Bezirkstag in Winkelhaid

Handball-Paradox: Mehr Vereine, aber weniger Aktive

Handball ist dank des HC Erlangen, der mit seinen Bundesliga-Spielen in der Nürnberger Arena die Massen begeistert, mittlerweile wieder eine große Nummer. Für den Amateurbereich kann der Bezirksvorsitzende Werner Guzik am Sonntag beim Bezirkstag in Winkelhaid jedoch keine positiven Aussichten präsentieren. | Foto: Zink2017/02/20150329_hce_kiel_dama_080.jpg

WINKELHAID – Wenn Werner Guzik am Sonntag pünktlich um 10 Uhr den Handball-Bezirkstag des Bezirks Ostbayern in Winkelhaid eröffnet, hat er leider nicht nur gute Nachrichten im Gepäck. Wie der Vorsitzende im Gespräch mit dem Boten erzählt, war es um die nach Fußball zweitbeliebteste Mannschaftssportart in Deutschland schon einmal besser bestellt.

Beim Bezirkstag in der Dr.-Dietmar-Trautmann-Sportanlage geht es in erster Linie um die turnusmäßige Neuwahl der Bezirksleitung für die nächsten drei Jahre, bei der Guzik noch einmal antreten will, und natürlich um die Besetzung zahlreicher anderer wichtiger Gremien.

Mindestens ein ebenso wichtiges Thema ist jedoch die allgemeine Entwicklung im regionalen Handball – und da kann der 69-Jährige den Teilnehmern und Gästen, darunter auch Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt und Landrat Armin Kroder, keine allzu rosigen Aussichten präsentieren. Wie die meisten Traditionssportarten hierzulande leidet auch der Handball seit Jahren an einem immer stärker werdenden Mitgliederschwund. Auch wenn Guzik in seiner nun schon über 20-jährigen Amtszeit sogar die ein oder andere Boomphase, beispielsweise nach der Weltmeisterschaft 2007 als die deutsche Handball-Nationalmannschaft im eigenen Land den Titel holte, erlebt hat, ist der Langzeittrend dennoch konstant negativ.

Zahlen sind irreführend

Die Zahlen sind allerdings irreführend. Denn seitdem sich die Bezirke Mittelfranken Nord, Mittelfranken Ost und Oberpfalz 1999 zum Bezirk Ostbayern zusammengeschlossen haben – Guzik war damals als Oberpfalz-Vorsitzender federführend beteiligt – ist die Zahl der Vereine sogar von damals 68 auf heute 84 angestiegen. Gleichzeitig ist aber die Zahl der in Vereinen aktiven Handballer kontinuierlich nach unten gegangen. Ein Widerspruch, der sich bei genauerem Hinsehen, leicht aufklären lässt.

So sind die Zahlen im Jugendbereich derzeit besonders rückläufig. Für das vergangene Jahr hat der Bezirk Ostbayern ein drei bis vier-prozentiges Minus zu verzeichnen, was laut Guzik ganz konkret bedeutet: „Es sind zehn Mannschaften weniger!“ Bei den B- bis A-Junioren und -Juniorinnen, also im Bereich zwischen 14 und 18 Jahren, sei die Verwerfung am größten, weil die Jugendlichen in dieser Zeit einfach am meisten abgelenkt seien, bzw. sich in dieser Lebensphase einfach viel mehr für andere Dinge als den Handball interessieren würden, wie Guzik vermutet. Die Folge ist, dass sich die Vereine aufgrund des akuten Nachwuchsmangels immer häufiger zu Spielgemeinschaften zusammenschließen. Bestes Beispiel hierfür ist der Gastgeber des Bezirkstags, der TSV Winkelhaid. Zusammen mit den Nachbarn vom TV Altdorf haben die TSV-Verantwortlichen vor rund eineinhalb Jahren die JSG Eintracht Nürnberger Land gegründet, die mittlerweile mit insgesamt sechs Mannschaften am Spielbetrieb teilnimmt. Da jede neue Spielgemeinschaft als eigener Verein gewertet wird, lässt sich so auch das Paradox aus mehr Vereinen bei gleichzeitig sinkenden Mitgliederzahlen auflösen.

Das Nachwuchsproblem schlägt allerdings auch noch auf andere Bereiche durch. Denn aufgrund sinkender Mitgliederzahlen sei es, so Guzik, für die Vereine immer schwieriger ihre Funktionärsposten zu besetzen. Zum einen „fehlen dadurch engagierte Vereinsverantwortliche, die stetig um die Jugendlichen werben, beispielsweise in die Schulen gehen, um dort die Kinder für den Handball zu begeistern.“

HC Erlangen ist „Zugpferd“

Ebenfalls davon betroffen ist die Gilde der Unparteiischen. Wie der Fußball leidet auch der Handball aktuell an einer Schiedsrichtermisere, für die es laut Guzik, der selbst seit 50 Jahren als Referee aktiv ist, wohl keine schnelle Lösung geben wird. Bislang müssen die Vereine pro gemeldeter Mannschaft einen Schiedsrichter stellen, oder wenn dies aufgrund Personalmangels nicht möglich ist, eben einen finanziellen Ausgleich an den Verband zahlen. Um dem Problem entgegenzuwirken, bzw. die Vereine zumindest ein wenig zu entlasten, will der Verband nun in Kürze ein neues „Schiedsrichter-Fehlzahl-Konzept“ erarbeiten, dass auch am Sonntag auf dem Bezirkstag diskutiert werden soll.

Allerdings: Im Vergleich mit anderen Bezirken stehen die Ostbayern noch gut da, findet Guzik. Anderswo sei der Rückgang noch viel dramatischer. Und immerhin habe die Region mit dem Handball-Bundesligisten HC Erlangen seit einiger Zeit ein neues „Zugpferd“, das viele Zuschauer anziehe und auch die Jugend begeistere. Ob das reicht, um den Negativ-Trend wenigstens mittelfristig zu stoppen, ist freilich alles andere als ausgemacht.

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann