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Lokales PZ
28.07.11 10:01 Uhr

Klage gegen Windrad

Von: Clemens Fischer

Bürgerprotest in Bullach. Foto: Sichelstiel

LAUF — Die Stadt Lauf will das geplante Windrad zwischen Neunhof und Bullach per Gerichtsentscheid verhindern. Mit großer Mehrheit beschlossen die Räte im Bauausschuss, auf jeden Fall gegen die Genehmigung des Landratsamts zu klagen, sollte diese, wie von der Behörde angekündigt, Mitte August gegen den Willen Laufs erteilt werden.

Mit 9:4 Stimmen war man einem entsprechenden Antrag der CSU-Fraktion gefolgt. Diese hatte den sogenannten Vorratsbeschluss angeregt, um nicht in der Ferienzeit mit einem Sonderausschuss und hektisch über eine eventuelle Klage zu entscheiden. Die Stadt hat nämlich nach der Genehmigung des Windrads auf dem Galgenberg durch die Kreisbehörde nur vier Wochen Zeit, um vor Gericht zu ziehen. Und weil man erwartet, dass das Landratsamt auch den „sofortigen Vollzug“ genehmigt, soll auch dagegen Klage vor dem Verwaltungsgericht erhoben werden.

Unabhängig von inhaltlich unterschiedlichen Auffassungen wurde von allen Fraktionen heftige Kritik an der Kreisbehörde geübt, deren „vollkommen unverständliche Verzögerung“ der Genehmigung diesen Vorratsbeschluss überhaupt erst notwendig gemacht habe, wie CSU-Sprecher Mayer sagte, aber auch Bürgermeister Bisping oder SPD-Sprecher Ittner massiv beklagten. Schon Anfang Februar nämlich versagte Lauf dem Antrag des Windinvestors Kessler das „Einvernehmen“, wie Bauamtsleiter Zenger erinnert. Seitdem liegt das Papier auch im Landratsamt, das wiederum schon Ende April die Rechtswidrigkeit der Laufer Ablehnung feststellte. Die Stadt blieb bei ihrer Meinung, dass das Windrad nicht gebaut werden darf und wartet nun seit Monaten auf die Entscheidung für die Anlage.

Zenger konnte auch mitteilen, dass durch die Klage keine Schadensersatzansprüche auf die Stadt zukommen, aber natürlich mit Kosten bis zum „überschaubaren Betrag“ von 15 000 Euro für Rechtsanwalt und Gericht gerechnet werden müssen, wenn man den Prozess verliere. Was der Verwaltungsmann für wahrscheinlich hält, weil die meisten Urteile für den Windkraftinvestor ausgegangen seien.

Für die Klage gegen eine Genehmigung stimmten neben den CSU-Stadträten auch die SPD-Fraktion sowie Zeltner von den FW. Dabei brachte es SPD-Sprecher Frank Ittner auf den Punkt, warum man gerichtlich gegen das Windrad vorgehen will. „Wir entscheiden hier nicht für oder gegen Windkraft. Natürlich sind wir für Windenergie, aber bei Bullach und Neunhof wollen die Menschen ganz offensichtlich das Rad nicht vor ihrer Haustür. Nur das ist der Grund auch für uns, diese Anlage abzulehnen.“ Außerdem stelle im Rechtsstaat das Gericht fest, ob etwas rechtskräftig sei oder nicht, aber doch nicht das Landratsamt. Leider hätten Bürgermeister oder Landrat aufgrund geltender Gesetze so wenig Spielraum, dass man sich als Stadtrat als letzter Anwalt der Bürger fühlen müsse. „Und wir sehen uns so.“

Vor der Abstimmung war es im Bauausschuss noch einmal zu einem politischen Schlagabtausch gekommen. Christian Mayer von der CSU forderte Bürgermeister Bisping auf, den Beschluss zügig und mit Nachdruck umzusetzen, auch wenn es seiner Gesinnung widerspreche. Fast amüsiert habe es ihn, so Mayer, wie die Grünen in einer Anzeige Legendenbildung betrieben, die CSU und die Bürger seien schuld wenn es nicht funktioniere, nur die Grünen nicht. Er verstehe auch die Empfindlichkeit der Grünen nicht, wenn Bürger ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen und den Bürgermeister auspfeifen: „Gerade die Grünen waren doch nie zimperlich, wenn es um ihre Ideen ging.“ Nur um Panikmache handele sich, wenn die Grünen jetzt das „Märchen vom Schadenersatz“ oder von den Prozesskosten erzählten.

