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Kultur PZ
01.02.12 10:01 Uhr

Laufer Studenten als Grenzgänger

Von: Andreas Sichelstiel

In Kimberly Geberts Videoinstallation „Perfide Perforation“ wird die Künstlerin – hier gleich doppelt im Bild – selbst zur Akteurin. Dafür erhält sie den Eibl-Preis.
In Kimberly Geberts Videoinstallation „Perfide Perforation“ wird die Künstlerin – hier gleich doppelt im Bild – selbst zur Akteurin. Dafür erhält sie den Eibl-Preis.
„June Snow“: eines von zwei mit einem ersten Preis ausgezeichneten Werken.Fotos: Sichelstiel
„June Snow“: eines von zwei mit einem ersten Preis ausgezeichneten Werken. Fotos: Sichelstiel

LAUF — Franziska Ipfelkofer und Christine Preuss haben beide den Wettbewerb um den 25. Laufer Kunstförderpreis gewonnen. Die Werke aller 45 Teilnehmer sind von Mittwoch- bis Sonntagabend im Wenzelschloss zu sehen.

Grenzen auszuforschen und zu überschreiten – für Michael Munding, einem von zwei Professoren an der Laufer Außenstelle der Akademie der Bildenden Künste, ist das „edelster Auftrag“ der Kunst. Seine Studenten und die seines Kollegen Jochen Flinzerhaben diesen Auftrag gut erfüllt: Die 76 Arbeiten, die in diesem Jahr zur Bewertung durch eine zehnköpfige Jury eingereicht wurden, lassen sich mitunter noch nicht einmal auf ein Medium festlegen.

Videoinstallationen, die zugleich Rauminstallationen sind, gibt es in der Ausstellung, die am Mittwochabend um 19 Uhr in der Laufer Kaiserburg eröffnet wird, ebenso zu sehen wie Gemälde, die mit ihren sphärischen Farben an Fotos aus dem Weltraum erinnern. „Junge Leute begreifen sich als Experimentierende“, lautet der Kommentar des Professors.

Das, was die Studenten der Außenstelle produziert haben, hat die unter anderem mit Munding und Flinzer sowie dem Laufer Sammler Wilfried Appelt und Vertretern der Sponsoren besetzte Jury am Montag unter die Lupe genommen. Eine „ernstzunehmende Qualität“ hätten die Kunstwerke durch die Bank gehabt, sagt Munding. Am Ende kristallisierten sich zwei erste Preisträgerinnen heraus: Franziska Ipfelkofer und Christine Preuss erhalten jeweils 700 Euro.

Mit 400 Euro ist der dritte Preis dotiert, den Phillip Seegets für eine ungewöhnliche Aktion erhält: Er hatte mehrere Blätter mit eigenen Zeichnungen mit Hammer und Nagel an der Außenwand des Neuen Museums in Nürnberg befestigt. In der Ausstellung zum Kunstpreis, die am Mittwochabend im Wenzelschloss eröffnet wird, dokumentiert er unter anderem einen Brief des Kurators.

Ipfelkofer, die im fünften Semester studiert, zeigt eine Installation, deren Prinzip die Verfremdung von Filmausschnitten ist. „James Bond“ oder „Tod in Venedig“ laufen in kurzen Videoschleifen, mitunter sind nur kleinste Bildausschnitte sichtbar. Monitore, Videorekorder und Projektoren sind Teil der Installation. Preuss dagegen bewegt sich mit ihrer Arbeit „June Snow“ zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei. Auf dem Ölgemälde zu sehen: sphärischer Nebel, dunkle Flecken und farbige Lichter.

Die Jury sprach außerdem Kimberly Gebert den Eibl-Preis und Agata Kokotowksi den Grand Prix zu (jeweils 500 Euro). Beide Auszeichnungen sind nach Sponsoren benannt. Kokotowksi hat, für den flüchtigen Betrachter kaum sichtbar, dünne Fäden vor eine weiße Wand gespannt, Gebert erkundet die Grenzen zwischen realem Raum und Videoprojektion. In ihrem siebenminütigen Film „Perfide Perforation“ tritt die Künstlerin selbst auf. Vor weißer Wand greift sie nach Trauben, die auf einem weißen Tisch liegen und wirft diese aus dem Bildausschnitt hinaus. Später verlässt sie diesen selbst – um kurz darauf zurückzukehren.

Seit einem Vierteljahrhundert vergibt die Stadt Lauf ihren Kunstförderpreis. Die 25. Auflage des Wettbewerbs ist wohl die vorletzte. Im Sommer 2013 wird die Akademie-Außenstelle voraussichtlich geschlossen. Dann ziehen die beiden derzeit im Wenzelschloss untergebrachten Klassen in die Nürnberger Bingstraße um, wo neu gebaut wird (wir berichteten). „Wir glauben schon, dass das realistisch ist“, sagt Munding zu diesem Zeitplan. Die Stadt Lauf möchte nach dem Wegzug ein europäisches Bildungszentrum auf der Schlossinsel einrichten. Konkrete Einzelheiten zu diesen Plänen hat der Bürgermeister aber bisher – auch auf Nachfrage – nicht bekanntgegeben.

Die Ausstellung im Wenzelschloss ist von Donnerstag bis Sonntag immer von 10 bis 18 Uhr geöffnet.




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