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Lokales DB
22.07.11 17:23 Uhr

Größe der Windrad-Zone spaltet den Ausschuss

Von: Lorenz Märtl

Der Kompromiss, den Bürgermeister Erich Odörfer im Lauf der Sitzung präsentierte und der keine Mehrheit fand, grafisch dargestellt.  Ursprünglich war der Vorschlag der Verwaltung, die bis an die Gemarkungsgrenze reichende Konzentrationszone von Offenhausen um 23 Hektar zu erweitern. Im Kompromiss wären weitere 19 Hektar dazu gekommen – unter Einhaltung der vom Stadtrat festgelegten Mindestentfernung von 1000 Metern von bewohnten Gebieten. Grafik: Stadtbauamt
Der Kompromiss, den Bürgermeister Erich Odörfer im Lauf der Sitzung präsentierte und der keine Mehrheit fand, grafisch dargestellt. Ursprünglich war der Vorschlag der Verwaltung, die bis an die Gemarkungsgrenze reichende Konzentrationszone von Offenhausen um 23 Hektar zu erweitern. Im Kompromiss wären weitere 19 Hektar dazu gekommen – unter Einhaltung der vom Stadtrat festgelegten Mindestentfernung von 1000 Metern von bewohnten Gebieten. Grafik: Stadtbauamt

ALTDORF/EISMANNSBERG – Paukenschlag im Stadtentwicklungsausschuss: Trotz intensiver fast eineinhalbstündiger Diskussion und der erkennbaren Tendenz, die Weichen für eine „Konzentrationszone Windkraft“ bei Eismannsberg zu stellen, wurde der im Lauf der Diskussion von Bürgermeister Erich Odörfer präsentierte Kompromissvorschlag mit 9:4-Stimmen abgelehnt. Bereits am nächsten Donnerstag dürfte die Diskussion erneut aufgerollt werden, wenn sich der Stadtrat mit der Thematik befasst.

Dem wollte man eigentlich einen empfehlenden Beschluss präsentieren, in der anstehenden Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Konzentrationsflächen für Windenergieanlagen darzustellen.

Und weiter wollte man – so zumindest die Vorstellung der Verwaltung – gegenüber dem Planungsausschuss des Planungsverbandes Industrieregion Mittelfranken, der am Montag in Nürnberg tagt, ein Zeichen setzen, denn dort sollen zum einen das Windenergiekonzept fortgeschrieben und eine Entscheidung zur Errichtung einer neuen Windkraftanlage im Bereich der Gemarkung Eismannsberg (Flurnummern 1667 und 1668) durch die Flemma Ö. Energie GmbH & Co KG fallen.

Und in der Sitzungsvorlage wird ausdrücklich auf das bis dahin vorliegende Ergebnis der Beratungen in Altdorf verwiesen.

Nur mit der Ausweisung einer entsprechenden Konzentrationsfläche für Windenergie hat die Stadt für die Zukunft das Heft des Handelns in der Hand, denn eine Kommune kann die Flächen für die Errichtung von Windenergieanlagen nur dann steuern, wenn in der Bauleitplanung entsprechend geeignete Konzentrationsflächen hierfür ausgewiesen werden. Der zur Zeit rechtswirksame Flächennutzungsplan der Stadt Altdorf beinhaltet bis jetzt keine Konzentrationsflächen für Windenergie.

Da nach dem Baugesetzbuch Vorhaben, die der Nutzung der Windenergie dienen, privilegiert sind, bedeutet dies, dass an allen geeigneten Orten solche Anlagen grundsätzlich errichtet werden können. Dies gilt unabhängig davon, ob die Windenergieanlagen in Einzellage (also als Einzelanlagen), oder in einem Gebiet zusammengefasst errichtet werden.

Abrundung

In der Nachbarkommune Offenhausen ist man da schon weiter: Dort ist bereits ein Sondergebiet „Konzen-trationszone Windenergie“ mit einer Fläche von ca. 69 ha östlich des Ortsteils Oberndorf ausgewiesen, wogegen auch der Altdorfer Stadtrat mehrheitlich keine Bedenken hatte.

Die Fläche grenzt direkt an das Gemeindegebiet Altdorf (nördlich der Ortsteile Eismannsberg und Wappeltshofen – jenseits der Bundesautobahn A 6) an.

Zwischenzeitlich wurden auch die Bürgerenergiewerke Offenhausen gegründet (siehe Bericht an anderer Stelle).

Eigentliches Ziel der Sitzung sollte es sein, mit der Ausweisung der Konzentrationsfläche eine „Streuung“ von Einzelanlagen über das gesamte Gemeindegebiet zu vermeiden. Deswegen der Vorschlag der Verwaltung, das Offenhausener Areal auf Altdorfer Stadtgebiet mit einer Fläche von ca. 20 Hektar abzurunden.

