Rückersdorfer fährt ein Plug-In-Hybridauto

Innovativ und lebensgefährlich

Dirk Borgers mit seinem Opel Ampera, dem einzigen im Landkreis. „Dieses Auto ist etwas für Spezialisten“, sagt er. Den Kauf des Plug-in-Hybriden hat der Diplom-Ingenieur nie bereut. Foto: Kirchmayer
Dirk Borgers mit seinem Opel Ampera, dem einzigen im Landkreis. „Dieses Auto ist etwas für Spezialisten“, sagt er. Den Kauf des Plug-in-Hybriden hat der Diplom-Ingenieur nie bereut. Foto: Kirchmayer2016/01/Opel-Ampera-Dirk-Borgers.jpg

RÜCKERSDORF — Leise wie ein Gepard und ähnlich schnell: Der Rückersdorfer Dirk Borgers fährt einen Opel Ampera, das einzige Hybrid­auto dieses Typs im Landkreis. Doch während der Diplom-Ingenieur an den Kraftstoffkosten spart, werden Pannen zur Belastungsprobe: Nur Mitarbeiter von Spezialwerkstätten dürfen den Motor anrühren – wegen Hochspannung besteht Lebensgefahr. Trotz aller Probleme ist sich Borgers sicher: Der E-Mobilität gehört die Zukunft.

„Die meisten Leute registrieren das Auto überhaupt nicht“, sagt Dirk Borgers. Dabei sticht sein Opel Ampera doch wegen seiner futuristischen Frontscheinwerfer in der Form eines Bumerangs gleich ins Auge. Aber der Plug-in-Hybrid des Rückersdorfers gleitet dank des leisen Elektromotors fast lautlos über die Straße. Das ist angenehm für Fahrer und Umgebung, für andere Verkehrsteilnehmer aber nicht ungefährlich. Vor allem jüngere Fußgänger verließen sich auch beim Überqueren der Straße vor allem auf ihr Gehör und achteten nur auf ihr Smartphone. „Das ist ein riesen Problem. Die schauen weder nach links noch nach rechts“, sagt Borgers. Umso vorausschauender muss der 63-Jährige fahren.

Das Herz seines Autos verbirgt sich unter der Motorhaube: Ein Plug-in-Hybrid verbindet einen Benzinmotor und einen Elektromotor, dessen Akku auch mittels Stromanschluss extern aufgeladen werden kann. Wegen den 360 Volt Gleichspannung im Ampera gilt, wie Borgers sagt, „Vorsicht: Hochspannung“. Ein falscher Griff unter die Motorhaube des Hybriden sei „absolut lebensgefährlich, das Auto darf nur in einer Werkstatt mit Hochvolt-Schein überprüft und repariert werden“, erklärt er. Im Nürnberger Land hat er dafür noch keine Anlaufstelle gefunden, deshalb führt sein Weg selbst bei kleinen Aufträgen nach Nürnberg. „Nur speziell geschulte Mitarbeiter dürfen E-Autos und Plug-in-Hybride anfassen“. Solange es davon nur wenige gebe, hemme das die Verbreitung der Autos.

„Traumhafte Energieeffizienz“

Auch der Fahrstil ist ein anderer. „Ich vermeide es zu bremsen, weil es Energie kostet“, sagt Borgers und erklärt die sogenannte Rekuperation: „Die Bewegungsenergie wird als Elektroenergie wieder in den Akku zurückgespeist.“ Das Auto bremst von allein, sobald man vom Gas geht. Das heißt, solange Borgers nicht selbst auf die Bremse tritt, sondern das Auto machen lässt, gewinnt es wieder an Energie und somit an Reichweite – und spart Kraftstoff und Strom. Ganze drei Mal habe er in über eineinhalb Jahren tanken müssen. Daheim hängt Borgers den Ampera an eine spezielle Steckdose, die er in der Garage angebracht hat. Doch auch die dank seines Fahrstils „traumhafte Energieeffizienz“ bringe ein Problem mit sich, meint Borgers: „Die meisten Leute registrieren es nicht, wenn das Auto selbst bremst, weil dabei die Bremsleuchten nicht angehen“, so der Rückersdorfer, der deshalb immer etwas Sorge vor Auffahrunfällen hat.

Der Diplom-Ingenieur war von Beginn an begeistert von seinem Auto, das dank 150 PS nicht nur schnell beschleunigt, sondern auch eine gute Straßenlage hat und sehr windschnittig ist – was wiederum dem geringen Verbrauch zugute kommt. „Ich nutze das Auto jeden Tag, auf kurze Strecken ist es unschlagbar“, sagt Borgers, fügt aber an: „Ich würde kein reines E-Auto fahren, sowas ist nur sinnvoll für Gemeinden und für Privatleute, die nur Kurzstrecken fahren.“ Rund 40 000 Euro kostet ein Opel Ampera, allein der Lithium-Ionen-Akku schlägt mit 10 000 Euro zu Buche.

Borgers besitzt neben seinem Hybrid auch noch ein gewöhnliches Auto. Denn für längere Fahrten wie in den Urlaub sieht er vor allem für reine Elektroautos ein Problem: „Man kann ja nicht einfach losfahren. Man muss wissen, wo die nächste Ladestation steht“. Und es gebe eben bei weitem noch nicht genug öffentliche Stromtankstellen, um auch bedenkenlos längere Touren anzutreten.

Besser als Maserati und Co.

Doch auf lange Sicht, wenn die nötige Infrastruktur steht, werde sich das Elektroauto durchsetzen. Zwar kostet die Herstellung weitaus mehr, weil vor allem viel mehr Kupfer als in einem normalen Auto verbaut werden muss. Doch wegen der viel niedrigeren Kosten für den Unterhalt führe letztlich kein Weg an den E-Motoren vorbei.

Borgers hat den Kauf des Ampera trotz der vielen Besonderheiten nie bereut. „Ich bin schon viele Autos gefahren: Ferrari, Maserati, BMW, aber das ist die geilste Karre, die ich je gefahren bin. Ich will nichts anderes mehr.“

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer
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