Sportwagen-Rarität am Berg

HAPPURG (kb/ap) - Bis zu 10.000 Zuschauer säumten die Hänge am Deckersberg, während Sepp Greger, Rolf Stommelen oder Hans-Joachim Stuck in ihren Rennwägen vorbei rasten. Geschwindigkeit spielt heute beim „ADAC Bergrennen Happurg“ nicht mehr die wichtigste Rolle. Vielmehr ist es die einzigartige Kombination aus historischen Fahrzeugen und echtem Rennfeeling, die das Revival so attraktiv macht. Am kommenden Sonntag, 5. September, feiert der wiederbelebte „Berg“ nun schon sein Zehnjähriges.
Im vergangenen Jahrzehnt hat das Bergrennen seine führende Stellung in Deutschland wieder erlangt, wenn auch nicht in früherem Sinne: Der Lauf zur Internationalen Deutschen Bergmeisterschaft in Happurg war von 1963 bis 1990 eines der bekanntesten Bergrennen in Bayern. Nun hat sich das Revival zum absoluten Highlight für klassische Automobile und Motorräder gemausert. Knapp 190 Nennungen, auch aus Österreich und der Schweiz, lagen dem Veranstalter AC Hersbruck vor.
So konnten die „Macher“ des Gleichmäßigkeitsrennens für das Jubiläum aus dem Vollen schöpfen. „Unser Fahrerfeld ist eine echte Augenweide“, schwärmt Vorsitzender Thomas Raum, „etliche Formel 2-Wagen und Original-Autos vom früheren Berg sorgen für enorme Qualität.“ Einziger Wermutstropfen: Der geplante Startprolog, bei dem sich die Raritäten in Hersbruck hätten präsentieren wollen, muss aufgrund des Trödelmarktes ausfallen. Die rund 140 automobilen Schönheiten dürfen also „nur“ die 3,4 Kilometer lange Strecke zwischen dem Happurger Stausee und dem Deckersberg unter die Räder nehmen.
So zum Beispiel das letztgestartete Auto im Jahre 1990: Der BMW 2002 Ti ist wie damals mit Jürgen Kressel am Start und trägt mit Stolz seine damalige Startnummer 140.
Mit einer absoluten Rarität geht der Happurger Europa-Bergmeister Jörg Weidinger an den Start: Er kommt mit dem einzig weltweit noch existierenden BMW 700 RS, einem kleinen, offenen Sportwagen. Gerade einmal zwei Exemplare wurden Anfang der 60er-Jahre speziell für den Einsatz bei Bergrennen entwickelt und unter anderem erfolgreich durch Hans Stuck Senior und Alexander von Falkenhausen (Teilnehmer beim 1. Happurger Bergrennen 1963) pilotiert. Heute gehört der Flitzer zur BMW-Sammlung historischer Rennfahrzeuge.
Trotz so viel Hauch der Vergangenheit bleibt der sympathische Motorsportler gelassen, auch wenn das Rennen vor der Haustür für ihn etwas Besonderes ist: „Am früheren Berg konnte ich leider nicht mehr teilnehmen. Daher ist es jetzt wirklich einmalig, mit einem Auto weit vor meiner Zeit, das extra für solche Rennen gebaut wurde, zu fahren!“
Für ein Highlight aus heutiger Zeit sorgt ein altbekanntes Gesicht: Erich Rostek kam immer mit seinem weißen Formel 2-Wagen. Diesmal packt er eine 550 PS-Rakete auf seinen Hänger und wird die Zuschau er ohren mit einem Formel 3-Boliden zudröhnen. Dazu gesellen sich der Original-Rennseat von Elia Erhart, der in der gleichnamigen Serie für den AC Hersbruck startet und die Kombination aus seinem 300 PS-Boliden und der Bergstrecke als „spezielle Herausforderung“ sieht, Rennspyder, Abarth, Lotus und Porsche. Zum abwechslungsreichen Feld gehören aber auch „Brot und Butter“- Sportwagen der 70er Jahre und - nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr - Motorräder und Beiwagengespanne.
Es wird also viel zu sehen und zu hören geben und das auch außerhalb der Asphaltpiste. Zu bestaunen gibt es Oldtimer vom Ofenwerk Nürnberg sowie eine Square Dance- und HipHop-Vorstellung der fränkischen Meister, die nicht nur Funk und Fernsehen begeistern wird. Auf die kleinen Besucher wartet eine luftige Überraschung: Die ersten 250 Kinder bekommen einen Aluminium-Luftballon in Form des Rennseats von Elia Erhart. Außerdem gibt es noch kleine Schmuckstücke bei der Verlosung am Stand der Tierhilfe Franken e. V. zu gewinnen: Der zweifache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl kam kürzlich mit einem nagelneuen Porsche 911 Turbo S bei Jochen Baur vorbeigesaust, um ihm 30 handsignierte Modellautos zu überreichen.
Bei der Oldtimerveranstaltung selbst ist Röhrl nur mit seiner Unterschrift dabei. „Ich bin bis Ende November restlos ausgebucht“, sagt der 63-Jährige, den eine Jury aus 100 Motorsport-Experten aus der ganzen Welt zum „besten Rallye-Fahrer aller Zeiten“ wählte. Unbekannt ist ihm der Happurger Berg aber dennoch nicht. Als Jugendlicher habe er bei den Rennen zugeschaut, selbst am Steuer saß er hier aber nie.
Heute tourt der offizielle Repräsentant und Cheftestfahrer von Porsche im Auftrag des Sportwagenherstellers durch die Lande. Nach dem Termin bei Jochen Baur fuhr er weiter nach Nürnberg. Dort drehte er auf einer Radrennbahn ein paar Schaurunden mit dem 530 PS starken Porsche 911 Turbo S.


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