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29.11.11 17:01 Uhr

Albflor macht dicht

Von: Pegnitz-Zeitung

Nach 103 Jahren ist Schluss – die Albflor-Milchwerke in Simmelsdorf schließen nächstes Jahr, wegen einer „strategischen Neuausrichtung“ der Unternehmensgruppe Pechtel, der sie seit 1994 angehören. Foto: PZ-Archiv
Nach 103 Jahren ist Schluss – die Albflor-Milchwerke in Simmelsdorf schließen nächstes Jahr, wegen einer „strategischen Neuausrichtung“ der Unternehmensgruppe Bechtel, der sie seit 1994 angehören. Foto: PZ-Archiv

SIMMELSDORF (fi) — Die Albflor-Milchwerke in Simmelsdorf werden nächstes Jahr geschlossen. Dies teilte René Guhl, der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Bechtel, zu der Albflor seit 1994 gehört, der Belegschaft gestern persönlich bei einer Betriebsversammlung in Simmelsdorf mit. Gleichzeitig sicherte der Chef der Privat-Molkerei mit Stammsitz in Schwarzenfeld bei Amberg aber allen rund 50 derzeit in Simmelsdorf Beschäftigten weiter einen Arbeitsplatz in seinen Unternehmen zu – bei den Naabtal-Milchwerken in der Oberpfalz.

Mit der Albflor-Schließung Mitte 2012 geht eine über 100-jährige Molkerei-Tradition zu Ende. 1908 war das Unternehmen als Fränkische Dampfmolkerei von Weidensees in das Schnaittacher Oberland umgezogen. Hintergrund war die nur 13 Jahre zuvor eröffnete Schnaittachtal-Bahnstrecke mit dem Endhaltepunkt in Simmelsdorf. Die Milchwerke siedelten sich direkt am Bahnhof an und finden sich auch heute noch dort. 1994 hat die Privatmolkerei Bechtel die Molkerei vom damaligen Besitzer Daiber übernommen.

Bechtel-Geschäftsführer René Guhl erläuterte gestern gegenüber der Pegnitz-Zeitung die Schließung, die auch für ihn kein einfacher, aber ein notwendiger Schritt gewesen sei, wie er betont. Nicht wirtschaftliche Gründe hätten zur Entscheidung geführt, wie er auch auf der Betriebsversammlung erläuterte, sondern „die notwendige strategische Ausrichtung seiner Milchwerke auf den Markt und die Anforderungen der Zukunft“. Wichtig sei hier eine viel stärkere Konzentration, mit dem Schwerpunkt eben in Schwarzenfeld, wo derzeit schon über 200 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Mit der Liberalisierung des Milchmarktes 2015 wird europaweit die Milchquote fallen, dann werden es inhabergeführte mittelständische Milchwerke noch schwerer haben, sich auf dem von Großmolkereien dominierten Markt zu halten, so Guhl. „Mit der Schließung in Simmelsdorf agieren wir noch zu Zeiten in denen wir es ohne Druck noch können, statt später vielleicht nur noch zu reagieren.“

Die Mitarbeiter in Simmelsdorf, die laut dem Geschäftsführer „sehr sehr gut arbeiten“, sollen im Unternehmen in Schwarzenfeld weiterbeschäftigt werden. Trotzdem sei die Ankündigung in der Versammlung natürlich nicht mit Begeisterung aufgenommen worden, Verständnis dafür wollte Guhl aber schon erkannt haben. Schon gestern seien auch Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen worden, wie man die Weiterbeschäftigung sozialverträglich organisieren könnte. „Und ganz spontan haben viele Mitarbeiter gleich gesagt, wir gehen mit“, so René Guhl gegenüber der PZ.

Für die Milchbauern, die bisher nach Simmelsdorf lieferten, werde sich nichts ändern. Nun fahren eben alle Milchsammelautos einfach täglich weiter nach Schwarzenfeld. Schon bisher sei dort ein Großteil der Milch heimischer Bauern verarbeitet worden.

