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Lokales PZ
16.08.12 17:51 Uhr
Traditionelle Infofahrt der Hopfenbauern

Heimische Hopfengärten: Klein aber fein

Von: Clemens Fischer

Fachsimpeln im Hopfengarten des Herpersdorfer Hopfenpflanzers Norbert Friedrich (rechts).Fotos: Fischer
Fachsimpeln im Hopfengarten des Herpersdorfer Hopfenpflanzers Norbert Friedrich (rechts).Fotos: Fischer
Ausgerüstet mit Schirm und Stiefeln ging‘s in die Hopfengärten, Landrat Kroder wird hier flankiert von Brauereichef Peter Kitzmann und Bezirksrat Norbert Dünkel.
Ausgerüstet mit Schirm und Stiefeln ging‘s in die Hopfengärten, Landrat Kroder wird hier flankiert von Brauereichef Peter Kitzmann und Bezirksrat Norbert Dünkel.

SIMONSHOFEN — Seine Hochzeiten hat der Hopfen im „Hersbrucker Gebirge“, zu denen auch die Fluren um Lauf und Schnaittach gehören, lange hinter sich. Mit nur noch 13 Hopfenpflanzern und einer Gesamtfläche von 123 Hektar spielt das heimische Gebiet am Weltmarkt mit seinen 46000 Hektar wirtschaftlich keine große Rolle mehr. Weil im „Gebirg“ aber nach wie vor Spitzenqualitäten und ganz besondere Aromen erzeugt werden, hat Hersbrucker Hopfen auch in Amerika oder China noch immer einen sehr guten Namen und entsprechend keine Absatzprobleme. Und besonders wichtig, viele heimische Brauereien schwören nach wie vor auf Hopfen aus der Region.

Grundsätzlich positive Nachrichten also, die die heimischen Hopfenbauern gestern in Simonshofen hörten. Auf dem Bauernhof von Ralph Kluge hatten sich die Pflanzer und „alle, die in der Region irgendetwas mit dem Hopfen zu tun haben“, wie Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf sagte, zur traditionellen Hopfenbegehung eingefunden. Dazu gesellten sich noch ein Dutzend Ehrengäste wie Vertreter heimischer Brauereien, Kommunalpolitiker wie Landrat Kroder und Bürgermeister Bisping, sowie der Landtagsabgeordnete Eckstein und Bundestagsabgeordnete Mortler. Denn, auch wenn diese mit Hopfen direkt nichts zu tun haben, als Bitterstoff (Lupulin) im Bier hat die Pflanze wohl jeder schon kennengelernt.

Zurück zum Anbau. Gar nicht schön für die Bauern und damit für die Hopfenpflanzer, so Werner Wolf, sei das „schöne“ Wetter. Dramatisch wenig Regen sei im ersten Halbjahr 2012 gefallen, weniger als die Hälfte des Durchschnittes. Und darunter leide ganz massiv auch der Hopfen. Weniger was die Qualität angehe (heuer mussten bislang weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden), als vielmehr, was dies für die erwartete Erntemenge bedeute. Mindestens zehn Prozent weniger Hopfendolden, so aktuelle Schätzungen, können wohl gepflückt werden, wenn in spätestens zwei Wochen die Ernte 2012 beginnt.

Und deshalb war der Landwirtschaftsdirektor überhaupt nicht traurig darüber, dass es gestern pünktlich zu Beginn der Hopfenbegehung kräftig regnete. Die Begrüßung der Gäste und das Fachreferat des Vertreters der deutschen Hopfenbauern, Werner Brunner aus der Hallertau, fanden deshalb in der Halle des Simonshofener Bauern Ralph Kluge statt. Hier traf man sich nach der Rundfahrt durch verschiedene Hopfengärten auch zum gemeinsamen Mittagessen bei Schweinebraten mit Kloß wieder. Da hatte es, zum Leidwesen von Werner Wolf, für den die kommenden Hitzetage „ein Graus sind“, auch schon wieder aufgehört zu regnen.

Zur Fahrt in die Hopfengärten nahmen die Gäste auf zwei von Traktoren gezogenen Erntewagen Platz, standesgemäß gepolstert mit alten Hopfensäcken. Und wer selbst keine Gummistiefel mitgebracht hatte, wie etwa Landrat Kroder oder die Hallertauer Hopfenkönigin Elisabeth Fuß, konnte sich Einmalstiefel aus Plastik überstreifen.

So ausgerüstet und gut beschirmt hatte der Ausflug in die Hopfengärten zwar auch einen nicht unerheblichen Spaßfaktor aufzuweisen, grundsätzlich ging es aber um Fachthemen. In den gegenüberliegenden Hopfengärten von Ralph Kluge beispielsweise, der die Sonderkultur auf insgesamt 19 Hektar anbaut. Deutlich zu sehen sind an Pflanzen auf dem Feld die ersten Schäden, die die Trockenheit schon angerichtet hat. Beim Aromahopfen, der Spezialität des heimischen Raumes, mehr als bei anderen Sorten.

Zufrieden zeigten sich Fachleute von der Qualität und dem Aroma, als jeder mal ein paar Dolden pflücken und auf dem Handrücken verreiben konnte. Da wurde gefachsimpelt, was das Zeug hielt. Bürgermeister Bisping diskutierte mit Braumeisterin Wie­thaler-Dorn, die Pflanzer untereinander debattierten über Bodenpflege oder die Zukunft der Kulturen überhaupt und die Fachleute vom Amt informierten über die aktuelle Schädlingssituation, die Lage auf dem Weltmarkt und die strengen Auflagen der Importeure in den USA.

Im Hopfengarten des Herpersdorfer Bauern Norbert Friedrich, der ebenfalls etwa 20 Hektar Hopfen anbaut, erfuhren die Teilnehmer der Begehung dann, welch große Bedeutung beim Hopfenbau die Pflege, die Düngung und der Pflanzenschutz haben. Friedrich beispielsweise bringt jedes Jahr viel Mist aus dem eigenen Stall und weniger Kunstdünger in seinen Hopfengärten aus. Etwas, das ihm die Pflanzen ganz offensichtlich sehr danken. Sattgrün und kerngesund hängen sie zwischen den Hopfenstangen, voll mit großen Dolden.




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