Klimafreundlicher Landkreis, ein weiter Weg

NÜRNBERGER LAND (gz) – Beim Nutzen von Hackschnitzeln und anderer Biomasse zum Heizen steht der Landkreis mit fast einem Viertel Alternativenergie schon ganz gut da. Schlecht schaut es beim Strom aus, der noch zu 95 Prozent aus der konventionellen Steckdose kommt. Auch vom Stromsparen in privaten Haushalten ist nichts zu merken. Das waren einige erste Aussagen des Klimaschutzkonzepts, das der Landkreis derzeit erstellen lässt.

Wann gibt es den „Landkreis mit sicherer, sauberer, bezahlbarer, regenerativer und regionaler Energie“? Das Motto, das der Landrat fürs „integrierte Klimaschutzkonzept“ im Nürnberger Land vorgibt, ist ein hehres Ziel. Bislang wissen die beauftragten Wissenschaftler immerhin, wie weit der Weg dorthin ist. Denn der im Umweltausschuss des Kreistags vorgelegte Zwischenbericht von Prof. Dr. Ing. Markus Brautsch (Institut für Energietechnik Hochschule Amberg-Weiden) hat erst einmal den Ist-Zustand des Energieverbrauchs erfasst.

Wesentliche Erkenntnisse: Rund zwei Drittel von Strom und Gas verbrauchen private Unternehmen, knapp ein Drittel die Haushalte. Mit nur zwei bis vier Prozent Anteil haben Gemeinde- und Landkreisverwaltungen hier nur geringe direkte Steuerungsmöglichkeiten. Der Stromverbrauch sinkt nicht, auch nicht in den privaten Haushalten. Trotz starkem Aufwind bei Photovoltaik und Windkraft: Nur fünf Prozent der jährlich im Landkreis verbrauchten Strommenge von 600 Millionen Kilowattstunden werden aus erneuerbaren Energien gewonnen. „Das ist noch ausbaufähig“, so Gutachter Brautsch. Im Bundesdurchschnitt schaffen die „Erneuerbaren“ nämlich schon 20 Prozent, aber auch in Nachbarlandkreisen wie Neumarkt und Roth ist die Quote höher als im Nürnberger Land.

Besser schaut es beim Heizen aus. Zu 72 Prozent kommt hier noch Heizöl zum Einsatz, aber schon zu 24 Prozent Biomasse (Hackschnitzel und Co.). Brautsch: „Das ist beachtlich!“

Kleiner Vergleich: Fürs Heizen verbrauchen die Landkreis-Bürger im Jahr insgesamt eine Energiemenge von 110 Millionen Liter Heizöl (auch Biomasse und Kohle umgerechnet). Weit mehr Energie frisst der Autoverkehr, nämlich 160 Millionen Liter Diesel (aller Kraftstoff in Diesel umgerechnet). Gut die Hälfte davon verbrauchen wir im privaten Pkw, die andere Hälfte teilen sich zu etwa gleichen Teilen Busse und Lkw. Sprich: Auch hier ließe sich beim Umstieg auf Busse und Bahnen — oder aufs Rad — noch viel sparen.

Wenig erfreulich auch die CO2-Bilanz des Landkreises. 1,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid gehen im wunderschönen Nürnberger Land mit seinen 42 Prozent Acker- und 44 Prozent Waldfläche jährlich in die Luft. Das sind 9,6 Tonnen pro Einwohner, im bayerischen Durchschnitt sind es nur 9,3 Tonnen pro Kopf. Dieser Ausstoß müsste aber auf ein Drittel sinken, wenn das globale Klimaziel erreicht werden soll, die Erderwärmung in den nächsten Jahren um zwei Grad Celsius zu bremsen.

Deshalb heißt die nächste Stufe im Klimakonzept: Wo liegen im Landkreis die Potenziale für erneuerbare Energie und wie groß sind sie?

N-Land Hersbrucker Zeitung
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