Polizei und Landratsamt beurteilen Lage im Nürnberger Land

Asylbewerber keine Bedrohung für die Sicherheit

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NÜRNBERGER LAND — Kriminelle Asylbewerber? Ja, gibt es im Nürnberger Land. Aber „allgemeine Beunruhigung“ sei nicht angebracht, findet Rolf List, der Sprecher des Landrats­amts. Die Laufer Behörde stuft „die Sicherheitslage im Landkreis in Bezug auf das Thema Asyl“ nach einer Konferenz mit der Polizei als „in Ordnung“ ein.

Konkrete Zahlen kann Behördensprecher List nicht nennen, wohl aber weiß er von Polizeieinsätzen in und um Asylbewerber­unterkünfte, von denen die Beamten jetzt dem Landrat und den Bürgermeistern aus dem Nürnberger Land berichteten. Meist handele es sich um Streitigkeiten von Flüchtlingen untereinander, so List, „bis hin zur Körperverletzung“, bei denen Alkohol eine Rolle als „Konfliktbeschleuniger“ spiele. Die Auseinandersetzungen seien oft auf die mangelnde Intimsphäre in Notunterkünften zurückzuführen, wie es sie in Schwaig oder Lauf gibt.

In Hersbruck und Schnait­tach tauchten List zufolge Banden aus Georgien und dem Kosovo auf, deren Mitglieder als Asylbewerber gemeldet waren und im Verdacht stehen, auf Einbruchstour zu gehen. Bereits im November 2014 berichtete die Pegnitz-Zeitung über die Festnahme zweier Osteuropäer im zur Asylbewerberunterkunft umgebauten Schnait­tacher Schaffer-Bräustüberl. Die Pressestelle des Nürnberger Polizeipräsidiums wollte damals aber nicht bestätigen, dass die Festgenommenen Bewohner der Unterkunft waren – um ihr Persönlichkeitsrecht zu wahren, wie eine Sprecherin erklärte.

Als Sexualdelikt stuft die Polizei ein, was sich am Samstag, 9. Januar, im Chotieschauer Weg in Hersbruck ereignet hat. Dort warfen drei betrunkene Männer mindestens einer Frau unflätige Bemerkungen an den Kopf. Zur Nationalität der Tatverdächtigen äußerte sich das Präsidium zunächst nicht, einen Tag später hieß es dann, es handele sich um Pakistaner. Offen blieb aber auch hier anfangs, ob die drei Männer Asylbewerber waren.

Ein Sexualdelikt erfasst

„Es gibt durchaus Vorfälle“, fasst List gegenüber der Pegnitz-Zeitung zusammen, und die Politik im Nürnberger Land sei gewillt, diese im Auge zu behalten. Möglichst monatlich wollen sich Bürgermeister und Polizeivertreter in Zukunft treffen, „um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten“. Doch Alarmismus sei nicht angebracht, sagt der Sprecher des Landratsamts. Die meisten Polizeieinsätze gebe es innerhalb der Unterkünfte, nicht im öffentlichen Raum, und bei den Sexualdelikten sei die Lage laut Polizei – bis auf die verbale Attacke in Hersbruck – unauffällig.

Die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln waren der Anlass für das binnen einer Woche einberufene Treffen, an dem Vertreter des Präsidiums ebenso wie der Polizeiinspektionen im Landkreis teilnahmen. List: „Die Bürger fühlen sich unsicher.“ Diese Erkenntnis ist mittlerweile bei den Rathauschefs und im Landratsamt angekommen.

Die Bürger rüsten auf

Die Statistik spricht ebenfalls dafür. Gingen beim Landrats­amt 2014 noch 19 Anträge auf Erteilung eines sogenannten Kleinen Waffenscheins ein, den man benötigt, um Signal-, Reizstoff- oder Schreckschusswaffen außerhalb des eigenen Grundstücks zu führen, so waren es 2015 77 Anträge. „Das ging nach dem Attentat in Paris los“, sagt Gerhard Hertlein, der das Sachgebiet Sicherheitsrecht leitet. In den ersten Tagen dieses Jahres hatten er und seine Mitarbeiter viel zu tun: Sie nahmen 55 Anträge entgegen.

Vor der Erteilung werden unter anderem eventuelle Vorstrafen des Antragsstellers überprüft, einen Grund dafür, warum er eine Schreckschusswaffe führen möchte, muss dieser aber nicht nennen. Hertlein warnt: „Diese Waffen bieten nicht nur Sicherheit. Je nachdem, wie die Gegenseite im Ernstfall bewaffnet ist, kann das auch blöd ausgehen.“

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