überzahl. Doch der TSV eroberte den Ball, und Karl Rettenbacher erzielt aus dem Rückraum das 27:26. Vierzig Sekunden später nutzte Erlangen seinen Vorteil zum 27:27. In der letzten Minute hatte Winkelhaid einen Mann mehr aus dem Feld. Dan Boescu war auf Linksaußen frei, scheiterte jedoch, so dass der letzte Angriff den Hausherren gehört. Diese spielten die Zeit bis 59:54 herunter. Der TSV kämpfte verbissen, Jonas Hirning musste vom Feld. Die Erlanger nehmen nach ihrer Auszeit den Torhüter aus dem Spiel, um ihre 6:5-Überzahl auszunutzen. Doch die Winkelhaider verhindern das Zuspiel aus dem Freiwurf und wussten danach nicht so recht, ob sie sich jetzt richtig freuen sollen.
Erst in der Kabine wurde allen bewusst, dass sie einen echten Überraschungserfolg gelandet haben. Nun können sie moralisch gestärkt in das Vier-Punkte-Spiel gegen Roding am nächsten Samstag gehen. DD
Für den TSV trafen: Hirning 4, Rettenbacher 7, Gilan 1, Virag 3, Kundmüller 7/2, Boescu 3, Zahn 1, Räbel 1.


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