Rennfahrer Jörg Weidinger verteidigt seinen Titel

Happurger gewinnt erneut KW-Berg-Cup

m BMW M235i startete Weidinger bei der Langstreckenmeisterschaft. Foto: Peter Elbert2015/11/6861594.jpg

HAPPURG – Eine Saison mit viel „Auf und Ab“ hat der Rennfahrer Jörg Weidinger aus Happurg hinter sich. Der hauptberufliche Fahrzeugtechnik-Ingenieur bei BMW feierte die erfolgreiche Titelverteidigung im KW-Berg-Cup auf dem BMW 318i STW, hatte viel Pech in der VLN-Langstreckenserie auf dem Nürburgring und beim 24 Stunden Rennen, fuhr aber nebenher mit einem Rolls-Royce ein sensationelles Bergrennen in Goodwood in England.

Dass man durchaus auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig ganz gut tanzen kann, bewies der zweifache Berg-Europameister in diesem Jahr. In seiner Paradedisziplin, dem Bergrennen, zeigte er seine fahrerische Extra-Klasse. Mit einem gut 300 PS starken BMW 318i STW des Teams Rottenberger-Motorsport aus Unterfranken verteidigte er seinen Titel im KW-Berg-Cup erfolgreich.

Damit schrieb er sich nun schon zum dritten Mal in Folge in die Meisterliste ein. In jedem Rennen, in dem er an den Start ging, holte er in überlegener Manier den Sieg. Nicht umsonst wird Jörg Weidinger von seinen Fans auch „König der Berge“ genannt.
Zusammen mit seinen Fahrerkollegen Michael Schrey (Wallenhorst) und Uwe Ebertz (Fleisbach) startete Jörg Weidinger in dieser Saison auch wieder für das Team Scheid-Motorsport aus Kottenborn in der Eifel im BMW M235i Racing-Cup. Im über 20 Autos starken Feld mit – ganz dem Geist der Serie entsprechend – absolut gleichwertigem Material landete Jörg Weidingers Team überlegen auf dem ersten Platz. Auf diesen Sieg folgte beim zweiten Lauf sofort der nächste Treffer – wieder Trainingsbestzeit und Sieg!

Doch damit war das Rennglück für diese Saison nahezu aufgebraucht. Während in den Qualifyings meist Weidinger oder Schrey das Auto auf Pole-Position stellen konnten, war in den Rennen oft der berüchtigte „Wurm“ drin. Kleinere technische Defekte wechselten sich mit unverschuldeten Unfällen ab. Nur noch dreimal wurde gepunktet. In fünf der zehn Rennen ging Weidinger leer aus. So reichte es am Ende nur für den siebten Gesamtrang.

Dass die Nürburgring-Nordschleife in diesem Jahr nicht unbedingt zu den Freunden von Jörg Weidinger gehörte, zeigte sich auch im traditionellen 24 Stunden-Rennen. Vor gut 200 000 Zuschauern fuhr der Happurger wieder einmal die schnellste Trainingszeit mit seinem BMW M235i. Zusammen mit seinen Fahrerkollegen führte das Team 16 Stunden lang das Rennen an – bis ein Ausrutscher von Uwe Ebertz auf einer Ölspur mit anschließendem Leitplankeneinschlag für eine lange Reparaturpause sorgte.

Für „seine Majestät”

Im Team Scheid-Motorsport war man froh, das Auto dann aber doch noch in Wertung ins Ziel zu bringen. „Wenn du Trainingsschnellster bist, dann 16 Stunden lang führst, dann ist so ein Abflug wie ein KO-Schlag“, meinte der ehrgeizige Weidinger hinterher enttäuscht.

Jedes Jahr lockt das traditionelle „Goodwood-Festival Of Speed“ Hunderttausende von Zuschauern auf die britische Insel. Alles, was je im Auto- und Motorradrennsport Rang und Namen hatte, gibt sich hier ein Stelldichein. Zu diesem Rennen kann man nicht einfach als Fahrer seine Nennung abgeben – hierzu muss man vom Besitzer der Rennstrecke, dem Earl of March, persönlich eingeladen werden.

Eine Einladung ist für einen Rennfahrer so was wie der Ritterschlag oder die Erhebung in den „Renn-Adelsstand”. Kein Wunder, dass Weidinger ganz überrascht war, als er von seinem Arbeitgeber einen Anruf erhielt, dass er für das Rennen 2015 nominiert wäre. Aber noch größer war die Überraschung, als er erfuhr, mit welchem Auto er an den Start gehen sollte.

Als Mitarbeiter der BMW M GmbH lag es doch nahe, mit einem Produkt aus dem eigenen Hause zu starten: weit gefehlt. Die Konzerntochter Rolls-Royce fragte ganz höflich in München an, ob nicht dieser „damned fast German Hillclimb-Racer“ das königliche Gefährt namens Rolls-Royce Wraith möglichst schnell den Berg in Goodwood hochfahren könnte – wenn möglich natürlich vor der britischen Konkurrenz aus dem Hause Bentley.

Man stelle sich einmal vor, ein Rolls-Royce Coupé, ausgestattet mit allem erdenklichen Luxus, gut zwei Tonnen schwer, dafür aber auch ca. 600 PS stark, im Feld von 30 so erlauchten Boliden wie Ferrari FX, Lamborghini Hurracan, Porsche 918 Spyder oder Maserati MC Stradale. Zur Überraschung aller und vor den Fernsehkameras der Live-Übertragung gelang es Weidinger, das mächtige Rolls-Royce Wraith Coupé dermaßen spektakulär den Berg hochzujagen, dass den britischen Fans nur noch ein andächtiges „Oh my God, he is crazy“ auf den Lippen blieb.

Platz sechs mit dem mächtigen Rolls und deutlich vor dem Erzrivalen Bentley, das kann sich sehen lassen. „Dieses tolle Erlebnis in England und der erneute Meistertitel am Berg entschädigen mich nun doch sehr für all das Pech auf dem Nürburgring“, urteilt Jörg Weidinger über die Rennsaison 2015.

Hans Danner

N-Land Hersbrucker Zeitung
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