Tatsächlich ist Bisping überzeugt davon, dass die Klage keinen Erfolg hat und fragte, ob man sich denn überlegt habe, wie es bei einer Niederlage weitergehen solle oder ob auch Gutachterkosten zu zahlen seien. Außerdem vermisse er im CSU-Antrag die Begründung. Vermutlich deshalb, weil es keine gebe. Das Neunhofer Windrad übererfülle beispielsweise alle Vorschriften. Und selbstverständlich habe man 2003, als der Standort Galgenberg einstimmig im Stadtrat beschlossen wurde, schon über 100 Meter hohe Windräder gesprochen, oder über Landschaftsbild und Naturschutz. „Leider fand damals, als die Weichen gestellt wurden, aber keine Bürgerbeteiligung statt“.

Grundsätzlich wurde Stadtrat Kern von den Grünen. Wenn Parteien festlegten, wie das Recht auszulegen sei, dann legten sie die Hand an den Rechtsstaat, verteidigte er die Juristenmeinung im Landratsamt. Die Abgeordneten der CSU hätten hier auf Gesetzgeberebene eingreifen müssen, aber passiert sei nichts. Weil was früher eine grüne Illusion gewesen ist, heute das Konzept der Staatsregierung sei.

Auch FW-Mann Offenhammer stimmte gegen die Klage, „weil die Gesetzeslage nun mal so ein Windrad ausdrücklich zulässt und sogar fördert“. Und deshalb habe er auch nichts gegen einen auswärtigen Investor. Die CSU tue nichts an der Stelle, an der was bewegt werden könnte. Denn natürlich bedürfe es einer Gesetzesänderung, weil einfach ein Unterschied zwischen dem dicht besiedelten Franken und dem flachen norddeutschen Land bestehe.

Es sei zu billig, so entgegnete wiederum Felßner von der CSU, wenn man immer auf die Landesregierung verweise. Dort nämlich sei ausdrücklich von der Einbindung der Bürger und von der Wertschöpfung vor Ort die Rede. Von beidem könne ja bei Bullach nicht die Rede sei. Außerdem werde die Privilegierung eines Windrades hier schon allein dadurch aufgehoben, dass es einfach nicht effektiv und deshalb auch nicht zumutbar sei.




Kommentare

Frank oliver, Lauf, 07.09.2011 23:19:
Die Bürger wurden in mehreren Veranstaltung und durch diese Zeitung regelmässig informiert.

Herr Flessner hat sich nun selbst in eine Argumentationsfalle begeben, aus der ein Ausweg schwierig scheint wenn - wie vom Planer angekündigt - die Anlage als Laufer Bürgerwindrad erfrolgreich dreht...
Heinz Fusiol, Nürnberg, 31.07.2011 22:26:
Hallo Herr Rduch,

