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Lokales PZ
29.06.12 14:31 Uhr

Tüfteln am perfekten Festzug

Von: Stefanie Buchner-Freiberger

Kundigundenfest in Lauf

Für jede Gruppe ein Kärtchen: Dieter Donhauser und Christian Meier von der Stadtverwaltung stellen den Festzug zusammen.Foto: Buchner-Freiberger
Für jede Gruppe ein Kärtchen: Dieter Donhauser und Christian Meier von der Stadtverwaltung stellen den Festzug zusammen.Foto: Buchner-Freiberger

LAUF — Ein paar Pferdegespanne, dazu ein halbes Dutzend Musikgruppen und viele, fröhliche Kinder: Fertig ist der perfekte Kunigundenfestzug – denkt vielleicht der Laie. Denn tatsächlich stecken hinter der Aufstellung des Festzugs jede Menge ungeschriebene Gesetze. Tüftelarbeit für die Verantwortlichen.

Der Festzug ist rot, blau, weiß und gelb – zumindest in Dieter Donhausers Büro im Laufer Rathaus, wo wenige Tage vor dem Traditionsfest Ausnahmezustand herrscht. Auf farbigen Karteikärtchen am Boden sind fein säuberlich alle Mitwirkenden notiert: Rot steht für die Kapellen, blau für die Marschgruppen, weiß für die Schulklassen und gelb für die Festwagen. „Wenn die Farben sich im gleichen Abstand wiederholen, dann passt der Lack“, meint Donhauser mit fränkischem Pragmatismus. Er organisiert das Kunigundenfest heuer zum 18. Mal von Verwaltungsseite aus, gemeinsam mit der offiziellen Festleiterin Jutta Auernheimer.

Spitze steht immer fest

Die Festzug-Spitze allerdings ist seit Jahrzehnten unumstößlich: Vorne weg marschieren die Tafel-Träger, dahinter die Festkapelle (heuer die Marching Band des TSV), dann die Kinder mit dem Titel des Festes, es folgen die Ehrengäste, die Kaiserin Kunigunde samt Hofstaat sowie die Kutschen mit den Hofdamen. Erst danach ist Donhausers „Bauchgefühl“ gefragt. „Ich versuche jedes Jahr, blockweise zu rotieren, damit nicht immer die gleichen vorne oder hinten laufen“, erklärt der Verwaltungsbeamte. Vereine, die ein besonderes Jubiläum feiern, genießen Priorität, Neue müssen sich dagegen im hinteren Drittel des Zugs einreihen, da kennt Donhauser kein Pardon. Den krönenden Abschluss des heuer 70 Gruppen starken Festzugs bildet wie immer Bierkönig „Gambrinus“. Sein Wagen wird jeweils von der Brauerei bestückt, die im Jahr darauf das Festbier ausschenkt.

Nur Laufer Prominenz

Auch die Zusammensetzung der „Honoratioren“ folgt einem ungeschriebenen Gesetz: Nur Laufer Politiker, vom Stadtrat bis zum Bürgermeister, dürfen mitziehen. Dazu aus dem Rathaus noch der geschäftsleitende Beamte sowie der Bauamtsleiter. Für Auswärtige gilt: Sie dürfen die Aufführungen am Reigenplatz zwar auf Ehrenplätzen verfolgen, der Zug ist für sie jedoch tabu. „Gerade zu Wahlkampfzeiten haben wir jede Menge Anfragen von Politikern“, sagt Donhauser schmunzelnd.

Einziger „externer“ Vertreter war in den letzten Jahren der Leiter des Staatlichen Schulamts. Diesmal wird von der Behörde jedoch niemand mitmarschieren, stattdessen reiht sich der Rektor der federführenden Schule, Edwin Petek von der Kunigunden- und Rudolfshofer Schule, in die Honoratioren ein.

24 Gespanne dabei

Donhausers Puls schnellt dann in die Höhe, wenn sich wenige Tage vor dem Fest herausstellt, dass ein Verein schlicht vergessen hat, sich anzumelden, aber kurzfristig noch mitlaufen möchte. Oder wenn ein bestellter Festwagen nicht rechtzeitig eintrifft. Apropos: 24 Gespanne sind heuer mit von der Partie, damit gehört Lauf bayernweit zu den Spitzenreitern. Ein Augenschmauß, den sich die Stadt einiges kosten lässt. 750 Euro werden pro Gespann fällig, inklusive Pferden, Miete für den Wagen und einem „Schmuckzuschuss“ für die Vereine.

Hohe Auflagen

Mit den Kosten allein ist es in puncto Gespanne aber nicht getan. Seit vor ein paar Jahren bei der Aufstellung des Festzugs ein Pferd durchging, was zum Glück ohne größere Folgen blieb, wurden die Auflagen verschärft. Jedes Gespann braucht jetzt mindestens zwei „Aufsichtspersonen“, die Kutscher müssen eine Ausbildung nach Achenbach haben. „Der Herr hat Ende des 19. Jahrhunderts allgemein gültige Regeln für das Fahren von Pferdewagen erlassen“, erklärt Dieter Donhauser.

Doch damit der Auflagen nicht genug. Vor einigen Jahren verbat das Landratsamt das Werfen von Bonbons von den Festwagen aus, nachdem beim Happurger Faschingszug ein Kind beim Greifen nach den Leckereien beinahe überfahren worden wäre. Jetzt werden die Bonbons den Zuschauern direkt in die Hände gedrückt.

Dieter Donhausers Arbeit rund um das Kunigundenfest wird jedenfalls nicht weniger, im Gegenteil. Vieles, was früher Aufgabe des stellvertretenden Festspielleiters war, wird heute von der Stadt Lauf übernommen. „Ich bin immer froh und dankbar, wenn der Festzug ohne Schäden am Kunigundenberg angekommen ist.“




Kommentare

Christine Bengl, Lauf, 30.06.2012 01:35:
Wir Laufer haben's halt voll drauf! ist ja auch
unser Festzug, warum sollen da auch andere Politiker
mitlaufen? Der ist gut so wie er ist. Weiter so!
nur mit den bonbons..naja..
Franz Franzen, Röthenbach, 29.06.2012 19:45:
Jetzt stellt sich mir die Frage ob die Fr.Merkel überhaupt weis wo Lauf ist. Und der Löw soll sich besser um den deutschen Fußball kümmern. Der hat keine Zeit hier durch die Gegend zu latschen.
danny baruch, mimberg, 29.06.2012 19:24:
und wenn jetzt die frau merkel mit dem jogi löw zu besuch
kommt, dann darf sie wohl unter diesen hochrangigen
provinzlern nicht mal mitmarschieren...also, die sind ja
ganz schön von sich eingenommen....diese laffer bimberla...

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