Gleichzeitig soll auch noch eine Fläche von ca. 20 Hektar südwestlich von Klingenhof auf Altdorfer Gebiet als Konzentrationsfläche ausgewiesen werden, die in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Leinburg insgesamt noch größer werden könnte.

„Viele Dinge haben sich nach Fukushima geändert“, brachte es Bürgermeister Erich Odörfer zu Beginn der Diskussion auf den Punkt. Egal wie man dazu stehe, aufhalten könne man die Windräder nicht und deswegen sollte man gemeinsame Lösungen finden und auch die Bürger an der Wertschöpfung beteiligen.

Er verstehe die ablehnende Haltung der Eismannsberger, aber er warnte davor, neue Gräben aufzureißen. Vielmehr sollte man nach einem Kompromiss suchen und den sehe die Verwaltung in ihren Vorschlägen.

„Wenn wir die Entwicklung beeinflussen wollen, dann brauchen wir eine Konzentrationsfläche, verbunden mit der Festsetzung, dass in anderen Bereichen der Stadt nichts mehr geht“, betonte Dr. Johann Peter Pöllot. Beide Gebiet seien sinnvoll, natürlich unter Einhaltung der bereits beschlossenen Mindestentfernung von 1000 Metern.

Angesichts der geänderten Ansichten falle ihm die Argumentation leichter, betonte Grünen-Stadtrat Eckhard Pätzold, der anmerkte, dass der vorgeschlagene Bereich der Verwaltung aber den Nachteil habe, dass man angesichts der bereits vorhandenen Windräder in diesem Bereich bei Einhaltung der notwendigen Abstände so gut wie keine weiteren mehr aufstellen könne.

Er plädierte dafür, statt der vorgeschlagenen Fläche den ursprünglich von der Planungsregion vorgeschlagenen Bereich (WK 8) zu übernehmen.

Thomas Dietz (UNA) äußerte ebenfalls die Befürchtung, dass das vorgeschlagene Areal zu klein sei. Auch er liebäugelte mit dem ursprünglichen WK 8. Zudem wäre es sinnvoll, den Bereich gemeinsam mit Offenhausen zu verplanen, damit insgesamt eine gute Lösung heraus komme.

„Der Wind der Veränderung bläst“, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Ernst Bergmann, für den die Kernfrage lautet: Wieviel Windräder passen da hin. Jeder behaupte etwas anderes, aber im Endeffekt wisse es keiner. „Und wenn ich nicht weiß, wie viele hinpassen, dann weiß ich nicht, wie groß der vernünftige Beitrag ist.“

Wenn tatsächlich keines mehr hinpasse würde, dann sei die Ausweisung quasi ein Verhinderungsbeschluss und den werde die Regierung nicht akzeptieren.Das war das Stichwort für die Eismannsberger Ortssprecherin Christa Wild: „Wenn gar keines hinpassen würde, dann sind die Eismannsberger für die Ausweisung der Konzentrationsfläche.“

In Eismannsberg wolle man keine weiteren Windräder, das im Stadtrat zu sagen, sei ihr Auftrag. Warum in den anderen Bereichen der Stadt der Landschaftsschutz wichtig sei und für Eismannsberg nicht, das verstehe sie nicht. „Warum werden da so unterschiedliche Kriterien gesetzt?“ Was im Rahmen der Flurneuordnung den Bürgern versprochen wurde, habe nun plötzlich keine Bedeutung mehr. Wenn es so komme, dann sei erheblicher Unfrieden vorprogrammiert. „Treffen Sie eine Entscheidung zum Wohl der Eismannsberger, wir haben den gleichen Schutz wie die anderen auch verdient“, war ihr abschließender Appell.

Die Diskussion drehte sich dann ausführlich um die Frage, wie viele Windräder sich zum einen der Stadtrat in diesem Bereich vorstellen kann, wie viele gehen und wie groß der Bereich, der als Konzentrationsfläche gedacht ist, sein soll. Dabei gingen die Meinungen sehr weit auseinander.

Letzlich, so das Fazit, könne diese Frage nur von einem echten Fachmann beantworten. Hilfreich wäre es gewesen, wenn man diese Informationen schon zur Sitzung gehabt hätte, meinte Karin Völkl. Sie könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man dem Gremium eine Fläche unterjubeln wollte, auf der man nichts mehr errichten könne, was aber Bürgermeister Erich Odörfer energisch zurückwies.

Dagegen, dass man den Eismannsbergern etwas reinwürgen wolle, wandte sich Martin Tabor: „Wir müssen uns der Situation stellen.“

Im Lauf der weiteren Diskussion tauchten dann immer wieder andere Zuschnitte des Konzentrationsgebietes auf: Seitens der Verwaltung kam der Kompromissvorschlag, die ursprünglich 23 Hektar um 19 Hektar zu erweitern. Damit habe man dann ein Gebiet von 42 Hektar. Wieder ein anderer Vorschlag (Pätzold, Dietz) favorisierte weiter das ursprüngliche WK 8.