seien Sie froh, daß es kein Bürgerwindrat gibt. So bleibt das Geld der angrenzenden Bürger im Wirtschaftskreislauf und nur das Geld auswertiger Investoren wird verbrannt. Mir ist es immer noch nicht klar, warum Sie für ein Projekt sind, das nachweislich keine Energieeffizenz hat. Lassen Sie den von Investor nicht aus der Prospekthaftung und verhindern Sie mit ein Bürgerwindrad, das sich laut (verschlossenen) Gutachten der Stadt Lauf niemals rechnet. Jedenfalls nicht für Anleger.
Und überlegen Sie, was Sie als noch gewälter Stadtrat über ihre Kollegen schreiben. Auch eine 9zu4 Abstimmung ist eine klare Mehrheit, die ein Demokrat akzepiert ansonsten wäre es Faschismus und den wollen wir doch alle nicht mehr, auch keinen Grünen.
ilse kern, Neunhof, 30.07.2011 19:48:
Sehr geehrter Herr Macher,
da sie den Radweg nach Neunhof ansprechen, möchte ich dazu etwas anmerken. Seit mindestens 20 Jahren wurde er von vielen Neunhofern gewünscht und ist jetzt endlich seit fast zwei Jahren Wirklichkeit geworden. Selbst bei der letzten Bürgerversammlung unter der Leitung von Herrn Bürgermeister Pompl war noch nicht sicher, wann er gebaut wird. Umso mehr wird dieser tolle Radweg jetzt von sehr vielen Menschen angenommen und benützt
Stefan Schmitz, Leinburg, 28.07.2011 21:48:
So ist das nun mal, jeder will zurück zur Natur, bloss keiner zu Fuss. Oder war´s heiliger St. Florian, schütz unser Haus, zünd andre an?
Man sollte die Ortsschilder vielleicht gegen "Schilda"-Schilder austauschen. Es würde mich interessieren, wiviele von den Bürgern, die so vehement gegen ein Windrad sind, schon einmal ein solches aus nächster Nähe gesehen, bzw. erlebt haben.
thomas schneider, Lauf, 28.07.2011 21:08:
Na den Strom wollen wir den Bullachern nicht abschalten sonder lieber den Ökostrom vom Windrad liefern und verkaufen.
Die vielen Bullacher und Neunhöfer die mittlerweile eingesehen haben dass es eine gute Sache ist mit dem Windrad darf ich ermutigen sich an diesen Windrad zu beteiligen.
Und bitte immer schön sachlich bleiben. Danke
Bürger Landkreis, Hersbruck, 28.07.2011 20:21:
Man sollte Windkraftgegnern Miniatomkraftwerkke direkt vor die Haustür stellen und dann die Wasserkühlung abschalten! Wie einer meiner Vorredner schon sagte: "denn wer nicht bereit ist, selbtst Kompromisse einzugehen, darf auch nicht erwarten, dass er Strom von woandersher bekommt." Wie können die Leute nach Fukushima so blöd sein und gegen die Windkraft sein? Fukushima kann sich jederzeit wiederholen auch bei uns in Deutschland!!! Windkraftgegner sind einfach nur dumm!
An wohner, Gemeindegebiet, 28.07.2011 17:20:
Tolle Provinzposse ! "Natürlich sind wir für Windenergie, aber bei Bullach und Neunhof wollen die Menschen ganz offensichtlich das Rad nicht vor ihrer Haustür". Gut, dann schaltet den Leuten doch den Strom ab, denn wer nicht bereit ist, selbtst Kompromisse einzugehen, darf auch nicht erwarten, dass er Strom von woandersher bekommt.
Der Demokrat, Lauf, 28.07.2011 15:01:
Es ist schon bedauerlich oder leider absurte Normalität, wie der grüne Mandatsträger Rduch mit demokratischen Beschlüssen umgeht. Wenn wir schon über rausgeschmissenes Geld diskutieren, sollte man naatürlich auch die grünen Projekte genauer betrachten. Wie hoch waren denn die Kosten für den Käthe-Kern-Radweg ncoh Neunhof (nach Umplanung durch die Frau des Grünenstadtrates. Oder was ist mit der Lustreise des Bürgermeisters mit einigen Vassalen nach Oberbayern, um eine von sämtlichen namhaften Ökoverbänden abgelehnte und nicht als ökologisch anzuerkennende Zertifizirrung abzuholen, die es nachfolgenden Generationen unmögloich macht, aus den städtischen Wäldern Holz zu entnehmnen um dieses z. B. in der geplanten Heizung des Laufer Schulzentrums zu verfeuern. Jetzt kaufen wir lieber Holz an. Und so könnte mann immer weiter über grüne Investitionen schreibedn. H. Rduch überlegen Sie das nächste mal bitte bevor sie schreiben.

Heinz Macher
Peter Rduch, Lauf, 28.07.2011 12:30:
Die Geschichte erinnert ein wenig an "ein kleines Dorf in Gallien". Nur leider hat sich das heldenhafte Verhalten mit welcher Asterix und Obelix zu Werke gingen, bei den Bürgerinitiativen und Fraktionen welche gegen die "Windmühlen kämpfen" offenbar in blinden, unsinnigen und populistischen Aktionissmus verwandelt. Ein erleuchtender Zaubertrank war hier jedenfalls offenbar nicht im Spiel. Die "große Mehrheit der Räte" (9/4)dürfte es mit Ihrem Vorratsbeschluß geschafft haben die Möglichkeit eines Bürgerwindrades am Galgenberg auch noch zu verhindern. Die Stadt Lauf wird verpflichtet für eine aussichtslose Klage 15 000.- Euro zum Fenster hinaus zu werfen und die Neunhofer und Bullacher Bürger werden am Ende täglich ein Windrad ansehen welches von Auswärtigen betrieben und bewirtschaftet wird. Ich gratuliere!

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