Fußball ist ihre Leidenschaft

ALTENSITTENBACH (ms) - Bei Annika Litz dreht sich alles um Fußball. Wenn um sechs Uhr morgens der Wecker der Altensittenbacherin klingelt, liegen ein langer Schulweg, acht Stunden Unterricht und mehrere intensive Trainingseinheiten vor ihr. Die 16-Jährige besucht die Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg, Eliteschule des Fußballs und Partnerschule des Leistungssports. In ihrer Freizeit spielt sie im offensiven Mittelfeld der U17-Juniorinnen der Spielvereinigung Greuther Fürth.
Zum Kicken kam Annika durch ihre beiden älteren, fußballbegeisterten Brüder. Schon als kleines Kind sah sie regelmäßig bei deren Turnieren zu. „Ich bin sozusagen schon am Fußballplatz geboren“, sagt sie. Mit fünf Jahren begann sie in der G-Jugend des SV Altensittenbach zu spielen, als einziges Mädchen in der Mannschaft. Nach der E-Jugend wechselte sie zu den U13-Mädchen nach Reichenschwand und zwei Jahre später zum SK Lauf, dem sie drei Jahre treu blieb. Dort führte sie die Bezirksoberligamannschaft als Kapitän aufs Feld.
Im September vergangenen Jahres tauschte sie das Laufer Trikot gegen das der U17-Juniorinnen der SpVgg Greuther Fürth. „Die meisten meiner Mitschüler spielen beim FC Nürnberg, für mich als Greuther-Fan kam das natürlich nicht in Frage“, erzählt die 16-Jährige. Eine Freundin, die bei den Fürther Mädels spielte, nahm Annika eines Tages mit zum Training. „Der Coach hat mir gleich ein Trikot und Fußballschuhe in die Hand gedrückt und ich hatte völlig unvorbereitet mein erstes Probetraining.“ Fürths Juniorinnen-Trainer Peter Münz war auf Anhieb von Annikas Talent überzeugt: „Wir hätten sie am liebsten sofort für zwei Jahre verpflichtet, leider war sie zu diesem Zeitpunkt noch zu jung.“
Ab der kommenden Saison spielt Annika voraussichtlich in der Damenmannschaft. Mit dem Greuther-Team ist sie sehr erfolgreich: Aktuell führen die U17-Mädels die Bezirksliga West an. Drei Mal pro Woche übt das Mädchen bei der SpVgg, hinzu kommen die Trainingseinheiten in der Schule. An drei Wochentagen übt sie dort morgens vor dem Unterricht 90 Minuten lang Pässe, feilt an ihrer Technik oder widmet sich dem Muskelaufbau.
In der achten Klasse wechselte die Realschülerin aufgrund ihrer Fußballbegeisterung von Hersbruck auf die Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg. Momentan muss sich das Fußballtalent aber schonen: Drei Monate Sportverbot sind die Folge mehrerer Bänderrisse. „Leider habe ich jetzt in der Schule keine Freistunden, während die anderen trainieren, sondern muss stattdessen zum Lernen in die Bibliothek.“ Ihrem bevorstehenden Abschluss tue das aber ganz gut, findet die pflichtbewusste Schülerin. Sie freut sich schon wieder auf ihr erstes Training im März: „Da kann ich mich richtig austoben und meine schlechte Laune auch einfach mal weglaufen. Außerdem freue ich mich, endlich wieder mit meiner Mannschaft auf dem Platz zu stehen.“ Streit gibt es nur selten zwischen den Mädels. „Was auf dem Platz ist, bleibt auch auf dem Platz“, so die Regel.
Annikas Fußballleidenschaft bringt aber manchmal auch Schattenseiten mit sich: Erst gegen Abend kommt sie von der Schule nach Hause, um kurz die Sportklamotten zu wechseln und gleich zum nächsten Training nach Fürth zu fahren. Essen und Lernen findet meist auf der Fahrt im Auto statt, häufig endet ein trainingsintensiver Tag erst um 22 Uhr. „Meistens packe ich dann nur noch meine Tasche aus und falle todmüde ins Bett.“ Ihre Freunde außerhalb der Schule bleiben da oft auf der Strecke. Die 16-Jährige weiß aber ganz genau, was sie will und ist stolz auf ihre Schule und den Verein. Der Leistungsdruck ist da schnell vergessen.
Das fußballbegeisterte Mädchen träumt zwar von einer Karriere als erfolgreiche Spielerin, ist sich jedoch sehr wohl bewusst, dass die Aussichten, als Frau von diesem Sport leben zu können, eher schlecht sind. „Ich finde es unfair, dass Frauen im Fußball viel geringer bezahlt werden als Männer“, sagt sie, „obwohl ich zugeben muss, dass Männer eindeutig den schnelleren und schöneren Fußball spielen.“
Nach ihrem Realschulabschluss will die 16-Jährige erst mal eine Ausbildung machen. „Ich hoffe, dass ich nach der Schule mit dem Fußball weitermachen und mich stetig verbessern kann.“ Peter Münz ist zuversichtlich, was Annikas Zukunft angeht. „Wir versuchen ihr die bestmögliche Ausbildung in Sachen Fußball zu geben, was sie dann daraus macht, liegt in ihrer Verantwortung“, meint der Mädelstrainer. Die Chancen stehen nicht schlecht: Schließlich begann auch Annikas großes Vorbild Julia Simic, Mittelfeldspielerin bei Bayern München, ihre Karriere in Fürth.


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