Dass man bei dieser Bandbreite in der Sitzung wohl zu keinem Ergebnis kommen würde, befürchtete Thomas Dietz schon sehr früh. Wenn man die Beratung dieses Vorschlags vor der Stadtratssitzung noch einmal in die Fraktionen verweise, dann sehe er einen breiten Konsens.

Aber angesichts der anstehenden Beratungen im Planungsausschuss stellte der Bürgermeister den Kompromissvorschlag zur Abstimmung, mit dem bekannten Ergebnis.

Bleibt abzuwarten, wie der Planungsausschuss in seiner Sitzung am Montag die Altdorfer Signale deutet und vor allem im anstehenden Einzelfall entscheidet. Wir werden darüber berichten.

 




Kommentare

Matze Rensle, Neunkirchen am Sand, 25.07.2011 18:35:
Ganz einfach: 8760 ist genauso eine willkürliche Festlegung wie 6725 oder 9781 eine wäre. Das sagt rein gar nix aus, weil Rentabilität jeder anders sieht.
Für mich persönlich rentiert sich ein Windrad sobald es Strom produziert. Strom aus der unerschöpflichen Quelle "Wind".
Die Zeit, dass sich erneuerbare Energien auch ohne Subventionen finanziell rechnen, ist noch nicht da. Aber mal ehrlich...wie viel Geld haben wir in Kohlesubventionen gesteckt, um dort Arbeitsplätze zu erhalten...und vorallem was kam dabei heraus?
Erst wenn Öl und Gas noch teuerer werden, dann werden sich die erneuerbaren Energieren bezahlt machen, und dann wird es hoffentlich auch der letzte begreifen.
Bernhard Blasen, Stöckelsberg, 24.07.2011 14:51:
Wenn nur irgendwann mal jemand, der ein Windrad betreibt, wirklich belegen würde, das es rentabel arbeitet. Rentabel im Sinne von Strom-Produktion, nicht rentabel unter Einschluss aller Subventionen und Ausfallvergütungen!
Zählerstand Ende des Jahres - Zählerstand Anfang des Jahres - das ist die Stromproduktion und 8760 geteilt durch diese Zahl sollte mindestens 2000 ergeben - dann scheint das Windrad sinnvoll zu sein.
Aber diese Zahlen werden als Geheimnis gehütet wie die Zugangscodes zu Fort Knox - warum wohl?
Matze Rensle, Neunkirchen am Sand, 24.07.2011 11:40:
Huber Schorsch, ich glaube vor dem Verfassen dieses Beitrags haben sie wohl das eine oder andere Öttinger zu viel getrunken. Unmöglich...
Schorsch Huber, Lauf, 24.07.2011 08:56:
Frau Kissling das meine ich nicht das es soetwas nochmal gibt, eine neue Lage und als Konzentrationslage. Gibt es das noch ? ich habe gemeid es gibt es seit 70 Jahren nicht mehr.Da trink ich mal ein Öttinger darauf das dies nicht mehr gibt.
Margit Kiessling, Altdorf, 22.07.2011 20:10:
Bürgermeister Odörfer hat es auf den Punkt gebracht. Nach Fukushima hat sich die Welt verändert und nichts ist mehr wie es vorher war, auch wenn man davon in Eismannsberg nichts wissen möchte. Der Atomausstieg wurde beschlossen und nun gilt es danach zu handeln. Wir haben von Gott gegebene, gut geeignete Flächen für Windenergie zur Verfügung. Das Gebiet WK 8 wurde bereits vom Planungs-verband der Industrieregion Mittelfranken vorab untersucht und für bestens geeignet befunden. Mit der im Stadtrat festgelegten Abstandsfläche von 1000 Metern sollte
es keine Akzeptanzprobleme mehr geben, obwohl nach Meinung vom Bund Naturschutz 800 Meter ausreichend wären.
Windräder könnten im Gebiet WK 8 mit der Ausweisung als Konzentrationszone zügig realisiert werden, weil auf langwierige Voruntersuchungen verzichtet werden kann. Allerdings sollten nur Bürgerwindräder bzw. Windräder auf Genossenschaftsbasis realisiert werden, um eine größtmöglichste Beteiligung der Bürger vor Ort sicher-zustellen. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Eismannsberger langfristig Windräder akzeptieren werden, vor allem, diejenigen die sich daran beteiligen und dann zurecht gutes Geld damit verdienen. Damit können und werden wir es auch in absehbarer Zeit in Altdorf schaffen, unseren Energiebedarf vollkommen klimaneutral und vor Ort selber, bzw. dezentral zu erzeugen, wie beispielsweise die Gemeinde Offenhausen. Werden keine Konzentrationszone ausgewiesen, werden aufgrund ihrer Privilegierung Windräder
überall im Außenbereich gebaut werden können, ohne dass wir etwas dagegen unternehmen könnten und das wäre auch mir
als absolute Befürworterin der Windenergie des Guten zu viel.

Stadträtin Margit Kiessling

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