Die Albflor-Milchwerke hatten sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf Nischenprodukte aus Milch spezialisiert und damit gehofft, sich langfristig Marktanteile zu sichern. So wurde und wird derzeit schwerpunktmäßig in Simmelsdorf Joghurt, Dessert und Quark sowie Sahne oder Créme Fraíche in Beuteln hergestellt. Und es werden sogenannte Großgebinde, Joghurt oder Quarkspeisen in Eimern, für Großküchen oder die Gastronomie abgefüllt.

Für den Simmelsdorfer Bürgermeister Perry Gumann bedeutet die Schließung der Molkerei einen schweren Schlag, wie er gegenüber der PZ sagte. „Wir verlieren nämlich nicht nur eine angesehene traditionsreiche Firma in der Gemeinde, sondern auch den wichtigsten Kunden unsererTrinkwasserversorgung. Albflor allein verbraucht bislang rund die Hälfte des gesamten Simmelsdorfer Wassers.“

Die Anlagen und natürlich auch das Kanalsystem seien darauf ausgerichtet, was alle Haushalte mitbezahlen, wenn es die Molkerei nicht mehr gibt.




Kommentare

Angelika Lippold, Simmelsdorf, 08.12.2011 09:59:
Ich empfehle Herrn Bürgermeister Perry Gumann, sich verstärkt um die Errichtung eines Supermarktes auf dem
erschlossenen Gewerbegrundstück/Simmelsdorf, sowie auch angekündigten Errichtung von Wohnhäusern, zu bemühen.
Überall, siehe auch Gräfenberg, sind Einkaufszentren mit täglich guter Besucherzahl, entstanden. Die Landbevölkerung braucht solche Einkaufsmöglichkeiten. Nur so kann auch sichergestellt werden, dass die Einwohnerzahlen auf dem Lande nicht zurückgehen und das Wohnen in ländlicher Gegend wieder interessant wird. Auch die Nähe der Autobahn ist ein guter Grund wieder hier in Simmelsdorf zu wohnen, aber....,
es fehlt eine gute Einkaufsmöglichkeit.
Walter Gersching, Simmelsdorf, 01.12.2011 09:53:
Es tut mir leid um die mittelständischen Betriebe, die unter dem Druck der Großbetriebe arbeiten müssen und entweder selbst diese Größe erreichen müssen oder vom Markt verschwinden. Das hat nichts mit Gier zu tun und ist natürlich ein grundsätzliches politisch-ökonomisches Problem.Ich habe selbst mal bei den Albflor-Milchwerken in Simmelsdorf gearbeitet, und wünsche den Mitarbeitern auch für die Zukunft einen zufriedenstellenden Arbeitsplatz!
Übrigens: Lieber nehme ich mal einen Fehler in Kauf und habe dafür einen Artikel schnell (schneller als in der Printausgabe)zur Verfügung! Dafür auch ein großes Lob an die Pegnitzzeitung!
mfG Walter Gersching
Schorsch Huber, Lauf, 30.11.2011 06:52:
Ich der Huber Schorsch werde mir kein Albflorprodukt genauso wie Elektrolu, Nokia oder andere Produkte kaufen die aus Gier Standorte auflösen. Ich denke ein oder auch mehrere vernünftiger Mensch/en denkt oder denken genauso. Man kann es ja lesen "Rene´" ein Franzose halt, die machen das skrupelos. Ich hoffe für die Mitarbeiter alles gute und einen neuen Arbeitsplatz nicht in dem Unternehmen zu finden. Ist schon eine Frechheit den Mitarbeitern dies als Weihnachtsgeschenk zu präsentieren. Frechheit.
Katrin Bauer, Kirchensittenbach, 29.11.2011 21:08:
Die Unternehmensgruppe heißt BECHTEL mit B und der Ort heißt Schwarzenfeld nicht Schwarzenberg!

- Anm. d. Red.: Die Fehler wurden korrigiert. In der Printausgabe sind die Namen richtig, die geänderte Version stand nur noch nicht online.

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