SPD nutzt ihre Macht
RÖTHENBACH (as) — Mit ihren Stimmen als größte Fraktion im Stadtrat hat die SPD Reiner Knoch zum Röthenbacher Seniorenbeauftragten gewählt. Vor allem für die CSU und die Freien Wähler hat das einen Beigeschmack: Knoch ist der Mann der SPD-Fraktionsvorsitzenden – und die bisherige Amtsinhaberin hatte einen anderen Namen vorgeschlagen.
Während die anderen Parteien im Stadtrat ihrem Ärger Luft machen, spricht die SPD von einem „normalen demokratischen Vorgang“. Üblich sei, dass die Fraktionen Vorschläge für die Besetzung solcher Posten machten, sagt Lutz-Werner Hamann, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Nichts anderes habe man bereits drei Wochen vor der entscheidenden Stadtratssitzung im Hauptausschuss getan – und später bei der Abstimmung eine Mehrheit für den eigenen Kandidaten erzielt.
Reiner Knoch erhielt zwölf Stimmen aus der SPD, die anderen Parteien votierten mit elf Stimmen geschlossen gegen ihn. Ullrike Knoch, die Frau des 62-Jährigen, hatte nicht mit abstimmen dürfen. Was vor allem die CSU auf die Palme bringt: Knochs Gegenkandidatin, Martina Sagolla, war von der bisherigen Amtsinhaberin Elisabeth Pitrus ausdrücklich als Wunschnachfolgerin benannt worden.
Sagolla hat – wie Pitrus – lange im „Club 60“ der katholischen Pfarrei St. Bonifatius, einem Treffpunkt für Senioren, mitgearbeitet. „Sie ist sehr kompetent“, sagt die 73-jährige Pitrus, die das unbezahlte Ehrenamt als Seniorenbeauftragte aus Altersgründen aufgegeben hat. Mit dem Bürgermeister habe sie über ihren Vorschlag gesprochen, „der war auch angetan davon“.
Langjähriges SPD-Mitglied
Doch später nominierte die SPD ihren eigenen Kandidaten: Reiner Knoch ist nach eigenen Angaben langjähriges Parteimitglied, er hat die SPD-Arbeitsgemeinschaft „60plus“ wiederbelebt und amtiert seit einem Jahr als stellvertretender Vorsitzender der Röthenbacher Arbeiterwohlfahrt.
Für Wolfgang Gottschalk, den CSU-Fraktionsvorsitzenden, hat der neue Seniorenbeauftragte damit zu viel Nähe zur SPD: „Ich finde es nicht gut, wenn das politisch so eng beieinander ist.“ Hinzu komme, dass die Sozialdemokraten ihre Nominierung weder im Hauptausschuss noch im Stadtrat begründet hätten. „Das ist ein sehr arrogantes Vorgehen“, so Gottschalk.
Ähnlich beurteilen das die Freien Wähler: Die SPD habe sich eben gerade nicht demokratisch verhalten, sagt Peter Güntert, der Sprecher der Fraktion. Er könne bei Knoch keine Neutralität erkennen. Thiemo Graf von den Grünen will sich zu der Angelegenheit nicht weiter äußern. Nur so viel: „Wir nehmen die Entscheidung zur Kenntnis. Da kann sich jeder sein eigenes Bild machen.“ Die Grünen hätten sich an die Empfehlung der bisherigen Amtsinhaberin gehalten.
Warum hat die SPD ihren Vorschlag nicht begründet? „Wir wollten keine Personaldebatte“, sagt Lutz-Werner Hamann. Vielleicht sei diese Strategie „ungeschickt“ gewesen, aber die Kandidaten hätten durch eine mögliche Diskussion beschädigt werden können. Allerdings äußern sich weder Gottschalk noch Güntert negativ über die fachliche Qualifikation des neuen Seniorenbeauftragten.
„Passabel gute Kontakte“
Der indes kann die Gründe für die Kritik an seiner Wahl nicht nachvollziehen: „Wenn Parteimitglieder solche Ämter nicht besetzen dürften, könnten wir einpacken“, sagt Reiner Knoch. Seit einem Jahr sei er in Vorruhestand, daher habe er nun Zeit, sich um die Belange der Senioren zu kümmern. Er wolle künftig der Stadt keineswegs nach dem Mund reden, sondern auch kritisch hinschauen, vor allem wenn es um seniorengerechte Angebote gehe. Ansprechpartner will der frühere Datev-Mitarbeiter ebenso sein wie Bindeglied zur Politik. „Und ich habe passabel gute Kontakte zu den Leuten im Stadtrat“, sagt der 62-Jährige.
Knoch plant eine enge Zusammenarbeit mit Angelika Schopper, der Vorsitzenden der Röthenbacher Arbeiterwohlfahrt. Sie ist zugleich Behindertenbeauftragte der Stadt. Außerdem sitzt Schopper für die SPD im Stadtrat.





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