Tennisspielerin Lara Schmidt ist aktuelle Nummer 1 in der U18-Rangliste

Auf dem Weg in die Weltspitze fehlt ein Sponsor

Die Jugendturniere bei den French Open und in Wimbledon sind die nächsten Ziele der Laufer Tennishoffnung Lara Schmidt. | Foto: Archiv2017/01/Tennis-Lara-Schmidt-wta_turnier-020-Kopie.jpg

LAUF — An diesem Wochenende stehen in Melbourne bei den Finals der Australien Open die besten Tennisspieler der Welt auf dem Platz. Eine, die jeden Ballwechsel verfolgen wird, ist Lara Schmidt aus Lauf. Sie ist die neue Nummer eins in der deutschen U18-Tennisrangliste – und hatte sich eigentlich für das Juniorinnen-Turnier der Australien Open qualifiziert. Doch weil die Reise zu teuer war, musste sie verzichten. Tennis, ein Sport, bei dem man reich wird? Für Lara Schmidt ist er noch ein Draufzahlgeschäft.

Freud´ und Leid liegen für Lara Schmidt in diesen Tagen nah beieinander. Da ist auf der einen Seite die deutsche Rangliste der U18-Juniorinnen, die die 17-jährige Lauferin schwarz auf weiß als neue Nummer eins ausweist. An die 140 Spiele hat sie dafür im letzten Jahr absolviert. Fünfmal pro Woche trainiert sie auf der Anlage des 1. FCN jeweils vier Einheiten: neben Tennis auch Kraftsport und Laufen. Die Plackerei und die erfolgreiche Saison 2016 haben ihr die Qualifikation für das Jugendturnier der Australien Open eingebracht, eines der vier größten Tennisturniere der Welt.

Und dann gibt es die andere Seite: Weil Lara Schmidt keinen finanzkräftigen Hauptsponsor hat und auch der Verband ihr nicht wesentlich unter die Arme greift, musste sie auf das Turnier verzichten. „Sie hat ein paar Tage geweint, war richtig down“, erzählt Laras Mutter Mandy Schmidt. Doch das „Abenteuer Australien“ hätte die Familie zwischen 10 000 und 14 000 Euro gekostet, inklusive Flügen, Hotels und dem notwendigen Vorbereitungsturnier. „Da kann man nicht einfach zwei, drei Tage vorher runter fliegen. Man braucht eine gewisse Zeit zum Akklimatisieren“, erklärt Mandy Schmidt.

Etwa 10 000 Euro pro Jahr bekommt das Laufer Tennistalent von mehreren kleineren, lokalen Sponsoren. Die Firma Head stellt Schläger und sonstige Ausrüstung zur Verfügung. Mit gerade einmal 1500 Euro „Individualförderung“ jährlich unterstützt der Bayerische Tennisverband (BTV) die Schmidts – und das auch immer nur rückwirkend und auf Antrag. Geld, das aber bei weitem nicht ausreicht, damit Lara ihr Ziel erreicht, sich in den nächsten zwei Jahren im Profitennis zu etablieren. „Allein das Turnier in Stockholm Anfang Januar, bei dem Lara Zweite wurde, hat uns 4000 Euro gekostet“, rechnet Mandy Schmidt vor. Und das Preisgeld? „Ein Pokal und ein T-Shirt“, meint Laras Mutter und lächelt gequält. Preisgeld gebe es im Juniorinnenbereich „keinen Cent“.

Auch das ist ein Grund, warum Lara Schmidt jetzt öfter bei den Damen aufschlägt, wo sie immerhin schon die Nummer 38 in Deutschland ist. Beim Turnier in Leipzig hat sie 800 Euro Preisgeld eingestrichen, trotzdem zahlten die Schmidts für die Reise 1500 Euro drauf. Doch ohne Turnierreisen geht es nicht, denn ohne Wettkämpfe keine Rang­listenpunkte. Wer nach oben will, muss sich mit den Besten messen. Um Kosten zu sparen, ist die 17-Jährige inzwischen häufiger allein unterwegs, ohne Mutter und Trainer Günter Ganser. Auf ihn halten Mutter und Tochter große Stücke. Es passe menschlich perfekt, Ganser sei „einer der besten Trainer Deutschlands“. Auch der 1. FC Nürnberg, für den Lara in der Regionalliga antritt, unterstütze sie sehr.

Ins Leistungszentrum des Deutschen Tennisbundes (DTB) nach Oberhaching, in dem Talente eigentlich zusammen gezogen werden sollen, möchte Lara deshalb nicht. Dort seien die Trainingsbedingungen für sie nicht ideal, finanzielle Vorteile bringe es ebensowenig. „Wir müssten monatlich eine große Summe zuzahlen“, sagt Mandy Schmidt, die enttäuscht ist, das der Verband seine Talente nicht besser finanziell fördert. Viele blieben so auf der Strecke.

Die nächsten zwei, drei Jahre sind entscheidend, wenn Lara den Sprung in die Weltklasse schaffen möchte. Darum hat sie im September die Schule vorerst beendet. Mit der mittleren Reife ist sie nach der zehnten Klasse vom Laufer CJT-Gymnasium abgegangen – schweren Herzens. Obwohl die Lehrer und Direktor Freiman sehr viel Rücksicht auf Laras Trainings- und Turnierplan genommen hätten, sei der Druck, alles unter einen Hut zu bekommen, einfach zu groß geworden. „Das war extrem belastend“, so Mandy Schmidt.

Den Kopf frei fürs Tennis zu haben bedeutet aber nicht mehr Freizeit. Laras Tage beginnen um 7 Uhr und enden nicht vor 21 Uhr. Sie lebt und liebt Tennis, sogar ihr Hund ist nach ihrem Idol, dem Schweizer Roger Federer benannt. Das nächste große Ziel sind die Juniorenwettbewerbe bei den Grand Slam-Turnieren French Open und Wimbledon im (Früh-)Sommer. Lara Schmidt hofft, dass es nicht wieder am Geld scheitert.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger