Milli Görüs II holt sich bei der dritten Auflage des Turniers den Pokal

Hersbrucker Begegnungscup für Kicker aller Konfessionen

Mit sehenswerter Technik und abgeklärter Spielweise sicherte sich Milli Görüs II den Sieg beim 3. Hersbrucker Begegnungscup, auch wenn in dieser Szene die Kicker der Stadt- und Johanneskirche (blau) die Oberhand behielten. Foto: K. Porta
Mit sehenswerter Technik und abgeklärter Spielweise sicherte sich Milli Görüs II den Sieg beim 3. Hersbrucker Begegnungscup, auch wenn in dieser Szene die Kicker der Stadt- und Johanneskirche (blau) die Oberhand behielten. Foto: K. Porta2016/02/6991171.jpg

HERSBRUCK – Von wegen „alt“ und „abgezockt“: Bei der dritten Auflage des Hersbrucker Begegnungscups haben sich mit der zweiten Mannschaft der Islamischen Gemeinde Milli Görüs erstmals junge Hallenkicker den großen Wanderpokal gesichert. Die feierten anschließend ausgelassen ihren Triumph, gewonnen hatte an diesem Tag in der Dreifach-Turnhalle aber vor allem das gute Miteinander über Kultur- und Glaubensgrenzen hinweg.

„Mit euch hat nicht nur das jüngste Team im Wettbewerb gewonnen, sondern auch ein sehr gutes“, sagte Ingbert Hautsch vom Organisationsteam bei der Siegerehrung des spannenden und in weiten Teilen hochklassigen Hallenturniers, das die Vorurteile zwischen deutschen und türkischen Bewohnern abbauen und zur Integration der in Hersbruck untergekommenen Asylbewerber beitragen will.

Vor dem Hintergrund des weiter tobenden Syrienkriegs, Millionen Flüchtlingen weltweit und wachsender Fremdenfeindlichkeit in vielen Ländern Europas habe der multikulturelle Kick in diesem Jahr „an Bedeutung gewonnen“, sagte Bürgermeister Robert Ilg, der als Schirmherr wie schon im vergangenen Jahr auch selbst die Fußballschuhe schnürte.

Für jedes seiner Tore versprach der Rathauschef fünf Euro, Landrat Armin Kroder („Hersbruck zeigt sich mit diesem Turnier weltoffen.“) lobte kurzerhand weitere 20 Euro für jeden aus dem Spiel heraus erzielten Treffer von Ilg aus. Obwohl bei beiden der Geldbeutel am Ende des Tages zubleiben durfte, kamen dank Startgeldern, Essensverkauf und den Spenden von weit über 30 Sponsoren über 3000 Euro für den Verein „Oase – Hilfe für Menschen in Not“ zusammen.

„Wenn wir uns gegenseitig ins Gesicht schauen, wächst auch der Respekt voreinander und wir können gut miteinander leben“, gab der katholische Dekan Wolfgang Angerer das Motto des Tages vor. Und das beherzigten die zwölf Teams dann auch – die Schiedsrichter Ingbert Hautsch, Klaus Ebner, Mustafa und Kemal Sapkaya mussten nicht eine Zeitstrafe verhängen – trotz des großen Einsatzes aller Aktiven und vieler enger Spiele.

Nur eine Niederlage

Das galt vor allem für die etwas stärkere Gruppe B, in der sich Milli Görüs II mit abgeklärtem, technisch feinem Spiel und vier Siegen sicher auf Platz eins setzte. Nur beim 1:2 gegen das mit anerkannten Asylbewerbern vor allem aus Syrien besetzte Team „Frieden“ hatten die jungen Türken das Nachsehen.

Dahinter aber entbrannte ein heißer Kampf um das zweite Halbfinalticket – das schließlich das Team „Frieden“ bei drei punktgleichen Mannschaften über die Tordifferenz löste. Ebenfalls drei Siege verzeichnete der Freie Rathausblock, der sich nach Platz zehn im Vorjahr für heuer einiges vorgenommen und sich mit Stephan Schmeller und Ralf Maas vom Kreisliga-Spitzenreiter 1. FC Hersbruck verstärkt hatte. Letztlich kostete die Polit-Kicker um Rathauschef Ilg aber eine knappe 0:1-Niederlage gegen die Titelverteidiger vom Türkisch-Deutschen Elternverein die mögliche Halbfinalteilnahme.

Für die Vorjahressieger jedoch nur ein schwacher Trost, erlaubten sie sich doch gegen Milli Görüs II (0:3) und das Team „Frieden“ (0:4) zwei deutliche Niederlagen und mussten sich mit dem etwas enttäuschenden Platz vier begnügen. Für die spielstarken, aber etwas glücklosen Äthiopier und Somalier vom Team „Oase“ blieb nur Rang fünf.

In der Gruppe A setzten sich mit der katholischen Pfarrgemeinde (Sieger der Premiere 2014) und dem gemeinsamen Team der evangelischen Stadt- und Johanneskirche (Finalist 2015) souverän zwei „Schwergewichte“ durch. Platz drei gehörte hier den Asylbewerbern aus der Gartenstraße, die nach missglücktem Start noch zwei 2:0-Siege gegen die Islamische Ditib-Gemeinde und die Freiwillige Feuerwehr feierten.

Leckeres „Multikulti“

Zwischen den Spielen lockte das von Sabrina Haas organisierte „multikulturelle“ Büfett, das von allen Teilnehmerteams bestückt wurde, die Aktiven und die Zuschauer ins Foyer der Dreifach-Turnhalle, um sich zu stärken und das ein oder andere Gespräch miteinander zu führen.

Im Halbfinale verbaute sich die Mannschaft von Stadt- und Johanneskirche wie schon in den beiden vergangenen Jahren im Neunmeterschießen ein besseres Abschneiden – und musste nach einem 1:1 nach den regulären acht Minuten Milli Görus II mit 1:3 den Vortritt lassen. Immerhin blieb Pfarrer Jürgen Kleinlein und Co. der Fairnesspokal. Das zweite Semifinale gegen die katholische Kirchengemeinde entschied Delil Selo mit zwei blitzsauber herausgespielten Treffern zugunsten des Teams „Frieden“.

Die Plätze drei bis zwölf wurden dann in Neunmeter-Duellen ausgekickt: Die besseren Nerven vom Punkt bewiesen dabei der Altensittenbacher Kirwaverein (4:3 gegen die Feuerwehr), Ditib (kampflos gegen „Oase“), der Türkisch-Deutsche Elternverein (2:1 gegen Milli Görüs I), der Rathausblock (1:0 gegen Team Gartenstraße) und die katholische Kirchengemeinde (2:1 gegen Stadt-/Johanneskirche).

Im Finale standen sich erneut Milli Görüs II und „Frieden“ gegenüber. Nach einem zerfahrenen Match musste erneut ein Neunmeterschießen über Sieg und Niederlage entscheiden. Auch hier bewiesen die jungen Türken eine gehörige Portion Abgeklärtheit und holten sich mit einem 2:1 verdient den „Pott“.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta